In den roten Zahlen
Italiens Fußballklubs verschulden sich weiter

Die italienischen Fußballvereine ächzen unter einer gewaltigen Schuldenlast. Kurz vor Saisonbeginn melden 18 der 20 Erstligisten neue Verluste. Nur zwei Vereine nahmen mehr Geld ein, als sie ausgaben. Warum die traditionsreichen Clubs ihre Finanznot nicht in den Griff bekommen.

sid/HB ROM.Die erste italienische Fußballliga startet zwar erst morgen in die neue Saison, die Serie A hat aber bereits jetzt einen unrühmlichen Tabellenführer: Mit 147 Mio. Euro machte Inter Mailand im vergangenen Jahr den größten Verlust der Liga. Doch nicht nur die Mailänder stecken tief in den roten Zahlen. Wie die italienische Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore" gestern berichtete, schrieben in der vergangenen Saison 18 der 20 Erstligaklubs Verluste. Nur zwei Vereine nahmen mehr Geld ein, als sie ausgaben. Der Schuldenberg des italienischen Fußballs, der schon seit Jahren mit Finanzproblemen zu kämpfen hat, wird damit immer größer.

Insgesamt haben die 20 Serie-A-Klubs ein Minus von 369 Mio. Euro erwirtschaftet. Das ist fast ein Viertel des Gesamtumsatzes der Liga. Damit steigt die Verschuldung der Erstligisten auf insgesamt zwei Mrd. Euro. Zwei Drittel davon gehen allein auf das Konto der fünf Spitzenteams Inter und AC Mailand, Lazio und AS Rom sowie Juventus Turin.

Am stärksten ist Inter Mailand mit 395 Mio. Euro verschuldet. Das hält den Verein aber nicht davon ab, weiterhin teure Spieler zu verpflichten. Insgesamt gab Inter in der vergangenen Saison 195 Mio. Euro für seine Stars aus. Auch für die kommende Spielzeit scheint die Einkaufstour der Mailänder noch lange nicht beendet: Mehrere Medien berichteten gestern, dass der niederländische Fußball-Nationalspieler Wesley Sneijder vom spanischen Rekordmeister Real Madrid zu Inter Mailand wechseln soll. Kosten für Inter: Angeblich 15 Mio. Euro.

Noch großzügiger zeigt sich der Stadtrivale AC Mailand. Der Verein des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi meldete Spielerkosten in Höhe von 217 Mio. Euro. Kein Wunder, dass Berlusconi auf Gehaltsobergrenzen im Profi-Fußball drängt. "Die Gehälter der Fußballer befinden sich außerhalb jeder Realität. Es muss eine Obergrenze eingeführt werden", sagt der Regierungs-Chef, der laut dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin "Forbes" selbst ein Vermögen von mehr als neun Mrd. Dollar besitzt. Dennoch wettert er gegen die hohen Einkommen der Spieler: "Die Gehälter sind nicht mehr im Einklang mit den wirtschaftlichen Voraussetzungen, in denen wir uns in schwierigen Zeiten befinden."

Am besten gemeistert hat diese schwierigen Zeiten in Italien Lazio Rom. Der Verein meldete einen Gewinn von 28 Mio. Euro. Lazios Klubchef Claudio Lotito fährt seit Jahren einen strikten Sparkurs. Der SSC Neapel ist neben Lazio der einzige Erstliga-Verein, der einen Gewinn verbuchen konnte.

In der kommenden Saison erwartet die Liga neue wirtschaftliche Probleme. Seit Jahren geht das Zuschauerinteresse an der Serie A zurück. Ein Trend, der sich auch in diesem Jahr fortsetzen dürfte. Alarm schlägt der AC Mailand: Der Verein hat bis zum jetzigen Zeitpunkt 15 000 Dauerkarten weniger als im vergangenen Jahr verkauft. Das berichtete gestern die italienische Sport-Tageszeitung "Gazzetta dello Sport". Die sinkende Zahl der abgesetzten Dauerkarten ist auf die Wirtschaftskrise, die viele Fans belastet, sowie auf die Enttäuschung nach dem Verkauf des brasilianischen Stars Kaká zurückzuführen.

Auch der AS Rom zählt 3000 Abonnenten weniger als im vergangenen Jahr. Gegen den Trend vermelden nur der Titelverteidiger Inter Mailand und Juventus Turin leicht steigende Zahlen. Inter hat 1100 Dauerkarten mehr verkauft als in der vergangenen Saison. Juventus Turin meldet 1000 zusätzliche Saisontickets. In Florenz demonstrierten Fans erfolgreich gegen eine geplante Erhöhung der Dauerkarten-Preise. Die Führung des Vereins revidierte daraufhin ihren Beschluss.

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