Im Rahmen des Fifa-Kongresses
Ehrung für 109 Weltmeister aus sieben Ländern

Einen Tag vor Beginn der Weltmeisterschaft in Deutschland hat der Weltverband Fifa im Rahmen des 56. Fifa-Kongresses 109 Weltmeister aus sieben Ländern geehrt. Die Champions erhielten jeweils eine Replika der WM-Trophäe.

Was für ein Bild in München: 109 Weltmeister posierten gemeinsam vor den Kameras. Auf Einladung des Weltverbandes Fifa in das Internationale Congress Centrum München IMC haben sich die ehemaligen Stars aus sieben Ländern eingefunden und wurden im Rahmen des 56. Fifa-Kongresses geehrt.

Eine Replika der WM-Trophäe erhielt jeder der WM-Champions, die die sieben Länder, die bislang die Weltmeisterschaft gewonnen haben (Deutschland, Brasilien, Argentinien, Italien, Uruguay, Frankreich und England), in die bayerische Landeshauptstadt entsandt hatten.

Flohe strahlt vor Freude

Überglücklich zeigte sich bei seiner Präsentation der 74er-Weltmeister Heinz Flohe, der freudestrahlend Fifa-Präsident Joseph S. Blatter die Hand schüttelte und hinterher sichtlich gerührt bemerkte: "Dieses Wiedersehen war eine tolle Idee. Ich war im Hotel mit den Brasilianern zusammen, das ist einfach phantastisch. Die Stimmung bei denen ist einmalig. Leider waren wir von unserer 74er-Mannschaft einfach zu wenig. Das ist schade."

Neben dem Ex-Kölner Flohe waren vom damaligen WM-Team noch Rainer Bonhof, Horst-Dieter Höttges, Dieter Herzog, Jupp Kapellmann und Hans-Georg "Katsche" Schwarzenbeck der Einladung gefolgt. Am Freitag im Rahmen der WM-Eröffnungsfeier sollen dann alle 22 deutschen Weltmeister von 1974 dabei sein - erstmals seit damals also in kompletter Besetzung auftreten.

"Die Fifa muss viel mehr für uns Weltmeister tun"

Einige der internationalen Gäste lobten zwar die Geste des Weltverbandes, fanden aber gleichzeitig auch kritische Worte: "Die Fifa müsste viel mehr für uns Weltmeister tun. Wir sind es schließlich, die die Fifa dahin gebracht hat, wo sie sich jetzt befindet", konstatierte Carlos Alberto, der Kapitän der brasilianischen Weltmeistermannschaft von 1970 in Mexiko, und fügte im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst hinzu: "Leider finden solche Treffen auch in Brasilien kaum statt. Es war jedenfalls eine tolle Gelegenheit, alle wiederzutreffen, auch meinen Freund Franz Beckenbauer." Beide Weltmeister spielten einst gemeinsam bei Cosmos New York.

Auch der Ex-Stuttgarter Carlos Dunga, Kapitän von Brasiliens Weltmeistermannschaft von 1994 in den USA, nutzte das Stelldichein der WM-Titelträger zu einem willkommenen Wiedersehen. Der einstige Mittelfeldspieler, der nun als Sozialarbeiter in seiner Heimatstadt Porto Alegre tätig ist, traf Ex-VfB-Boss Gerhard Mayer-Vorfelder.

Jorginho sieht Brasilien vorne

"Diese Einladung war eine tolle Geste, man trifft sich einfach zu selten. Hier haben sich viele außergewöhnliche Spieler versammelt", meinte Dunga. Der Ex-Münchner Jorginho meinte angesichts von 52 brasilianischen Weltmeistern, die am Freitag in der WM-Arena dabei sein werden, süffisant: "In vier Jahren könnten es noch einige mehr werden ..."

Andere Weltmeister außer Dunga haben dagegen ebenfalls nur noch wenig Bezug zum Fußball. Jupp Kapellmann, Ex-Bundesliga-Profi von Bayern München und des 1. FC Köln, zum Beispiel. Er ist als Orthopäde mit eigener Klinik und siebenfacher Familienvater voll ausgelastet: "Ich habe die Einladung gern angenommen, denn viel Kontakt zu den alten Kollegen hat man nicht."

Selbst bei den 90er-Weltmeistern ist das nicht anders. Ex-Torwart Bodo Illgner, in Begleitung von Ehefrau Bianca, sah es ähnlich: "Zuletzt haben wir zwar in einer Prominentenmannschaft mit Thomas Berthold und anderen zusammengespielt, aber das ist die Ausnahme. Es war schön, uns hier bei der WM wiederzusehen."

Mit seinen 39 Jahren könnte der einstige Kölner, der später bei Real Madrid spielte und schon früh seine Karriere beendete, eigentlich sogar noch aktiv teilnehmen. Er konzentriert sich jedoch auf seine Familie und lebt in Spanien. Während der WM wird er bei einigen Spielen für den Pay-TV-Sender Premiere im Einsatz sein.

"Litti" auf Jobsuche

Für Pierre Littbarski steht dagegen etwas anderes im Vordergrund. Der säbelbeinige Dribbelkünstler von einst befindet sich auf Trainer-Jobsuche. Vor kurzem entschloss er sich, trotz des Gewinns der australischen Meisterschaft mit dem FC Sydney seinen Vertrag in Australien nicht zu verlängern.

"Ich will etwas näher an Japan und näher an Europa heran", sagte "Litti", dessen Ehefrau Japanerin ist: "Ich weiß noch nicht, was ich in Zukunft mache. Ich kümmere mich im Augenblick darum." Das Wiedersehen in München empfand Littbarski als eine "tolle Veranstaltung. Sowas sollte man häufiger machen. Es gibt sonst kaum noch Gelegenheit, sich wiederzutreffen."

© SID

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