Hildebrand über Chelsea-Fehler
„Es ist passiert, aber es darf nicht passieren“

Timo Hildebrand hat das erste Tor bei der 0:3-Pleite der Schalker gegen Chelsea verschuldet. Nach dem Spiel zeigte sich der Torhüter zerknirscht über seinen Fehler. Trost spendete ausgerechnet der gegnerische Trainer.
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London„Shit happens“, sagte Jose Mourinho. Was etwas frei übersetzt so viel heißt wie „Dumm gelaufen“. Auch der Star-Trainer des FC Chelsea war nach dem Blackout von Timo Hildebrand weit davon entfernt, Häme über den unglücklichen Schalke-Torhüter auszugießen. „Er hat mir gesagt, dass so etwas passieren kann. Ich soll es vergessen, es sei schon ganz anderen Keepern passiert“, erzählte der 34 Jahre alte Torwart, dem die kurze Begegnung mit Mourinho nach dem deprimierenden 0:3 am Mittwoch an der Stamford Bridge etwas Trost spendete. Dennoch: „Das hätte ich mir gerne erspart. Ich hoffe, das war das erste und letzte Mal, dass ich so einen Fehler mache. Es tut mir leid für die Truppe, denn bis dahin hatten wir gut gespielt.“

Die kuriose Szene in der 31. Minute, die sein Team nach starkem und mutigem Beginn beim Premier-League Club völlig aus der Spur brachte, dürfte Hildebrand nachts in seinen Träumen noch einige Male verfolgt haben. Unendlich viel Zeit hatte er nach einem Rückpass mit dem Ball am Fuß, um sich eine Anspielstation zu suchen - eigentlich.

„Ich schaue hoch, kann aber keinen anspielen. Dann lege ich mir den Ball noch mal vor, gucke noch mal hoch, dann kommt Eto'o. Ich konnte den Ball nicht wegschlagen, und dann war es zu spät“, schilderte Hildebrand den Ablauf vor dem 0:1 und entschuldigte sich später bei den Mitspielern für seinen Fauxpas. „Es ist passiert, aber es darf nicht passieren.“

Natürlich versuchten alle, den Unglücksraben zu trösten, der zuletzt gegen Dortmund und in Berlin stark gehalten hatte. Doch in der Sekunde, in der es passierte, stand allen Schalkern das Entsetzen im Gesicht. Manager Horst Heldt drehte sich weg und sah gar nicht mehr, wie der von Samuel Eto'o abgeblockte Ball über die Torlinie kullerte und das ganze Spielkonzept mit einem Schlag über den Haufen warf. „Durch den Riesenfehler passierte das, was wir vermeiden wollten. Chelsea konnten tief stehen und kontern. Nach dem 0:2 war es dann bei der Klasse des Gegners schwer zurückzukommen.“

Mourinho konnte entspannt zusehen, wie Eto'o nach seinem Schlitzohr-Tor den zweiten Treffer (54.) nachlegte und seine Elf mit dem 3:0 des eingewechselten Demba Ba (83.) dem Revierclub vor 41 194 Fans wie im Hinspiel die Grenzen aufzeigte. Zu allem Überfluss verletzte sich Schalkes Bester Julian Draxler, der bereits nach fünf Minuten die Führung hauchdünn verpasst hatte, am Schienbein (starke Prellung). Kevin-Prince Boateng bekam erneut einen Schlag auf sein Problemknie. Trainer Jens Keller hofft, dass sie am Samstag im Bundesliga-Heimspiel gegen Werder Bremen wieder an Bord sind.

Hildebrand aufzubauen, werde nicht nötig sein, betonten die Knappen. „Er ist 34, hat wahnsinnig große Erfahrung. Das wird ihn nicht runterziehen“, meinte Keller und ist sicher: „Timo wird seine Leistung in den nächsten Spielen wieder bringen.“ Davon ist auch der Keeper überzeugt, selbst wenn „jetzt wieder eine Torwartdiskussion losgeht“. Er sei „stark genug“, damit umzugehen: „Ich habe in meiner Karriere schon anderes überstanden. Keiner muss sich Sorgen machen.“

Für den angestrebten Achtelfinal-Einzug hat die erste Pleite nach sechs Königsklassen-Auswärtsspielen ohne Niederlage keine große Bedeutung. Weil sich der FC Basel (5 Punkte) und Steaua Bukarest (2) 1:1 trennten, steht Schalke (6) als Zweiter hinter Gruppenfavorit Chelsea (9) vor den Partien in Bukarest (26. November) und gegen die Schweizer (11. Dezember) weiter gut da. „Wir haben es noch selbst in der Hand, weiterzukommen“, analysierte Keller die Konstellation.

„Wir können mit einem Sieg in Bukarest und einem entsprechenden Ergebnis im anderen Gruppenspiel schon in die K.o.-Phase einziehen. Wir fahren mit voller Kraft nach Rumänien“, sagte Dennis Aogo. Wichtiger aber ist zunächst das Heimspiel gegen Werder, um einen Rivalen im Kampf um Bundesliga-Platz vier auf Abstand zu halten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Es ist doch tröstlich, dass auch solchen Spitzenkräften mal echt dämliche Fehler unterlaufen. Damit befinden wir uns doch gleich alle wieder in guter Gesellschaft.

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