Hohe Ausgaben für Quartier-Stadt Königstein
Brasilianer sorgen für Zusatzkosten

Während der WM gastiert die brasilianische Fußballnationalmannschaft in der Kleinstadt Königstein. 18 000 Einwohner freuen sich auf den Trubel, den die Superstars vom Zuckerhut mit sich bringen. Aber die Versorgung eines WM-Quartiers sorgt auch für enorme Kosten für Land und Kommune.

HB KÖNIGSTEIN. Königstein wartet auf den Ausnahmezustand. Wenn vom 4. bis zum 16. Juni die brasilianische Fußballnationalmannschaft ins Nobelhotel Kempinski im Stadtteil Falkenstein einzieht, wird in der Kleinstadt nichts mehr sein, wie es einmal war. So wird der Stadtteil Falkenstein fast komplett gesperrt, an einem Gymnasium fällt der Unterricht aus, und täglich werden Tausende Schaulustige und Journalisten durch den idyllischen Ort ziehen. Ein Verkehrschaos in der ohnehin staugeplagten 18 000- Einwohner-Stadt scheint vorprogrammiert.

Dabei leben in Königstein nach Auskunft des Bürgermeisters Siegfried Fricke (CDU) überwiegend Menschen, die zu Hause vor allem eines haben wollen: ihre Ruhe. "Viele Königsteiner nehmen während der WM Urlaub. Die einen, um hautnah bei dem Trubel dabei zu sein, und die anderen um wegzufahren", erzählt Fricke. Insgesamt sei die Euphorie in dem Ort aber nach wie vor hoch. Das meint auch der WM- Organisationsleiter der Stadt, Thorsten Becker. Die Bedenken seien gewichen und die Bürger in Partystimmung.

Doch manches entwickelt sich anders, als sich die Gastgeber vorgestellt haben. Die Suche nach Sponsoren gestaltet sich mühsam. "Wir waren die Stadt, die als letzte erfahren hat, dass sie WM- Quartier wird. Die anderen Kommunen hatten viel mehr Vorlauf", erzählt Fricke. Er hoffe jedoch, dass die meisten Ausgaben der Stadt von Sponsoren übernommen würden. Becker sieht das nicht: "Eine Kostendeckung wird es nicht geben."

Auf der Sponsorenliste steht mittlerweile mit Nike der Ausstatter der Mannschaft. Er wird am Pfingstmontag, dem ersten Aufenthaltstag der Brasilianer nach der nächtlichen Ankunft, auf der Königsteiner Burg ein Fußballturnier für Jugendliche veranstalten. Die Stadt spart so 30 000 Euro, die sie für die Herrichtung des Platzes für ihre eigene Veranstaltung hätte zahlen müssen.

Laut Fricke wird die Stadt vermutlich über 500 000 Euro in das Spektakel investieren, das sind auch für den Nobelort keine Peanuts. Zwar ist Königstein gemessen an der Kaufkraft ihrer Einwohner die drittreichste Kommune Deutschlands, das Haushaltsloch ist laut Bürgermeister jedoch vier Millionen Euro groß - hinzu kommen die Ausgaben für die WM. Das bereitet auch dem designierten Bürgermeister von Königstein, Leonhard Helm (CDU), Kopfzerbrechen. "Das Geld muss sozusagen im Haushalt erst noch gefunden werden."

Zunächst war in Königstein nur von Ausgaben von rund 450 000 Euro die Rede gewesen. Für nicht kalkulierte Zusatzkosten sorgte zum Beispiel der Rasen auf dem den Brasilianern zugedachten Sportplatz. Wegen des langen Winters sprossen dort die Grashalme nicht wie vom brasilianischen Team gewünscht. Und so wurde in Königstein feinster Rollrasen für rund 80 000 Euro auf dem Sportgelände ausgelegt, ursprünglich sollte die Sanierung des Geläufs 30 000 Euro kosten. Der Hochtaunuskreis und das Land Hessen übernehmen teilweise die Kosten, die Stadt Königstein muss für den Rasen daher nur rund 12 000 Euro mehr berappen als ursprünglich eingeplant.

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