HSV in der Krise: Retter verzweifelt gesucht

HSV in der Krise
Retter verzweifelt gesucht

Der Hamburger SV ist nach seiner sechsten Niederlage in Folge Tabellen-17., Fans gehen auf Spieler los, die Krisensitzung des Aufsichtsrats bleibt ergebnislos. Der Name Magath fällt häufiger. Noch dementiert der Klub.
  • 0

HamburgIn Hamburg reagiert das Chaos – und die Sehnsucht nach einem, der es beende möge: Felix Magath ließ Sonntagnacht sogar durchblicken, dass er zurück in den Fußball will. Der HSV könnte ihn gut brauchen. Denn der Traditionsverein, der wie kein anderer Klub seit der Gründung der Bundesliga immer erstklassig gespielt hat, steht vor dem ersten Abstieg seiner Geschichte. Und Magath ist für viele immer noch einer, der das Desaster abwenden könnte.

„Wenn mir jemand so eine Aufgabe anbieten würde, könnte ich mir Gedanken darüber machen“, sagte er am Sonntag in einem Interview mit WDR2 – und legte via Facebook nach, indem er die Führung seines ehemaligen Klubs scharf angriff:

„Beim HSV muss ab sofort auf allen Ebenen der Fußball wieder im Vordergrund stehen. Es geht jetzt nur noch um den Klassenerhalt. Es bedarf nun endlich einer Lösung im Sinne unseres Vereins", schrieb Magath auf seiner Facebookseite: „Der HSV muss Einigkeit nach innen und außen demonstrieren, ein starkes Zeichen setzen und eine Einheit werden.“ Der HSV sei „hinter undurchschaubaren Strömungen, Gruppen- und Einzelinteressen kaum noch sichtbar“.

Fast acht Stunden hatte der Aufsichtsrat des HSV im noblen Hotel Grand Elysee getagt – ohne Ergebnis. „Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es kein Ergebnis zu verkünden“, sagte HSV-Mediendirektor Jörn Wolf später. Die Aufsichtsratsmitglieder hatten sich durch den Hintereingang aus dem Hotel gestohlen.

Kurz nach dem 0:3 gegen Hertha BSC und den heftigen Fan-Attacken auf die Bundesliga-Mannschaft mussten zunächst der Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow und Sportchef Oliver Kreuzer zum 75-minütigen Rapport antreten. Alle Szenarien wurden offenbar diskutiert: Eine Ablösung von Jarchow, von Kreuzer und eben auch des glücklosen Trainers standen anscheinend zur Debatte.

Doch noch gab es offenbar keine Mehrheit der nötigen acht von elf Stimmen für Magath, der mit seinem Image als beinharter Schleifer einst den Spitznamen „Quälix“ bekam. Noch bleibt also Bert van Marwijk Trainer. Er werde am Montag beginnen, „die Mannschaft auf das Pokalspiel gegen Bayern vorzubereiten“, betonte Wolf und erklärte, eine weitere Sitzung sei nicht anberaumt worden.

Einige Hamburger Aufsichtsräte haben laut FAZ mit dem 60 Jahre alten Magath gesprochen, um ihn von einer Doppelfunktion als Trainer und Sportchef zu überzeugen. Magath bestätigt das, und auch, dass er trotz Bauchschmerzen bereit für die Aufgabe sei, sollte die nötige Mehrheit der Räte für ihn sein.

Nie zuvor war die Lage derart bedrohlich beim HSV. Unter der Führung des Niederländers van Marwijk hat der HSV sechsmal nacheinander verloren und ist als Tabellenvorletzter in akute Abstiegsnot geraten. Den Trainer beurlauben kann nur der Vorstand, der das allerdings ablehnt. Die Regel kann umgangen werden, indem der Aufsichtsrat den Vorstand mit Jarchow und Kreuzer entlässt und eine kommissarische Führung einsetzt.

Kommentare zu " HSV in der Krise: Retter verzweifelt gesucht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%