Infantinos Personal-Coup
Senegalesin Samoura wird neue Fifa-Generalsekretärin

Fifa-Chef Infantino ist auf der Suche nach einem Generalsekretär fündig geworden. Und das Ergebnis ist eine Überraschung: Der Top-Job geht an eine Frau aus Afrika. Das gab es in 112 Jahren bei der Fifa noch nie.

Mexiko-StadtFIFA-Präsident Gianni Infantino hat nach elf Wochen im Amt für eine revolutionäre Personalentscheidung im Fußball-Weltverband gesorgt. Die senegalesische Diplomatin Fatma Samoura wird neue Generalsekretärin. Das erklärte Infantino vor den Delegierten des FIFA-Kongress am Freitag in Mexiko-Stadt. Samoura ist die erste Frau in diesem Amt. Sie hat bislang keine Verbindung zum Fußball-Geschäft. Seit 1904 kamen alle FIFA-Generalsekretäre aus Europa. Der bisherige Generalsekretär Jérôme Valcke hatte seinen Posten wegen Korruptionsverdacht räumen müssen.

„Ich glaube, diese Rolle passt perfekt zu meinen Fähigkeiten und Erfahrungen“, wurde Samoura in einer FIFA-Mitteilung zitiert. Die Geschäfte will sie Mitte Juni aufnehmen. Zuvor muss sie sich noch dem eingeführten Integritätscheck unterziehen. „Die FIFA hat einen neuen Ansatz ihrer Arbeit - und ich will eifrig eine Rolle spielen, damit der Ansatz effektiv und dauerhaft ist“, sagte Samoura.

Samoura arbeitet seit mehr als 20 Jahren in verschiedenen Funktionen für die Vereinten Nationen. Derzeit ist die 54-jährige Vertreterin des Entwicklungsprogramms der UN in Nigeria. „Sie ist daran gewöhnt, große Organisationen zu leiten und große Budgets zu verwalten“, sagte Infantino über Samoura.

Für das Welternährungsprogramm arbeitete sie in Guinea, Kamerun und Djibouti. Sie war in der Nothilfe unter anderem im Kosovo, in Afghanistan und in Sierra Leone tätig. Zudem war sie stellvertretende Koordinatorin des UN-Amts für humanitäre Angelegenheiten (OCHA) im Tschad und in Nigeria. „Besonders wichtig für die FIFA ist, dass sie weiß, dass Transparenz und Rechenschaftspflicht im Zentrum jeder gut geführten und verantwortungsbewussten Organisation stehen müssen“, sagte Infantino über die neue Generalsekretärin.

Infantino hatte angekündigt, den wichtigen Posten noch in diesem Sommer zu besetzen. Nun wurde die Personalie schon im Council des Weltverbandes am Freitagmorgen in der mexikanischen Hauptstadt behandelt. Infantino war zuletzt unter Druck geraten, da die Suche nach dem Top-Manager viel Zeit beanspruchte. Zuletzt hieß es sogar, dass die Führungskraft erst im Oktober ins Amt kommen würde. „Ich habe mir Zeit gelassen. Ich habe nicht in der Öffentlichkeit gesucht. Weil dies sorgfältig entschieden werden musste“, sagte Infantino.

Im neuen Führungsdiagramm der FIFA ist der Posten des Generalsekretärs mit der meisten Macht ausgestattet. Samoura wird die Tagesgeschäfte des Weltverbandes führen und ist für alle strategischen Entscheidungen zuständig. Infantino selbst hatte diese Aufgabenverteilung als ein Architekt der FIFA-Reformen befürwortet.

In seinem Wahlkampf hatte er versprochen, einen Generalsekretär aus Afrika zu berufen. Nach der Kür am 26. Februar war er zurückgerudert und hatte modifiziert, den Posten nicht an einen Europäer zu vergeben. Infantino kann nur Vorschläge machen. Für die Berufung war letztlich das neue Counil als FIFA-Aufsichtsrat zuständig.

Samoura wird zur Top-Verdienerin unter den hauptamtlichen FIFA-Angestellten. Der entlassene Valcke bekam vergangenes Jahr 1,94 Millionen Euro. Der Franzose steht weiter unter Korruptionsverdacht. Zuletzt führte der Deutsche Markus Kattner die FIFA-Geschäfte auf Interimsbasis. Er ist eigentlich FIFA-Finanzdirektor.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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