Hoeneß, Steuern und der Götze-Transfer
Von Schwarzgeld zu Schwarz-Gelb

Der Transfercoup mit Mario Götze überlagert plötzlich die Steueraffäre um Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Das wirft die Frage auf, ob der Zeitpunkt wirklich purer Zufall ist. Nicht nur aus Dortmund heißt es: nein.
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DüsseldorfUli Hoeneß wird am Dienstagabend im Halbfinalspiel der Champions League gegen den FC Barcelona im Stadion sitzen. Hinter Bayern-Verwaltungsbeirat und Focus-Herausgeber Helmut Markwort, also dem Mann, dessen Magazin für die Veröffentlichung der Steueraffäre verantwortlich ist. Bayerns Präsident wird das bedeutsame Duell in seiner als Geschäftsmann dunkelsten Stunde konzentriert verfolgen. Denn während das eine Lebenswerk, das Image des integren Unternehmers, zu bröckeln beginnt, geht es dem anderen Lebenswerk, dem FC Bayern München, besser denn je.

Hoeneß wird sich nichts anmerken lassen. Er wird äußerlich den Fragen und Blicken der Journalisten, Fans und Offiziellen standhalten. Weil er der Präsident des FC Bayern München ist und wohl auch bleibt. Und weil der Verein in die Gegenoffensive geht.

Die Münchener beherrschen in diesen Tagen die deutsche Medienlandschaft. Doch geht die Berichterstattung über die übliche Pflichtübung hinaus, den sportbegeisterten Leser auch abseits der Fachpublikation bei der Stange zu halten. Denn das Thema, um das es geht, hat nicht nur eine sportliche Komponente.

Alle großen Medienseiten, TV-Sender und Zeitungen hätte am heutigen Dienstag über das Halbfinale berichtet. Der Kracher FC Bayern gegen den FC Barcelona wird, soviel ist absehbar, Millionen Fans in seinen Bann ziehen. Aber dieses sportlich anspruchsvolle Duell ist nicht des Pudels Kern. Ins Gespräch gebracht wurde der Rekordmeister am Wochenende eben vom „Focus“, Aufhänger war die Selbstanzeige von Bayern-Präsident Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung. Die „Süddeutsche“ verschärfte die Lage noch einmal, als sie von angeblichen privaten Darlehen des Ex-Adidas-Chefs Louis-Dreyfus berichtete.

Diese geballte Form negativer Berichterstattung ist der Verein nicht gewohnt. Gerade in diesen Wochen, da die Bayern den frühesten deutschen Meistertitel der bisherigen Bundesliga-Geschichte sowie einen souveränen Viertelfinalerfolg gegen Juventus Turin feiern konnten, lag das mediale Deutschland dem FCB sprichwörtlich zu Füßen. Es ist eine Form der Krise, die die Verantwortlichen an der Säbener Straße in dieser Form nicht kannten. Nicht, dass der Verein in der Vergangenheit mit mitunter härtester Kritik am eigenen Vorgehen nicht umgehen könnte. Nur ist dieser Fall anders: Er kratzt am Münchener Selbstverständnis, dem vielzitierten „Mia san Mia“.

Die Fallhöhe bei Hoeneß ist beträchtlich. Der Bayern-Präsident schwang sich in der Vergangenheit immer wieder zum Kritiker von undurchsichtigen Geschäftspraktiken und Steuersünden aus – von einem Standpunkt aus, der in seiner Integrität über jeglichen Zweifel erhaben war.  Das Bild in den vergangenen Tagen vom stärksten Mann der Liga war plötzlich ein anderes: Geständiger Straftäter, womöglich Empfänger von privaten Millionenzahlungen während laufender Vertragsverhandlungen, mutmaßlicher „Börsen-Zocker“. Der Verein zog Konsequenzen.

