HSV greift an
Bühne frei für Ailton

Heute beginnt die Rückrunde der Bundesliga: Die Rückkehr des Brasilianers könnte sie vor der Langeweile bewahren.

DÜSSELDORF. Die Dramaturgie des ersten Bundesliga-Spieltags im Jahr 2006 stimmt: Heute startet Tabellenführer FC Bayern München bei Borussia Mönchengladbach in die Rückrunde. Am Samstag gehört die Bühne in erster Linie dem Hamburger SV. Das liegt nicht daran, dass der Klub Tabellenzweiter und vermeintlicher Jäger der Bayern ist, sondern dass Ailton zurückkehrt. Der Begriff Bühne passt prächtig, denn keine andere Figur verbindet fußballerisches Können so mit schauspielerischem Fähigkeiten wie der einstige Bundesliga-Torschützenkönig Ailton.

Die Frage wird sein, in welcher Relation die beiden Talente zum Tragen kommen. Einige ganz Hastige schauen schon auf den letzten Spieltag der Saison, wenn Ailton mit dem Hamburger SV auf seinen ehemaligen Klub Werder Bremen trifft. Showdown um die Champions League oder gar den Meistertitel? Thomas Schaaf schüttelt bei solch künstlich erzeugter Spannung nur den Kopf. Bremens Trainer kann dank seines Naturells jederzeit glaubhaft versichern, dass er sich immer nur um das nächste Spiel schert. Für Schaaf ist das die Partie am Sonntag bei Arminia Bielefeld.

Das perfekte Wochenende für alle Nicht-Bayern-Fans sieht deshalb so aus: am Freitag verlieren die Münchener, am Samstag gewinnt der HSV, am Sonntag Werder. Für Regiefans müsste Ailton beim 1. FC Nürnberg noch das Siegtor schießen. Der Fußball hält sich aber nur in den seltensten Fällen an ein Drehbuch. So kann es passieren, dass die Bayern am Sonntagabend neun Punkte Vorsprung auf den HSV und gar elf auf Werder Bremen haben. Horst Köppel mag daran gar nicht denken. Den Trainer von Borussia Mönchengladbach interessiert dabei jedoch herzlich wenig der Titelkampf. „Wir schauen auf uns, wollen gewinnen und nach dem Spiel 28 Punkte auf dem Konto haben. Dass sich Hamburg und Bremen dann auch freuen, ist zweitrangig“, sagte er vor der heutigen Auftaktpartie.

Die Bayern gehen die Sache gewohnt gelöst an. Der Rest der Liga muss es als Drohung verstehen, wenn Trainer Felix Magath davon spricht, dass die Vorbereitung viel besser gelaufen sei als in der vergangenen Saison. Die Konkurrenz hofft jedoch darauf, dass der Meister in dieser Saison auf den Gewinn der Champions League fixiert ist. Je länger die Bayern in der europäischen Eliteklasse mitspielen dürfen, desto größer sind die Chancen, dass sie im nationalen Wettbewerb Punkte lassen.

Sollten sie weiter an der Spitze marschieren, läge die Bundesliga im europäischen Trend der gepflegten Langeweile. In England (FC Chelsea), Spanien (FC Barcelona), Italien (Juventus Turin) und Frankreich (Olympique Lyon) scheinen die Meister schon längst gefunden. Da es aber im Interesse von Verantwortlichen und Sponsoren nicht sein kann und darf, dass die Bundesliga in den Monaten vor der Weltmeisterschaft an Bedeutung verliert, werden notfalls andere Dinge für Gesprächsstoff sorgen. Dem Hamburger SV sollte deshalb auch offiziell von der Deutschen Fußball Liga (DFL) dafür gedankt werden, dass er sich dazu entschloss, Ailton auszuleihen. „Es wird sehr, sehr einfach, ihn bei uns zu integrieren“, sagte Hamburgs Trainer Thomas Doll, als der Brasilianer vorgestellt wurde. In Bremen und Schalke dürfte das zumindest für ein Schmunzeln gesorgt haben.

Den Gegenentwurf zu Ailton stellt Mirko Slomka dar. Der 38 Jahre alte (neue) Trainer des FC Schalke 04 steht für einen neuen Trend, auch wenn er freimütig bekennt, dass er sicherlich „nicht die erste Option“ gewesen sei. Die Bundesliga glich jahrelang eher einer Geschlossenen Gesellschaft als einem Musterbeispiel für freien Arbeitsmarkt. Das hat sich auf einer ganz entscheidenden Position geändert. Slomka wird am Sonntag beim 1. FC Kaiserslautern erstmals als Verantwortlicher auf der Trainerbank eines Bundesligisten sitzen. Diese Erfahrung machen Jürgen Kohler mit dem MSV Duisburg und Hanspeter Latour mit dem 1. FC Köln schon einen Tag früher. Ihre Aufgaben, die Vereine vor dem Abstieg zu bewahren, erscheint genauso schwierig wie der Auftrag für Slomka, die Schalker in die Champions League zu führen. Scheitern die Missionen, würde das wirtschaftlich enormen Schaden anrichten. Ob freiwillig oder aufgezwungen: Der Mut der Klubs, auf Neulinge zu setzen, ist bemerkenswert.

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