HSV stürzt auf Abstiegsplatz
Doll will die Ruhe bewahren

dpa FRANKFURT/MAIN. Nach dem zwölften sieglosen Saison-Pflichtspiel und dem Absturz auf einen Abstiegsplatz flüchteten sich die Verantwortlichen des krisengeschüttelten Hamburger SV in Durchhalteparolen.

„Ich stecke den Kopf nicht in den Sand. Wir werden da unten gemeinsam rauskommen. Davon bin ich felsenfest überzeugt“, sagte Trainer Thomas Doll nach dem 2:2 (0:1) beim weiter ungeschlagenen Uefa-Cup-Teilnehmer Eintracht Frankfurt. HSV- Vorstandschef Bernd Hoffmann nahm den Coach demonstrativ in den Arm und stärkte ihm den Rücken: „Wir stehen das gemeinsam durch. Zwischen uns passt kein Blatt Papier.“

Zwei Jahre nach seinem Amtsantritt ist Doll am Punkt Null angelangt. Im Oktober 2004 hatte er den HSV auf einem Abstiegsplatz übernommen und danach bis in die Champions League geführt. Nun sind die Gipfelstürmer von der Elbe tief gefallen und hinken ihren eigenen Ansprüchen nach sechs Spieltagen in der Fußball-Bundesliga weit hinterher. „Das ist eine schwierige Situation, in der ich mich als junger Trainer erstmals befinde. Für mich ist wichtig, dass ich auch in einer solchen Phase Ruhe ausstrahle und vorneweg gehe“, bekannte Doll.

In Frankfurt setzte der 40-Jährige verstärkt auf die Jugend und damit vier Tage nach dem katastrophalen Champions-League-Auftritt in Moskau ein Zeichen. In den 90 turbulenten Minuten bewies sein Team Moral und Leidenschaft. Zwei Mal geriet der HSV vor 51 500 Zuschauern durch Tore von Alexander Meier (36.) und Ioannis Amanatidis (58.) in Rückstand, zwei Mal schlugen die Hanseaten durch Danijel Ljuboja (51.) und Boubacar Sanogo (69.) zurück. „Es war wichtig, dass von Moskau nichts hängen geblieben ist und die Mannschaft an sich geglaubt hat. Wir können viele positive Dinge mitnehmen und mit erhobenem Kopf nach Hause fahren“, lobte Doll.

Allerdings musste er ein Wechselbad der Gefühle über sich ergehen lassen, denn der Punktgewinn hing in der Schlussphase am seidenen Faden. Zunächst rettete HSV-Torwart Sascha Kirschstein bravourös gegen Michael Thurk, dann verfehlte der Ex-Hamburger Naohiro Takahara in letzter Sekunde aus Nahdistanz das Tor. „Da ist mir einiges durch den Kopf geschossen“, bekannte Doll. Auch Manndecker Bastian Reinhardt, der in der 39. Minute mit einem Muskelfaserriss ausschied, räumte ein: „Es war Glück für uns dabei.“

Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel tat sich mit der Bewertung des Unentschiedens daher etwas schwer. „Nach 80 Minuten war ich mit dem Remis sehr zufrieden, am Ende haben nur Zentimeter zum Sieg gefehlt. Dass wir noch ungeschlagen sind ist schön und gut, aber mir wäre lieber, wir hätten von den sechs Bundesligaspielen mal eins verloren und dafür eines mehr gewonnen. Dann hätten wir mehr Punkte“, rechnete Funkel vor.

Nur 44 Stunden nach dem Uefa-Cup-Spiel bei Bröndby Kopenhagen lieferte seine auf vier Positionen neu besetzte Mannschaft erneut eine leidenschaftliche und engagierte Vorstellung ab. „Ich bin sehr zufrieden. Wir haben dem HSV Paroli geboten“, lobte Funkel und gab Doll aufmunternde Worte mit auf den Heimweg. „Der HSV hat eine sehr starke Mannschaft und wird Weihnachten wieder dort stehen, wo er hingehört: Unter den ersten Fünf.“

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