Hoeneß' Steuer-Affäre
„Wir haben lückenlos recherchiert“

Die Behauptung eines Insiders, Uli Hoeneß habe ein weitaus größeres Vermögen besessen als bisher bekannt, wurde nicht bestätigt. „Wir haben lückenlos recherchiert“, so der Sprecher von der Münchner Staatsanwaltschaft.
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DüsseldorfDas Urteil ist schon längst gefallen, doch die Behauptungen gegen den einstigen Bayern-Präsident nehmen kein Ende. Uli Hoeneß hat 28,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen und muss für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Ein Insider behauptete gestern, dass die wahre Dimension des Falls immer noch unbekannt und nicht aufgeklärt ist. „Die tatsächlichen Beträge, um die es geht, konnte die Justiz gar nicht nachvollziehen. Die meisten Kontounterlagen sind ja erst kurz vor Prozessbeginn vorgelegt worden“, zitiert ihn das Nachrichtenmagazin Stern. Ein Grund dafür könnte auch der kurze Prozess gewesen sein.

Hoeneß soll demnach zeitweise Werte von 600 Millionen Schweizer Franken auf seinem Konto, also ungefähr 400 Millionen Euro, gehabt haben. „Das Vermögen hat kräftig geschwankt. Da gab es auch kurzfristig Ausschläge in zweistelliger Millionenhöhe.“ Hoeneß bestreitet, ein Vermögen in dieser Größenordnung zu haben. Zudem erklärte er vor Gericht in München, es seien keine Gelder auf andere Konten abgeflossen. Der geheime Informant behauptet das Gegenteil: „Über die Jahre wurden auch immer wieder sehr hohe Beträge auf Konten bei anderen Schweizer Banken transferiert, etwa bei Credit Suisse und Julius Bär“. Wer hinter jenen Nummernkonten steckte, sei allerdings nicht ersichtlich.

Ein anderer Vorwurf lautet: Auf dem Geheimkonto von Hoeneß bei der Schweizer Vontobel-Bank sei viel mehr Geld hin und her geschoben worden als bekannt. Da entsteht auch der Verdacht, dass es sich bei Hoeneß' Konto um eine schwarze Kasse des FC Bayern gehandelt haben könnte. „Wir haben durch die erst im Februar gelieferten Daten der Bank nun einen vollständigen Überblick über die Vermögensentwicklung auf diesem Konto“, sagt Ken Heidenreich, der Sprecher der Staatsanwaltschaft München II, im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. „Auch die Herkunft der Mittel ist restlos aufgeklärt. Wir haben lückenlos recherchiert, woher das Geld kam.“ Aber, sagt Heidenreich: „Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass es sich um ein FC-Bayern-Konto handelt.“ Weil alles nun so offen zutage liegt, konnte das Gericht den Prozess auch in nur vier Tagen durchziehen.

Ein Teil des Geldes kam von Hoeneß selbst: circa zehn Millionen D-Mark, die er von seinem legalen Konto bei der Reuschel Bank über sein legales Konto bei der Graubündner Kantonalbank auf sein Spielkonto bei der Bank Vontobel transferierte.

Hinzu kam 2001 das Geld vom früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus: fünf Millionen D-Mark, zudem eine Bürgschaft in Höhe von 15 Millionen D-Mark. Sonst kam nichts. Von niemandem. Sagt die Staatsanwaltschaft. Vor dem Jahr 2001, bis zu dem zurück die Fahnder das Konto überprüften, lagen dort nur ein paar Hunderttausend Franken – zumindest für Hoeneß eine kleine Summe. Das Konto selbst bestand bereits seit den Siebzigerjahren. Was zuvor war, kann die Staatsanwaltschaft nicht ermitteln – das ist verjährt und entzieht sich der Nachforschung. Eine Staatsanwaltschaft kann ohne Anhaltspunkt nicht das komplette Finanzleben eines Menschen durchleuchten.

Eine Frage bleibt allerdings immer noch: Waren die Millionen des 2009 verstorbenen Dreyfus kein „Spielgeld“ für einen Freund, zumindest sagte es Hoeneß so, sondern ein Geschäft? Fakt ist, dass Adidas kurz danach als Gesellschafter der FC Bayern AG aufgenommen wurde. Für den Sportartikelkonzern war diese Partnerschaft von enormer Bedeutung.

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Staatsanwaltschaft weiß nichts von 400 Millionen

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  • Der "arme" Ulrich H.
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    Er hatte doch nur ein Konto und darauf hatte er 10 Millionen Euro transferiert. Danach hatte er von "seinem Freund" noch einmal 5 Millionen "geliehen" bekommen haben. Anschließend noch eine Bürgschaft über 15 Millionen.

    Am Anfang gab Ulrich H. zu, 3,5 Millionen an Steuern hinterzogen zu haben. Dann waren es plötzlich schon 18,5 Millionen, dann 23,7 Millionen, dann 27,2 Millionen, am Schluss dann 28,5 Millionen.
    Auf seinen Konto sollten sich maximal 150 Millionen befunden haben. Jetzt spricht man von 400 Millionen.
    Und er hatte auch noch andere Konten in der Schweiz.

    Genauso wehrt sich Hoeneß gegen den Vorwurf des Magazins, es seien Gelder von seinem Konto bei der Schweizer Vontobel-Bank oder der beiden dort geführten Unterkonten zu anderen Instituten geflossen. Genau das hält ihm der Insider im „Stern“ nun vor: "Über die Jahre wurden auch immer wieder sehr hohe Beträge auf Konten bei anderen Schweizer Banken transferiert, etwa bei Credit Suisse und Julius Bär".

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