Internationale Studie
Kriminelle unterwandern den Fußball

Aufgrund ihrer zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung bietet die Fußballbranche laut einer internationalen Studie eine perfekte Plattform für Kriminelle, die den Sport für illegale Geldwäsche missbrauchen. Die internationale Regierungs-Organisation kämpft deshalb verstärkt gegen diese Machenschaften und hat hierfür Standards erarbeitet. Die Probleme sind auch dem Deutschen Fußball-Bund bekannt.

PARIS/KÖLN. Im internationalen Fußball-Geschäft seien bereits mehr als 20 Fälle von Geldwäsche bekannt, warnt die Financial Action Task Force (FATF) in ihrer Studie.

Die FATF berichtet über eine Reihe von Einfallstoren: Der Kauf eines klammen Klubs durch einen Investor, dessen Gelder aus kriminellen Aktivitäten stammen; Unregelmäßigkeiten im Spieler-Transfermarkt; manipulierte Wetten; dubiose Finanzströme bei Vermarktungsverträgen von Spielern sowie zwielichtigen Werbeverträgen. „Es gibt zu wenig Transparenz. In vielen Ländern existieren keine Aufsichtsbehörden, die Geldwäsche im Fußball überwachen“, sagte Studien-Betreuer Vincent Schmoll.

Das Fußball-Business erreichte nach Angaben der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte im Jahr 2007 allein in Europa ein Volumen von 13,8 Mrd. Euro. Über die Hälfte davon setzen die Klubs der fünf Top-Ligen in England, Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich um. Deren Umsätze haben sich in zehn Jahren von 2,5 Mrd. Euro auf 7,9 Mrd. Euro pro Saison mehr als verdreifacht.

Ein lukrativer Markt – den auch Kriminelle für sich entdeckt haben. Die FATF hat mit den Fußball-Verbänden eine ganze Reihe von Geldwäsche-Versuchen zusammengetragen. So zitiert die Studie einen Fall aus Belgien, bei dem ein europäischer Geschäftsmann mittels Konten in einer Steueroase hohe Summen unbekannter Herkunft an einen kleineren Klub überwies, der finanzielle Probleme hatte. Der Investor war den Steuer- und Strafverfolgungsbehörden indes bereits als Betrüger bekannt. Mit Hilfe des Fußballklubs wollte er seine Betrugsgelder in den legalen Wirtschaftskreis einschleusen, also waschen.

Aus Argentinien zitiert die Studie einen Verdachtsfall der Geldwäsche im Zusammenhang mit Spielertransfers. So erhielt ein klammer Klub von einem Fonds mit Sitz in einer Steueroase mehrere Millionen Dollar. Mit dem Geld kaufte der Verein einem Konkurrenten einen Spieler für 20 Mio. Dollar ab. Die Ablösesumme ließ der Verkäufer aber auf ein Offshore-Konto überweisen – das Geld kam nie in Argentinien an. Auch die Herkunft der Gelder sei höchst zweifelhaft, heißt es in der Studie.

Der Fußball-Weltverband Fifa versucht seit langem, Licht in den undurchsichtigen Transfermarkt zu bringen. So dürfen nur 4 000 lizenzierte Agenten Spieler vermitteln. „Aber immer noch agieren viele Agenten ohne Lizenz und entziehen sich so der Kontrolle der Fifa und der nationalen Fußball-Verbände“, schreibt die FATF.

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