Hoeneß im Stadion
„Mia san mia“

Zum ersten Mal seit der Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung hat sich Bayern-Präsident Uli Hoeneß in der Öffentlichkeit gezeigt - im Stadion. Dort ließ er sich von einem Spitzenspiel mitreißen.
  • 12

MünchenAuch von den neuen Enthüllungen in seiner Steueraffäre hat sich Bayern-Präsident Uli Hoeneß nicht vom Stadionbesuch beim Giganten-Treffen mit dem FC Barcelona abbringen lassen. Nur knapp zwei Stunden, nachdem die „Süddeutsche Zeitung“ (Mittwoch) vorab von einer vorläufigen Festnahme von Hoeneß im März berichtet hatte, stieg der Aufsichtsratschef des deutschen Fußball-Rekordmeisters am Dienstag aus einem Wagen und ging mit einem rot-weißen Schal um den Hals in die Allianz Arena.

Hoeneß wirkte äußerlich unbeeindruckt von den jüngsten Entwicklungen. Der Haftbefehl, der nach „SZ“-Informationen gegen ihn vorlag, ist außer Vollzug gesetzt worden. Dies wurde der dpa aus Justizkreisen bestätigt. Der 61-Jährige hat laut der Zeitung eine Kaution in Millionenhöhe hinterlegt.

Der Besuch in der ausverkauften Allianz Arena war der erste Auftritt des Bayern-Patriarchen nach dem öffentlichen Outing als Steuersünder. Vor dem Anpfiff sah man ihn in der Ehrenloge in lockeren Gesprächen mit dem früheren Innenminister Otto Schily, Ex-Bayernprofi Bixente Lizarazu und seinem Bruder Dieter.

Bei der Choreographie der Fans hielt er ein rotes Pappschild mit der Aufschrift „Mia san mia“ in die Höhe. Nach Thomas Müllers 1:0 in der 25. Minute sprang er begeistert auf und klatschte mit Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ab.

Schon vorher war Hoeneß um Schadensbegrenzung bemüht. „Ich habe erkannt, dass ich einen schweren Fehler gemacht habe, den ich versuche, mit der Selbstanzeige zumindest halbwegs wiedergutzumachen“, betonte der Unternehmer in der „Sport Bild“ (Mittwoch). Negative Folgen für den deutschen Fußball befürchtet unterdessen der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger. „Da werden wir nun einige Häme zu spüren bekommen“, sagte Zwanziger.

Dagegen verteidigte Bayern-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer seinen langjährigen Weggefährten. „Uli Hoeneß ist kein Betrüger, da ist ihm irgendein Fehler unterlaufen, das kann sein“, sagte Beckenbauer im TV-Sender Sky Sport News HD. „Ich halte zu ihm, immer, ganz gleich was passiert, das habe ich ihm auch gestern auf Band gesprochen“, erklärte der Weltmeister von 1974.

Nach einer Selbstanzeige im Januar hatte die Staatsanwaltschaft München II Ermittlungen gegen Hoeneß wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung aufgenommen. Hoeneß' Anwalt war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen, auch vom FC Bayern gab es keinen Kommentar.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Hoeneß im Stadion: „Mia san mia“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Leider hat bisher keiner verstanden, warum der Uli in der Schweiz gespart hat. Jezt muß er die Katze aus dem Sack lasse, dass er den Spanischen FCB kaufen wollte und mt dem deutschen FCB eine Spielgemeinchaft gründen wollte. Diese Weltherrschaft beim Fußball wär ihm auf Lebzeit gewiß gewesen. Nun kam es anders. Schade.

  • Schöner blog post aus 2010, aber zutreffend wie damals...
    http://gedankenerbrechen.wordpress.com/2010/12/10/politiker-korrupt-polizei-super-geiz-strafbar-manchmal/

    Wie beim früheren Post-Chef Klaus Zumwinkel, der vor einiger Zeit vom Landgericht Bochum zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden ist. Ja, eine saftige Geldstrafe gabs da auch. Aber so eine Bewährungsstrafe verwundert schon, wenn doch der Vorsitzende Richter Wolfgang Mittrup in der Urteilsbegründung sagte, dass Zumwinkel bei seiner Steuerhinterziehung „akribisch, dauerhaft und mit krimineller Energie“ vorgegangen sei. Was bei vermögenden Menschen wie Herrn Zumwinkel nicht allein mit dem Streben nach immer mehr Reichtum erklärbar sei. Andererseits: Wenn eine arme Wurst sich mehr als einmal dabei erwischen lässt, wenn sie im Laden eine Tafel Schokolade klaut, kann das, wenns dumm läuft, mit ein paar Jahren Knast ausgehen. So siehts aus. Wenn man mit einer Bagatell-Strafe davon kommen will, darf man sich nicht bei Bagatellen erwischen lassen!

  • @ pharmos

    Was wir nicht brauchen sind Leute, die sich schützend vor Steuerbetrüger stellen. Mag das Steuerrecht auch noch so kompliziert sein; so haben Reiche genügend Möglichkeiten und Geld einen kompetenten Steuerberater mit ihren Erklärungen zu beauftragen.

    Warum sollten sie sich nicht für soziale Zwecke in Deutschland engagieren? Es bleibt unter dem Strich immer noch genügend für sie über.

    Eine Wiederherstellung feudaler Systeme wie im Mittelalter (in der der Gutsherr oder der (Geld-) Adel nach Gutdünken schaltet und waltet) ist in unserer Gesellschaft nicht wünschenswert!

    Wir brauchen auch keine von Reichen und Promis organisierte Charity Shows, in denen sich diese Leute präsentieren und ihr schlechtes Gewissen (scheinbar) reinwaschen.

    Eine faire Besteuerung (bei den 100 Tausend Absetzungsmöglichkeiten für Vermögende is die Besteuerung immer noch mehr als in Ordnung), würde für ausreichend finanzielle Mitel des Staates sorgen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%