Internationale Zeitungskommentare
Presse: „Schwarz-rot-goldener Kostümball“

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist Geschichte, Bewertungen des Turniers haben folglich Hochkonjunktur. Lesen Sie, wie die internationale Presse die WM an sich und den Sieg der deutschen Auswahl im Spiel um Platz drei bewertet - und welche Kommentatoren etwas zu mäkeln haben.

Das italienische Fachblatt La Gazzetta dello Sport bemerkt: "Diese Weltmeisterschaft hat uns viele einfache Dinge gelehrt. Dass der Fußball ein Mannschaftssport ist zum Beispiel und dass elf motivierte Männer mit demselben Ziel und in der richtigen Zusammensetzung mehr wert sind als elf Fußball-Superstars, bei denen jeder nur für sich selbst spielt. Das freudige Endspiel hat noch einmal die Überzeugung gestärkt, dass Deutschland als Nation diese Weltmeisterschaft in punkto Heiterkeit und Organisation gewonnen hat."

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Der Schweizer Tages-Anzeiger zieht dieses Fazit: "Was es war: Eine wunderbare Sommerparty mit vielen schönen Erinnerungen, mit starken Bildern und Geschichten, mit großen Gefühlen. Was es nicht war: großer Fußball. Vielleicht hat die WM etwas geweckt, vielleicht entdeckten wir, dass wir gerne ausbrechen würden aus dieser individualisierten Welt, dass wir mehr gemeinsam erleben wollen. Das Wir-Gefühl, das uns manchmal so fremd geworden ist, konnte gelebt werden."

Der Kommentator der ebenfalls Schweizer Basler Zeitung vermerkt leichthin: "Mag sein, dass der schwarz-rot-goldene Kostümball sich je länger, desto mehr vom eigentlichen Ereignis abkoppelte. Und ein bisschen selbstvergessen deuteten die Deutschen am Ende ihr kleines Finale zum größten Spiel des Turniers um. Wir sehen es ihnen nach, denn sie haben es sich verdient."

Die spanische Sportzeitung Marca würdigt den deutschen Torschützen des Spiels um Platz drei: "Ein genialer Schweinsteiger hat aller Welt gezeigt, Klinsmann inklusive, dass er die Zukunft des deutschen Fußballs an den Stiefeln hat. Es war seine Art, dem Trainer die Ohren lang zu ziehen, nachdem Klinsmann ihn gegen Italien zunächst geopfert hatte."

Auch das brasilianische Blatt Estado de Sao Paulo schreibt mit Respekt über die Mannschaft von Trainer Jürgen Klinsmann: "Deutsche und Portugiesen haben sich in würdiger Form verabschiedet. Die Hausherren waren effizienter und verließen die Bühne erhobenen Hauptes, obwohl sie das Hauptfest am Sonntag in Berlin verpasst haben. Das Team, das Jürgen Klinsmann fast in letzter Sekunde zusammenstellte, war nicht brillant. Aber es hat der germanischen Tradition Ehre gemacht, wettbewerbsfähige Mannschaften zu präsentieren."

Der britische Observer beleuchtet diesen Aspekt: "Es heißt, an das Spiel um den dritten Platz könne sich hinterher nie jemand erinnern. Aber Jürgen Klinsmann wird dieses Spiel nie vergessen, und nicht nur, weil seine Mannschaft zu bester Form gefunden hat."

Doch wo gejubelt und gelobt wird, sind freilich auch Kritiker - oder Neider? Der Schweizer Sonntags-Blick beispielsweise spricht vom "Panzerfußball" der deutschen Elf und hämt: "Die Deutschen feiern Jürgen Klinsmann als Reformer ihres Fußballs. Dabei ist er bloß ein Sepp Herberger der Spaßgesellschaft."

Auch der niederländische Telegraaf kann dem Sieg der Deutschen gegen Portugal wenig abgewinnen: "Dass das Deutschland des Bäckersohnes Jürgen Klinsmann durch Treffer von Ass Bastian Schweinsteiger und einem Eigentor von Petit mit dem dritten Platz davonkam, war, ganz vorsichtig gesagt, glücklich."

Amüsant der Kommentar der Londoner Daily Mail zum deutschen Sieg, der auf das Aus der englischen Elf durch die Portugiesen anspielt. "Die Niederlage von Portugal kann als Beweis dafür angesehen werden, dass sich Betrug nicht immer lohnt. Das war wahrscheinlich das erste Mal, dass eine Mehrheit von Engländern dafür war, dass Deutschland ein Fußballspiel gewinnt."

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