Hoher Preis für Sicherheit: So teuer ist der Fußball

Hoher Preis für Sicherheit
So teuer ist der Fußball

Nach den Ausschreitungen beim Relegationsspiel zwischen Düsseldorf und Berlin wird der Ruf nach mehr Sicherheit lauter. Steuerzahler, Vereine und Fans greifen dafür tief in die Tasche. Es könnte aber noch teurer werden.
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KölnEs war ein neuer Höhepunkt des Krawalls. Tausende Anhänger stürmten am Dienstag beim Relegationsduell zwischen Düsseldorf und Hertha BSC schon Minuten vor Spielende den Platz. Rauchbomben wurden gezündet. Erst nach einer längeren Unterbrechung konnte das Spiel beendet werden. Tags zuvor gab es in Karlsruhe Ausschreitungen mit mehreren Dutzend Verletzten, nachdem der heimische Verein in der Relegation gegen Regensburg scheiterte und in die dritte Liga abstieg. Am letzten Bundesligaspiel nebelten Zuschauer das Rheinenergie-Stadion des Absteigers 1. FC Köln mit schwarzen Rauchbomben ein.

Wer in diesen Tagen in Deutschland ein Fußballspiel besucht, braucht gute Nerven. Die Diagnose des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) ist eindeutig „Die bisherigen Sicherheitsmaßnahmen reichen nicht mehr aus“, sagte dessen Präsident Wolfgang Niersbach am Mittwoch. Die Diskussion darum, wie die auffällige Fans gebändigt werden können, ist eröffnet. Mehr Personal, mehr Technik – so lauten die Forderungen. Auf Klubs, Fans und den

Staat kommen höhere Kosten zu. Doch schon jetzt müssen sie einiges für die Stadionsicherheit aufbringen.

Die Kosten für den Polizeieinsatz am Spieltag trägt der Steuerzahler. In Dortmund rücken bei brisanten Spielen der Borussia – etwa gegen den Erzrivalen Schalke 04 – mehr als 1.000 Beamte aus. Nach Angaben der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) verursachte der gesamte Profifußball in der Saison 2010/11 so Kosten von rund 1,5 Millionen Euro. Das entspricht etwa 1.200 Vollzeitstellen. Zudem belasten die Kosten für rund 6000 Strafverfahren pro Saison die Staatskasse.

Die durchschnittlichen Polizeikosten eines Bundesligaspiels beziffert die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) auf 100.000 Euro. Dabei legt sie einen Wert von 50 Euro pro Stunde und Polizist zugrunde. Müsste die Bundesliga diese Kosten selbst übernehmen, kämen auf die 18 Vereine insgesamt mehr als 30 Millionen Euro pro Saison zu. 

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So teuer ist der Fußball

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Die Kosten trägt der Steuerzahler

Kommentare zu "So teuer ist der Fußball"

Alle Kommentare
  • wie überall: Gewinne werden privatisiert und die Kosten sozialisiert
    WIR SIND ALLE GRIECHEN !!!

  • !!! Wir brauchen Brot statt Spiele !!!
    Die Welt steckt in der Krise, die Natur rebelliert, Kriege toben.... und was ist in der Arroganz-Arena wichtig, MIA SAN MIA?
    Was diese Balltreter und ihre Übungsleiter im einzeln und im allgemeinen den ganzen Tag über ihren Kleinkosmos erzählen zu müssen glauben, interessiert doch nicht wirklich. Diese Figuren sind doch nur Teil einer medialen Muppet Show. Immer häufiger stellt sich die Frage, ob diese Gestalten nicht einfach nur zu lange am Kopfballpendel gearbeitet haben? Die gesamte Vereinsführung rekrutiert sich mittlerweile aus diesem Gesindel. Der Vereinspräsident fährt den Spielern die Kohle mit der Schubkarre rektal bis zum Anschlag ans Zäpfchen hinein.
    Aber ein MIA SAN MIA das versteht sogar ein Breno.
    Wir brauchen Brot statt Spiele!!
    Für Tausende arme Menschen in der sündteuren Isar-Metropole ist die Münchner Tafel die letzte Hoffnung??? Für die Ausstattung von Schulen ist kein Geld da und Lehrern wird die Absetzbarkeit von Arbeitszimmern verweigert. Die Stadt gibt aber 100 Millionen Euro für die Infrastruktur der Arroganz-Arena und trägt weiterhin die Kosten für das Museum „Olympia Stadion“!!! Der Steuerzahler übernimmt dazu noch die Kosten für Polizei-Einsätze und Stadt-Reinigung. Keine andere Region Deutschlands ist suboptimierter, wie die am Weißwurst-Äquator. Wenn beim kollektiven „Oans Zwoa Gzuffa“ alle Hofnarren und Deppen der Region in der Arroganz-Arena versammelt sind, haut sich die Spaßgesellschaft auf dem Champagner-Deck des FC Bayern auf die Schenkel. Denn die VIP-LOGEN bezahlt das Finanzamt für Geschäftsanbahnungen aller Art.
    Nach der Veranstaltung versinkt die Stadt im Dreck und Müll, die Spaßgesellschaft verpieselt sich, zum Haus am See.
    Armes München!!

  • Ist doch ganz einfach die Kosten da einzutreiben wo sie entstehen.
    Eintrittskarte mit einer € 10.- Sicherheitsgebühr beaufschlagen und gut.
    Das ist bei jedem Flugticket auch so. Die Leute fliegen trotzdem und sie werden auch ins Stadion gehen.

