Interview mit Adidas-Chef Hainer
„Der Ball biegt dann links ab“

Adidas-Chef Herbert Hainer über den Chip im Fußball, den Konkurrenzkampf im globalen Sportartikelmarkt und das Endspiel der Weltmeisterschaft 2006.

Frage: Herr Hainer, am Freitag wurde der WM-Ball nach langer Geheimniskrämerei bei der WM-Auslosung endlich der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Sie haben angekündigt, ihn zehn Millionen Mal verkaufen zu wollen. Was ist das besondere an dem neuen Spielgerät?

Hainer: Der fliegt die ersten 80 Prozent geradeaus und biegt dann nach links oder rechts ab - Schmarrn. Aber: Dieser Ball wird noch präziser als andere Bälle fliegen. Wir haben das Material weiterentwickelt, der Ball wird komplett maschinell gefertigt, nicht mehr per Hand. Der Ball wird noch weicher, er ist noch besser zu behandeln. Das wollen ja die meisten Fußballer, vor allem die Lateinamerikaner. Die geben heute doch schon deutlich weniger Luftdruck auf den Ball als die Europäer, weil sie in der Regel technisch besser ausgebildet sind. Neben der größeren Fluggenauigkeit saugt der Ball kein Wasser auf, verändert also weder Gewicht noch Flugeigenschaften während eines Spiels - er ist gegen äußere Einflüsse komplett unempfindlich.

Werden wir bei der WM erstmals den Chip im Ball erleben, der dem Schiedsrichter zeigt, ob der Ball vollständig hinter der Torlinie war?

Das steht derzeit noch nicht fest. Getestet worden ist der Chipball bei der Weltmeisterschaft der unter 17-Jährigen in Peru, das war Erfolg versprechend, ein weiterer Test läuft bei der Fifa-Klub-WM jetzt im Dezember in Japan. Die Chancen, dass der Chip-Ball bei der WM gespielt wird, stehen bei mehr als 50 Prozent. Die endgültige Entscheidung wird der Weltfußballverband Fifa im März fällen.

Brauchen wir dann in Zukunft beim Fußball keinen Schiedsrichter mehr?

Das ist genau der Punkt - die letzte Entscheidung, und das sagt auch die Fifa, hat immer der Schiedsrichter. Der Chip im Ball sendet dem Schiedsrichter ein Signal, das ihm als Entscheidungshilfe dient, mehr nicht. Dieses Signal sieht außer ihm kein Mensch im Stadion. Theoretisch kann er dann immer noch frei entscheiden.

Und als Nächstes werden Spieler mit Chips im Trikot ausgestattet, die Pulsfrequenz und gelaufene Kilometer ermitteln?

Das ist auf alle Fälle möglich. Wir haben heute schon im Laufbereich eine Kooperation mit Polar, einem Hersteller von Pulsgeräten. Wir weben die Herzfrequenzmesser ins Laufshirt ein, anstelle dieser unästhetischen Gummibänder, die man sich heute um den Oberkörper schnallt. Wir bauen außerdem den Chip in den Schuh ein, dann können Sie an Ihrer Uhr ablesen, wie schnell Sie laufen, welche Distanz Sie gelaufen sind.

Sichert sich Adidas mit dem Chip im Fußball nicht ein Monopol - Sie sind derzeit der einzige Anbieter dieser Technik?

Es werden in Zukunft ja nicht alle Bälle mit einem Chip ausgestattet. Schließlich brauchen Sie dafür die nötige Infrastruktur. Deshalb wird der Ball voraussichtlich erst einmal nur bei offiziellen Fifa-Turnieren eingesetzt. Ein kleiner, unterklassiger Verein kann dagegen schlecht zwölf Antennenmasten rund ums Feld aufstellen, nur um zu messen, ob der Ball hinter der Linie war, das wäre sicher übertrieben. Aber die Entwicklung geht weiter, und in den Profiligen weltweit wird der Ball Einzug halten.

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