Interview
„Ich brauche keine Gala“

Anlässlich seines 60. Geburtstags spricht Fußball-Legende Gerd Müller im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa über Erfolge in der Vergangenheit und Pläne für die Zukunft.

Frage: Sie feiern ihren 60. Geburtstag. Wie viele Gäste haben sich denn angesagt, um den besten deutschen Fußball-Stürmer zu feiern?

Müller: „Das ist nicht meine Welt. Ich brauche keine Gala. Für mich ist das ein Tag wie jeder andere. Wir feiern ganz klein, mit meiner Familie und Freunden. Das sind die Leute, mit denen ich schon mit 18 Jahren zusammen war. Ich wünsche mir, dass alles so bleibt, wie es ist. Gesundheit für meine Familie, und das es uns gut geht.“

Frage: Rückblickend auf ihre außergewöhnliche Karriere, was sind die schönsten Momente?

Müller: „Die Weltmeisterschaft 1970 war besonders schön, weil es meine erste war und weil viele Mannschaften mit Weltklasse-Spielern dabei waren. Der WM-Titel 1974 war aber natürlich die Krönung, das Tor im Finale war wohl mein wichtigstes. Obwohl natürlich auch noch viele andere wichtige dabei waren.“

Frage: Ihre Rekorde scheinen unantastbar. Sehen Sie jemanden, der Ihren Marken gefährlich werden könnte?

Müller: „Mancher Rekord wird wohl ewig bestehen bleiben. An die 365 Bundesliga-Tore kommt wohl keiner ran. Obwohl es heute doch viel einfacher ist für die Stürmer gegen eine Viererkette. Wir mussten gegen einen Vorstopper und einen Libero spielen. Heute würde ich vielleicht noch 20 Tore mehr schießen.“

Frage: Und ihre Nachfolger machen jede Saison wieder erfolglos Jagd auf ihre 40 Tore aus der Saison 1971/72?

Müller: „Ach, damit muss man doch jetzt mal aufhören. Nach ein paar Spieltagen wird schon davon geschrieben. Zuerst soll es der Roy Makaay machen, dann trifft der nicht mehr, und jetzt ist es plötzlich der Miroslav Klose, der es angeblich schaffen kann.“

Frage: Was war denn Ihr Erfolgsgeheimnis?

Müller: „Ich weiß es nicht. Das kannst du nicht lernen. Das kann man den Jungen auch nicht beibringen. Den Instinkt musst du haben. Schnell reagieren und beidfüßig schießen musst du können. Wir haben früher nichts anderes gehabt außer Fußball, nach der Schule haben wir gespielt bis zum Abend. Es gab nichts anderes.“

Frage: In der schweren Zeit nach ihrem Karriereende mit der Alkoholsucht war besonders der FC Bayern für Sie da.

Müller: „Ja, Uli Hoeneß hat sich um mich gekümmert, mich in die Klinik und zur Kur geschickt. Aber es waren alle für mich da. Danach habe ich dann den Trainerjob angefangen.“

Sie haben Ihren Vertrag als Nachwuchstrainer beim FC Bayern gerade bis 2010 verlängert. Und dann geht es in Rente?

Müller: „Dann ist sicher Schluss. Aber ich werde schon jeden Tag hier vorbeikommen und gucken, was so passiert. Das ist doch hier meine Welt.“

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