Hohe Schulden
Die Premier League baut ihren Vorsprung aus

Die reichste Fußball-Liga der Welt legt weiter zu. In der Saison 2007/2008 verbuchte die englische Premier League einen Rekord bei Umsatz und Gewinn. Doch hohe Schulden und die Wirtschaftskrise bedrohen den finanziellen Erfolg. Gerade Top-Klubs wie Manchester United oder Chelsea London stehen tief in der Kreide. Sparen ist in der englischen Spitzenliga aber trotzdem nicht angesagt.

LONDON. Zum Champions-League-Titel hat es für den englischen Serienmeister Manchester United (ManU) in diesem Jahr zwar nicht gereicht, das tut seiner wirtschaftlichen Attraktivität aber keinen Abbruch. Der Verein hat einen neuen Trikotsponsor an Land gezogen, der wie Vorgänger AIG aus dem US-Versicherungsgeschäft kommt. Während AIG in den Sog der Finanzkrise geraten ist, scheint es dem neuen Geldgeber Aon noch gut zu gehen. Der Versicherer kann es sich leisten, jährlich rund 23 Mio. Euro an ManU zu überweisen – das sind 45 Prozent mehr als die 16 Mio. Euro, die der Klub bislang von AIG kassierte.

Die Premier League festigt ihren Ruf als finanzkräftigste Fußball-Liga der Welt. Die neue Studie der Unternehmensberatung Deloitte zeigt, dass die englische Spitzenliga in der Saison 2007/08 die Einnahmen auf 2,4 Mrd. Euro steigern konnte, das ist rund eine Mrd. Euro mehr als die deutschen Bundesliga. Auch bei der Rendite hat sich die Premier League mit einem Rekordgewinn vor Steuern von 234 Mio. Euro vor den deutschen Konkurrenten geschoben, dessen Betriebsergebnis von 250 auf 136 Mio. Euro sank.

Doch die Zahlen verdecken, dass die Premier League eine Schuldenlast drückt, die ihren gesamten Jahresumsatz übersteigt – 3,1 Mrd. Pfund. Gerade die Top-Klubs stehen tief in der Kreide: ManU und Chelsea schultern je rund 700 Mio. Pfund an Schulden. Daher hat Manchester letztes Jahr, als der Klub Meisterschaft und Champions League gewann, gar einen Verlust von 21 Mio. Pfund vor Steuern ausgewiesen. Grund dafür: Zinszahlungen von 45 Mio. Pfund.

Die Verbindlichkeiten hatte die Glazer-Familie dem zuvor schuldenfreien Klub bei der Übernahme 2005 aufgebürdet. Ähnlich erging es dem FC Liverpool: Die Schulden stiegen mit dem Kauf durch die US-Investoren Tom Hicks und George Gillett von 45 auf 350 Mio. Pfund.

Weil die Deloitte-Daten aus der Saison 2007/08 stammen, spiegeln sie nicht die aktuelle Lage. „Angesichts der Wirtschaftskrise sollten die Klubs ihre Kosten begrenzen“, warnt Deloitte-Berater Dan Jones. Zwar liege die Stadionauslastung im Schnitt bei über 90 Prozent – allerdings hätten viele Klubs die Ticketpreise einfrieren müssen. Zudem drohen Einbußen im Hospitality-Bereich und beim Fanartikel-Verkauf.

Sparen ist in England aber trotz Wirtschaftskrise und Schuldenlast nicht angesagt. In der Saison 2007/08 gaben die Vereine erstmals mehr als eine Mrd. Pfund für Gehälter aus. Die Gehaltskosten stiegen auf 1,2 Mrd. Pfund – ein Plus von 23 Prozent. Am spendabelsten war der russische Milliardär Roman Abramowitsch, Eigentümer von Chelsea. Der Klub zahlte 172 Mio. Pfund an Spielergehältern, 42 Prozent mehr als ManU. Die Fans müssen nicht befürchten, dass bei Chelsea nun der Geiz ausbricht. Zuletzt wollte Trainer Carlo Ancelotti den brasilianischen Star Kaká nach London locken. Der hat sich aber – gut für die Chelsea-Bilanz – wohl für Spanien entschieden: Angeblich wechselt er für rund 70 Mio. Euro vom AC Mailand zu Real Madrid.

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