Interview
„Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst“

Deutschlands Kapitän Michael Ballack spricht im Interview über die Erwartungshaltung vor der Euro, seine lange Verletzung, die Unwägbarkeiten im Sport und das Säbelrasseln der Polen vor dem Auftaktspiel am Sonntag.

Frage: Sie bestreiten in Österreich und der Schweiz ihr fünftes großes Turnier, sind aber noch nie mit so viel Vorschusslorbeeren wie dieses Mal bedacht worden. Wie gehen sie damit um?

Michael Ballack: Sicherlich ist es besser, wenn man Lob bekommt als umgekehrt. Aber ich kann das sehr gut einschätzen und weiß, dass der nächste Schritt schnell wieder in die andere Richtung gehen kann. Ich bin derzeit in einer guten Form, muss aber umso mehr arbeiten, damit ich am Ende auch den Ansprüchen gerecht werde. Dieser Verantwortung bin ich mir bewusst. Ich bin erfahren genug, um zu wissen, dass alles ergebnisorientiert ist. Bei allem Vorgeplänkel zählt alleine, wie wir ab Sonntag spielen. Für mich persönlich ist aber wichtig, dass ich diesmal topfit in die EM gehen kann, nachdem ich vor den letzten Turnieren immer von Blessuren geplagt worden bin.

Ist der Eindruck richtig, dass sie aus Ihrer achtmonatigen Verletzungspause gestärkt hervorgegangen sind?

Ich habe in dieser langen Zeit unheimlich viel kämpfen müssen, gegen mich selbst und gegen die Verletzung. Wenn man immer an die Grenzen gehen muss, dann macht das stärker. Zudem war diese lange Pause im Nachhinein gut für meinen Körper, der mal richtig regenerieren konnte. Ich denke schon, das diese Verletzung ein Knackpunkt für mich war, der mich noch einen Schritt nach vorne gebracht hat.

Seit knapp vier Jahren sind Sie Kapitän, scheinen derzeit diese Rolle aber mehr denn je auszufüllen...

Es macht einfach Spaß zu sehen, wie die jungen Spieler mitmachen, wie sie sich auf die EM freuen und mit welcher Begeisterung sie für die Nationalmannschaft spielen. Zudem ist es toll, dass wir seit einigen Jahren wieder ein sehr gutes Verhältnis zu unseren Fans haben. Meine Aufgabe als Kapitän ist auch, dass dieses positive Miteinander zwischen Mannschaft und Fans so bleibt. Es gab Zeiten, in denen das alles nicht so positiv war, was natürlich damit zusammenhing, dass unsere Leistungen sehr schwankend waren. Uns ist aber klar, dass wir unsere Überzeugungskraft in erster Linie über Leistung definieren müssen. Es ist weiterhin für mich eine Ehre, Kapitän dieser Mannschaft zu sein. Ich hoffe, dass ich das noch einige Zeit sein werde.

Bedeutet dies, dass Sie trotz Ihrer 31 Jahre noch die Teilnahme an der WM 2010 in Südafrika planen?

2010 ist auf jeden Fall für mich noch ein Ziel. Jetzt konzentriere ich mich aber zunächst mal auf die EM und dann kommen die nächsten Aufgaben.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wann Sie Ihre Karriere beenden wollen?

Nein, es gibt bei mir noch keine konkrete Planung. Als ich so lange verletzt war, habe ich sicher mal einige Gedanken daran verschwendet, denn in dieser Zeit konnte man zwangsläufig mal vom Fußball abschalten. Wenn man aber wieder permanent im Spielbetrieb steckt, dann fehlt einem der Weitblick für weitere Aufgaben. Du musst immer das nächste Spiel gewinnen, da sind Langzeitplanungen kaum möglich.

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