    Diese Sicherheitsgebühr wird ja bei einer Flugreise auch nicht vom Steuerzahler beglichen. Verursacherprinzip.

  • Wie kann es so weiter gehen, dass die Stadionsicherheit auf die Polizei verlagert wird? Hier werden Millionengehälter an die Spieler gezahlt, aber für die Sicherheit für die Fans, Kinder und Familien muss die Polizei sorgen? Jeder Verein muss künftig für alle Besucher alleine für Sicherheit sorgen. Es müssen wieder Absprrungen zum Spielfeld aufgebaut werden. Ebenfalls alle Sicherheitsvorkehrungen im Stadion eingebaut werden. Auch Detektoren, Scaner und Kameras sollten ebenfalls eingebaut werden. Aber auch eine Kontrollen von einigen Frauen, weil sie die Bengalos ins Stadion am Körper bringen.

  • Ich denke, dass diese Einsicht erst dann einsetzt, wenn das Geld weg und der Schuldenhimalaya da ist. Vereine wie Eintracht Frankfurt, Hertha BSC, FC Köln, usw, die noch nicht wirklich tief gestürzt sind, werden einfach die Geldbußen bezahlen, oder auch vor leeren Publikum spielen, weil Geld halt noch genug da ist. So einem Bundesligist (bzw. ein solcher der noch 1 Jahr mit zweistelligen Millionenbudget in der 2.Liga spielen kann) würde es immer noch nicht jucken, ob er die Polizeikosten übernimmt. Für so einem Bundesligaclubvorstand ist das ein Kalkulationsproblem.

    Es gibt aber ein grundsätzliches Problem mit der Übernahme von Polizeikosten. Die Polizei entscheidet frei, wie hoch die Sicherheitsmaßnahmen sein müssen. Dagegen würde so ein opportunistischer Bundesligaclubvorstand auf die letzten Erfahrungen verweisen und das Sicherheitsniveau immer versuchen zu drücken, wenn er die Rechnung zahlen müsste, und somit latenten Sicherheitsrisiken komplett ignorieren (mit Absicht!). Und wenn am Ende alles schief geht, dann kann dieser Bundesligaclubvorstand immernoch auf vermeindlichen Unfähigkeit der Sicherheitsdienste oder gar das berühmte "Versagen Einzelner" verweisen.

    Und da gibt es noch was. Das "Öffentliche Interesse". Wenn in einer Stadt mit 500.000 Einwohner, 50.000 zum Fußballspiel gehen, dann sind das immerhin 10%. Es gibt Parteien die sich freuen würden 10% einzukassieren (Bei 60% Wahlbeteilung sind das dann 16.6%). Nenne Sie mir mal eine Bürgerinitiative die es schafft auf 10% der Bevölkerung zu kommen, wenn sie gegen Fluglärm, Strommasten, etc. protestieren.

  • Das mit den Sitzplätzen ist großer Schwachsinn. Bis auf etwas VIP-Plätze (wie für Herrn Niersbach), ältere Damen und Herren Papis mit Kindern (und diejenigen die in so einen Block gehen) benutzen die Leute so oder so nicht den Sitzplatz (Sind ja meistens Klappsitze, wegen den Reinigungsarbeiten). Eigentlich sind selbst Klappsitze eine Verschwendung und nimmt nur Platz weg. Also wenn mir den Hinter im Stadio platt sitzen soll, dann kann ich auch in eine Kneipe gehen. Für eine Stimmung wie beim Synchronschwimmen gehe ich nicht ins Stadion.

    Ich denke, dass es am Willen der Vereinsführung liegt, ob sie den Spagat schaffen wollen. Wenn die Vereinsführung sich über die "Chaoten" (die Nicht-"Erfolgsfans") in ihren Reihen düpieren, dann kapieren sie ihre langfristige Basis nicht. Wenn es dann mal nicht so gut läuft (d.h. jeder Verein muss damit rechnen ganz tief abzustürzen, z.B. Bielefeld, Karlsruhe,...), dann ist der gemeine Bundesliga-Erfolgsfan mit Sitzplatzwunsch schon längst über alle Berge. So ein Großspurfunktionär wird von seinem VIP-Sitzplatz nicht verstehen, wieviele Jahre Zeit und Muse und Dialog es bedarf (und wie das funktioniert) seine Ultras "umzuerziehen". Es wird ja nicht viel verlangt: Zündet keine Bengalos oder Rauch an, provoziert so oder so keinen Spielabbruch.

    Wenn dann so ein Obervorstand sich hinstellt und behauptet es ginge nicht, dann lügt er. In meinen Lieblingsverein hat es funktioniert. Es hat zwar Jahre gedauert (und man wird immer noch als Risikoverein eingestuft), aber ich bin rückblickend schon überrascht wie einsichtig die Leute sind. Aber sowas ist kein "Projekt", was irgendwann mal zu Ende ist, weil ein Rückfall mit horrenden Geldbußen ist immer möglich. Wenn das eine Vereinsführung kapiert, dann bekommt man auch vermeindliche "Chaoten" in den Griff.

  • Wer Millionengehälter an seine Spieler zahlen kann, sollte auch die Kosten für die Sicherheit übernehmen. Profifußball ist heute mehr Showgeschäft als Sport. Daher kann es nicht sein, dass die Vereine als Wirtschaftsunternehmen alle Einnahmen - z.B. auch aus Fernsehübertragungsrechten, die aus unseren Gebühren stammen - für sich reklamieren, aber die Kosten notwendiger Sicherheitsmaßnahmen dem ohnehin gebeutelten Steuerzahler aufbürden.

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