Heute geht es im Uefa-Pokal gegen Bukarest
Herbert Karajan und der stille Stratege aus Hamburg

HAMBURG. Tief in den Neunzigern: Der Hamburger SV dümpelt im Mittelfeld durch den Alltag der Bundesliga. Ausreißer nach oben gibt es erst später: 2000 und 2003 qualifizierten sich die Rothosen für die Champions League. Um kurz darauf wieder in der Versenkung zu verschwinden. „Die Ausreißer müssen nun in die andere Richtung gehen“, sagt Präsident Bernd Hoffmann und meint: Der HSV soll sich langfristig einreihen in die Phalanx europäischer Topklubs. Die Zeichen stehen gut. Parallel zu einem furiosen Saisonverlauf – heute geht es im Uefa-Pokal gegen Rapid Bukarest – präsentierte der Verein am Montag einen neuen Hauptsponsor: Die Fluglinie „Emirates“ zahlt in den nächsten drei Jahren 15 Millionen Euro.

Schon einmal versuchte der einzige Verein, der durchweg in der Eliteklasse paradierte, aus dem Mittelmaß in höhere Sphären vorzudringen. Es war vor der Saison 1976/77, als ein gewisser Dr. Peter Krohn das Potenzial des Vorzeigeklubs der Hafenmetropole erkannte und versuchte, das Tor zur Welt zu aufzustoßen.

Vor 30 Jahren erregte der eloquente Zampano, im Hauptberuf Verleger, damit eine Menge Aufmerksamkeit. 20 000 Fans kamen zum alten Stadion an den Rothenbaum, wo der Verein 1960 die letzte Meisterschaft gefeiert hatte, um einen „neuen“ HSV zu sehen. Krohn dröhnte die Namen der Spieler ins Mikrofon, die wie dressierte Seehunde im Zirkus auf das Podest hüpften: „Arno Steffenhagen“, „unser Däne, Ole Björnmose“, „Willy Reimann“. Der Clou: Rosafarbene Trikots.

„Auch wir haben diese Farbe für Auswärtstrikots überlegt, es war aber nicht konsensfähig“, schmunzelt Hoffmann heute über gewisse Parallelen. „Krohn hat ganz früh den Verein als modernes Unternehmen begriffen“, lobt Hoffmann seinen Urahnen im Amt. Der heute 73-Jährige versprach zu jener Zeit: „Ich führe den HSV an Europas Spitze“. Und er hielt Wort. Bereits 1977 gewannen die Hamburger den Europapokal der Pokalsieger, ein gewisser Felix Magath traf im Finale gegen Anderlecht, der HSV siegte mit 2:0. Krohn hatte Magath via TV für gut befunden. Den internationalen Star Kevin Keegan lotste der Manager ebenfalls an die Elbe. Dieser Transfer brach 1977 als erster die Zwei-Millionen-Mark-Grenze in der Bundesliga. Der HSV wurde nicht nur 1979 Deutscher Meister, er war auch in aller Munde, eine Marke von Wert, auch international.

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