HSV-Trainer vorgestellt
Van Marwijk und das täglich grüßende Murmeltier

Der HSV hat seinen neuen Trainer. Von Bert van Marwijk werden jedoch keine Wunder erwartet. Die verspricht man sich von der Initiative „HSV Plus“. Die Diskussionen darüber zeigen, wie groß die Not im Norden wirklich ist.
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Hamburg, DüsseldorfBei einem Gläschen Weißwein und einem intensiven Gespräch mit Sportvorstand Oliver Kreuzer bis nach Mitternacht an der Bar des Teamhotels startete Bert van Marwijk beim am Boden liegenden Hamburger SV in seinen ersten Arbeitstag. Nur wenige Stunden später wirkte der 61 Jahre alte Niederländer frisch und gelassen, als er im Blitzlichtgewitter der Fotografen und vor mehr als einem Dutzend Kameras als neunter HSV-Trainer in zehn Jahren vorgestellt wurde. „Natürlich hätte ich auch lieber, dass der HSV um die Meisterschaft spielt, aber das hier ist auch eine Herausforderung“, sagte der Nachfolger von Thorsten Fink am Mittwoch bei seiner Präsentation.

„Wenn alles normal liefe, müsste der HSV um Platz eins bis sechs spielen. Nun müssen wir so schnell wie möglich wegkommen da unten.“ Er sei kein Trainer, der Druck von den Profis wegnehmen wolle, aber der Druck dürfe nicht unmenschlich werden: „Ich kenne die Situation, sie wird nicht einfach“. Der ehemalige Bondscoach erhält beim Tabellen-16. einen Zweijahresvertrag mit Option auf eine weitere Saison. Er soll rund 1,4 Millionen Euro pro Jahr verdienen.

Wunder vollbringen, sagte der Niederländer schon im Vorfeld, könne er nicht. Für Trainer, die angeschlagene Teams übernehmen, eine übliche Floskel. Doch diesmal scheint auch das HSV-Umfeld begriffen zu haben, dass das eigentliche Problem nicht auf der Trainerbank sitzt. Fink hatte sich mit unnötigen Taktik-Rochaden, zum Beispiel dem Experiment Dreierkette gegen Dortmund, selbst angreifbar gemacht. Strukturell haben er und auch die Sportchefs Arnesen und nun Kreuzer so manches richtig gemacht. Unter Fink erhielten Nachwuchsspieler wieder eine Chance, der Coach baute Stück um Stück die Mannschaft um. Beister, Lam, Tah, Arslan, zuletzt Calhanoglu – das Gesicht der Mannschaft war nicht zwingend erfolgreich, aber zumeist jung und lernfähig. Was fehlte, was Fink nicht vermitteln konnte, das war die klare Linie auf dem Feld.

Der HSV ist derzeit unter heftigen Verlusten bemüht, die Strukturfehler der Vergangenheit auszumerzen. Oftmals wird in diesem Zusammenhang dem ehemaligen Sportchef Dietmar Beiersdorfer nachgetrauert. Dessen Beiname: Dukaten-Didi. Mit ihm erlebte Hamburg die sportlich und wirtschaftlich erfolgreichste Phase der vergangenen 25 Jahre. Allerdings beinhaltete sein Geschäftsmodell den Einkauf von Top-Talenten mit erhebliche Investitionssummen, die er meist nur kurze Zeit später beim Weiterverkauf wieder einfuhr. Das funktionierte, solange Vereine wie Manchester City regelmäßig zweistellige Ablösen auf den Tisch legten. Nach Beiersdorfers Abgang platzte die Investitionsblase: Die üppigen Summen bleiben aus, das Kapital wurde in die falschen Investments gesetzt – und der HSV landete in der Transfersackgasse. Borussia Dortmund hat dies vor wenigen Jahren beinahe die Existenz gekostet. Der bedingungslose Turnaround in Richtung erfolgreicher Jugendarbeit funktionierte dort, weil alle an einem Strang ziehen und die Strukturen einer Aktiengesellschaft entsprechen.

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Warum eigentlich nicht Magath?

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