Im Viertelfinale am Donnerstag gegen Portugal
Nix Cordoba: Ballack erlöst Deutschland

Fußball-Deutschland atmet auf – die Schmach von Cordoba hat sich nicht wiederholt. Mit einem Freistoß-Kracher hat Kapitän Michael Ballack die Hoffnungen der Österreicher auf das „Wunder von Wien“ zerstört und das DFB-Team erstmals seit zwölf Jahren ins EM-Viertelfinale geführt. Doch für einen ganz wichtigen Deutschen könnte die Partie ein folgenschweres Nachspiel haben.

WIEN. Beim kümmerlichen 1:0 (0:0) gegen den limitierten EM-Gastgeber agierte das Team von Bundestrainer Joachim Löw aber trotz großen Engagements erneut nicht wie ein Titelanwärter und konnte vor 51 428 Zuschauern im Wiener Ernst-Happel-Stadion nur wenig Mut schöpfen für das K.o.-Spiel am Donnerstag in Basel gegen die spielstarken Portugiesen. Ballacks Tor in der 49. Minute wirkte wie eine Erlösung.

Sein 25. Länderspiel ging vor allem Löw an die Nerven, der nach einem gemeinsamen Platzverweis mit seinem österreichischen Kollegen Josef Hickersberger wegen eines heftigen Disputs 50 Minuten lang auf der Tribüne leiden musste. Nach Angaben eines Offiziellen der Europäischen Fußball-Union muss der Bundestrainer für die nächste Partie mit Sanktionen, eventuell sogar einer Banksperre rechnen.

„Ich bin mit dem Sieg zufrieden, denn es war schon eine enorme Drucksituation“, gestand Löw. „Unser Spiel nach vorne war nicht so, wie wir es schon gesehen haben. Die Mannschaft hat sich zu 100 Prozent dem Teamgedanken verschrieben. Es ist klar, dass wir uns für das Viertelfinal-Spiel enorm steigern müssen.“ „Erleichtert“ war auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die auf der Tribüne mitgefiebert hatte. Die Mannschaft habe effizient gespielt. „Das gibt Kraft und Mut gegen Portugal“, so Merkel. „Es stand für uns heute viel auf dem Spiel, wir könnten nur verlieren. Die Mannschaft hat einen großen Fight geliefert. Wir hätten früh in Führung gehen müssen und mussten dann bis zum Schluss bangen“, ließ Ballack das Spiel Revue passieren.

Vier Tage nach der Pleite gegen Kroatien bot die deutsche Elf im Endspiel um den Viertelfinal-Einzug eine Leistung, bei der sich Licht und Schatten abwechselten. Die DFB-Auswahl offenbarte dabei auch Defizite, die nicht darauf hindeuten, dass das große Ziel der „Bergtour 2008“ mit dem Titelgewinn erreicht werden kann, und strahlte bisweilen nur wenig Souveränität aus.

Allen voran gilt das für Mario Gomez, derzeit nicht wiederzuerkennender Bundesliga-Torjäger vom VfB Stuttgart. Die Partie in Wien schrieb die vierte Minute: Näher geht es nicht. 20 Zentimeter, und Gomez hätte hinter der Torlinie gestanden, und wahrscheinlich hätte er nicht einmal dann diesen Ball unter gebracht, den ihm sein Sturmpartner Miroslav Klose auf den Fuß servierte. Gomez sah den kleinen Satz nicht, den der Ball vollführte und trat ihn deshalb nicht ins Tor, sondern in die Luft. All das Unglück nicht fassend sah er dem aufsteigenden Ereignis hinterher und sprang nicht einmal mehr hoch, als der Ball sich wieder Richtung Torlinie senkte. Er nahm es einfach so hin.

Vielleicht ist es müßig, darüber nachzudenken, ob ein Tor in dieser fünften Minute etwas geändert hätte am Ausgang dieser Partie, die Ballack in traditioneller Manier mit einem Freistoßtor entschied. Aber es war die größte Möglichkeit der deutschen Nationalmannschaft in den ersten 45 Minuten dieses letzten Gruppenspiels bei dieser EM. Und keine war bezeichnender für das Spiel der deutschen Elf, sie spielte wie der Stürmer vom VfB Stuttgart. Sie ist talentiert, sie ist in dieses Turnier mit den blumigsten Erwartungen gestartet und ist nicht wieder zu erkennen: Unglückselig, zweifelnd, ein Schatten der letzten zwei Jahre. Bleibt sie so verloren, ist ein Sieg im Viertelfinale am Donnerstag in Basel gegen Portugal so wahrscheinlich wie der in den letzten Tagen kolportierte Wechsel von Matthias Sammer auf den Posten von Bundestrainer Joachim Löw.

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