HSV im Jahr 2006 gibt weiter Rätsel auf
Doll nach Bukarest-Pleite verstimmt

In Trainer Thomas Doll brodelte es, Sportchef Dietmar Beiersdorfer sagte sicherheitshalber gar nichts mehr, und Sergej Barbarez strafte alle mit demonstrativer Nichtachtung. Das 0:2 im Achtelfinal-Hinspiel des Uefa-Pokals bei Rapid Bukarest hat die Hamburger wieder an einen Tiefpunkt ihrer seit Wochen anhaltenden Achterbahnfahrt ankommen lassen.

dpa BUKAREST. In Trainer Thomas Doll brodelte es, Sportchef Dietmar Beiersdorfer sagte sicherheitshalber gar nichts mehr, und Sergej Barbarez strafte alle mit demonstrativer Nichtachtung:

Das 0:2 im Achtelfinal-Hinspiel des Uefa-Pokals bei Rapid Bukarest hat den Hamburger SV wieder an einem Tiefpunkt seiner seit Wochen anhaltenden Achterbahnfahrt ankommen lassen. „Wir haben ein paar Grundtugenden des Fußballs vermissen lassen. Mit Taktik hat das nichts zu tun, das hat mit Einstellung zu tun“, schimpfte Doll in seltener Direktheit unmittelbar nach dem Schlusspfiff.

Zwanzig Minuten später war der Adrenalinpegel des 39-Jährigen etwas gesunken. Sichtlich um Zurückhaltung bemüht, suchte er nach Positivem, fand aber nicht viel. „Wir haben kaum eine Torchance herausgearbeitet, waren nie zwingend“, meinte Doll und schlussfolgerte: „Wir müssen uns auswärts mehr Respekt verschaffen.“ Mit dem, was die Gastgeber an Leidenschaft, Aggressivität und sichtbarem Siegeswillen boten, konnten die Hamburger nicht Schritt halten. Die rumänische Presse stimmte dementsprechend kollektiven Jubel an. „Rapid hat die Mannschaft der Sunde in Deutschland in ihre Einzelteile zerlegt“, meinte „Pro Sport“. „Gandul“ titelte: „Die Hamburger verlassen Giulesti mit eingezogenem Schwanz.“

Passend zur missratenen Dienstreise verlief auch der Rückflug der Hanseaten alles andere als reibungslos: Die kurz nach dem Spiel gestartete Chartermaschine hatte Verspätung und durfte wegen des nächtlichen Flugverbots in Hamburg nicht landen. Der Flieger musste nach Bremen ausweichen, die Mannschaft per Bus die Heimfahrt nach Hamburg bewältigen. Ankunft: 2.00 Uhr in der Nacht. Mustafa Kucukovic, der wegen einer Gehirnerschütterung zweiten Grades zunächst in Bukarest bleiben musste, sollte nach Hamburg zurückkehren.

Der HSV im Jahr 2006 gibt jedenfalls weiter Rätsel auf. Mal werden den Bayern in deren Heiligtum Allianz-Arena die Punkte geklaut, mal wird zu Hause gegen den VfB Stuttgart oder beim biederen FC Thun mit laschen Auftritten verloren. Das Strickmuster in dieser Saison heißt: Auf Sieg folgt Niederlage, auf Engagement Halbherzigkeit.

Symbolfigur dieser Instabilität ist derzeit Sergej Barbarez. Was der Bosnier in Bukarest ablieferte, reicht nicht einmal für jenen neuen Vertrag mit deutlicher Gehaltskürzung, dem er nur noch bis zum Rückspiel am 15. März zustimmen darf. Von Vereinsseite zwar bestritten, dennoch nahe liegend: Der Vertragsstreit hat ihn aus der Bahn geworfen. Doll kündigte dennoch an, Barbarez auch in der Bundesliga spielen zu lassen. Wohl auch, weil dessen Nebenleute die Chance zur Profilierung nicht nutzen konnten. Ob Naohiro Takahara, Kucukovic oder Benjamin Lauth - der Sturm des HSV ist international nicht konkurrenzfähig.

„Wir müssen vorne mehr machen“, forderte Torwart Stefan Wächter und geißelte die wechselhaften Leistungen des Teams: „Das war keine Frage der Kraft, das war Einstellungssache.“ Allerdings war Wächter beim Tor zum 0:1 selbst nicht ganz ohne Schuld. „Der war haltbar“, sagte Doll, „das weiß er selber“. Dem Kapitel Uefa-Cup, das laut Khalid Boulahrouz und Rafael van der Vaart eigentlich erst am 10. Mai im Finale in Eindhoven enden soll, droht nun ein jähes Ende.

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