Infantino neuer Fifa-Präsident
Der Überraschungssieger

Nur zwei Durchgänge – und kein Scheich: Die Wahl des Schweizers Gianni Infantino zum neuen Fifa-Präsidenten ist eine dicke Überraschung. Infantino zeigt sich reformwillig. Seine erste Mission: einen starken Mann finden.

ZürichPunkt 18 Uhr verkündete der Übergangspräsident Issa Hayatou das Ergebnis. Mit 115 Stimmen hat der bisherige Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino schon im zweiten Wahlgang die Mehrheit unter den 207 stimmberechtigten Nationalverbänden hinter sich bringen können. Das Ergebnis ist eine Überraschung, denn vor dem Urnengang hatte der Bahreiner Scheich Salman Al Khalifa, der Präsident der asiatischen Konföderation, als Favorit gegolten. Schließlich hatten die Konföderationen Asiens und Afrikas ihren Mitgliedern empfohlen, für ihn zu stimmen.

Schon im ersten Wahlgang hatte aber Infantino mit 88 Stimmen die Nase vorn vor Scheich Salman, der 85 Stimmen bekommen hatte. Offenbar haben sich die Unterstützer der beiden Außenseiterkandidaten, Prinz Ali von Jordanien (27 Stimmen) und Jérôme Champagne (7 Stimmen) fast geschlossen auf die Seite des Schweizers geschlagen. Infantino selbst schien von dem klaren Wahlsieg schon in der zweiten Runde überrascht zu sein. „Ich weiß gar nicht, wie ich meine Gefühle ausdrücken sollte“, sagte er in einer kurzen Ansprache. „Wir werden das Image der Fifa wiederherstellen“, kündigte er an.

„Ich nehme an, dass Prinz Ali seinen Unterstützer gebeten hat, für Infantino zu wählen“, sagte Reinhard Grindel, der designierte DFB-Präsident, nach dem Kongress zum Handelsblatt. Prinz Ali ist von Scheich Salman seinerzeit aus der Führungsebene der asiatischen Konföderation entfernt worden.

Der DFB ist mit der Wahl zufrieden. „Die Wahl des Scheichs hätte wohl die Wirkung der Reformen wieder aufgehoben“, meint Grindel, und spielt damit auf die Kritik an die Adresse Salmans an. Dieser war 2011 Präsident des Fußballverbandes Bahrein, als es Unruhen im Land gab, die gewaltsam niedergeschlagen worden sind. Dabei wurden auch Fußballer verhaftet und gefoltert. Zwar konnte Scheich Salman eine persönliche Verwicklung nie zweifelsfrei nachgewiesen werden; auf der anderen Seite hat er sich auch nie von den Ereignissen damals distanziert.

Aber auch Infantinos Person ist nicht unumstritten. So hat der Schweizer, der wie Vorgänger Sepp Blatter aus dem Wallis stamm, mit Blick auf Reformen seine Meinung geändert. Als Blatter noch Amtszeitbeschränkungen einführen wollte, hatte die Uefa das Vorhaben zu Fall gebracht. Der Schweizer aus dem Wallis hatte zudem einen klassischen Wahlkampf nach Blatters Manier geführt. Und vor allem den kleinen Verbänden versprochen, mehr Geld aus der Fifa für Fußballförderung auszugeben.

Bei seiner ersten Pressekonferenz nach dem Kongress bekräftige Infantino sein Wahlversprechen, dass der neue Generalsekretär kein Europäer sein wird. „Ich habe einige Namen im Kopf, aber das ist nicht der Moment, darüber zu reden.“ Laut den neuen Statuten muss der neue Generalsekretär vom neuen Council auf Vorschlag des Präsidenten gewählt werden.

Ein Journalist verwies auf Infantinos teure Wahlversprechen, dabei sei die Fifa finanziell in einer schwierigen Situation. „Wenn die Fifa fünf Milliarden einnimmt, dann kann die Fifa auch 1,2 Milliarden in den Fußball investieren, das muss die erste Priorität sein. Die Kosten der Fifa müssen die zweite Priorität sein. Es wird einfach sein, die Kosten bei der Fifa zu senken. Das sage ich aus Erfahrung“, erklärte er dazu und verwies auf seine Tätigkeit bei der Uefa als Generalsekretär. Da nun eine neuer Präsident und die Reformen gewählt sind, sei es zudem leichter, die TV-Rechte für die Fifa-Turniere zu verkaufen und neue Sponsoren zu gewinnen und so die Einnahmen zu steigern.

Und schloss die Pressekonferenz mit Worten, die schon arg nach Sepp Blatter klangen: „Ich werde der Welt zeigen, dass ich nicht der Kandidat Europas bin, sondern des Fußballs. Wir müssen Brücken bauen, keine Mauern.“

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