Kommentare zu " Hoeneß, Steuern und der Götze-Transfer: Von Schwarzgeld zu Schwarz-Gelb"

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  • Es ist deutlich spürbar, dass die BVB-Fans angeknockt sind. Ihren Frust kann man verstehen, vor allem da der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Transfers tatsächlich sehr unpassend ist.
    Das der Transfer jetzt aber in eine Art Hetzkampagne gegen den FC Bayern ausartet (zu der ich in gewisser Weise auch obigen Artikel zähle) verstehe ich hingegen gar nicht.
    Es stimmt: Der FC Bayern kauft seinem ärgsten nationalen Konkurrenten den vielleicht besten Spieler weg, aber tun sie das um den Gegner weiter zu schwächen. Die Antwort spare ich mir hier mal im Hinblick auf die aktuelle Bundesliga-Tabelle. Vielmehr liegt meiner Meinung nach das Hauptaugenmerk darauf die internationale Konkurrenzfähigkeit weiter auszubauen.
    Ferner kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Meldung von Seiten des FC Bayern lanciert wurde. Spekulationen helfen hier aber beiden Seiten nicht weiter, vor allem da die Bekanntgabe auch auf Seiten des FC Bayern vor dem wichtigen Spiel heute Unruhe in die Mannschaft bringt.

    P.S.: Wie soll man eine Stillschweigevereinbarung brechen, wenn vorher kein Kontakt zwischen FCB und BVB bestand (lt. Herrn Watzke) und somit nichts vereinbart werden konnte?

  • Hinter dem FC Bayern versteckt sich der FC Deutschland. Wo bleibt eigentlich der DFB? Haben die dort einen Maulkorb verhängt. Oder hat Blatter schon mal in weiser Voraussicht dafür gesorgt, daß niemand nichts sagt, wie das im Sport in vielen Fällen den Anschein hat.

    Nein, diese Typen, sie sind vollkommen. Besoffen von der Eigenliebe ihres Amtes und ihrer gönnerhaften Taten, die in Wirklichkeit auf Kosten des Steuerzahlers vorgenommen werden.

    Oh Bobbele, telefonier doch mal mit dem Franz, daß der dem Uli sagt, daß er mal kurzweilig von der Bildfläche verschwindet.

    Es bewahrheitet sich einmal mehr, bei den Vereinen muß ab einer gewissen Größe der Laden in eine AG, zumindest in eine AG&Co., KG umfirmieren. Damit wird eine "gewisse" Ehrlichkeit zu den Vereinen hergestellt, die nur noch als Zuarbeiter für den FC Hollywood oder auch FC Bratswurst agieren dürfen.

    Und dafür wird Uli Hoeneß genüßlich von der Politik gelobt. Der geneigte Leser fragt sich laut, habe ich sie noch alle beisammen? Ja, denn dieser Sport ist mir fremd geworden.

    Uli Hoeneß bleibt für mich als Armstrong des Fußballs länger kleben. Mal sehen, wer so noch an die Öffentlichkeit will und etwas mehr Demut zeigen möchte. Von Hoeneß lernen, heißt siegen lernen. Ob das nicht schon durch die Trikots gefärbt oder bereits eingewebt wurde, das scheint hier die Frage.

    Alles abstreiten; denn schließlich gilt die Unschuldsvermutung. Immerhin war wohl nix wert, diese Selbstanzeige odr zeigt dem bei Gericht mal jemand den roten Wisch und Weg. Bei den Freunden und den vielen blauen Augen, da muß man doch zusammenhalten.

    Wann hat der Bürger von diesen Spielereien eigentlich die Nase voll und geht anstatt ins Stadion auf die Straße?

  • FCB: Hoeness ein Steuerhinterzieher und BVB kurz vor dem Halbfinale offziziell einen Spieler ausspannen. Die Toten Hosen haben es getextet und hierzu alles gesagt:

    http://www.dietotenhosen.de/veroeffentlichungen_songtexte.php?text=singles/bayern/bayern_single.php

    Fussball ist ja schon ein kommerziell völlig überbewerteter Sport, der FCB schießt aber den Vogel ab.

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