Interview mit Bundestrainer Jürgen Klinsmann
„Ich mache mir Gedanken über jeden einzelnen“

Jürgen Klinsmann hat schon sechs große Turniere auf dem Buckel. Beim Confoderations-Cup ist der 40-Jährige aber erstmalig nicht als Spieler aktiv, sondern steht als Trainer in der Verantwortung. Sondern als Trainer im Einsatz. Im Interviwe spricht „Klinsi“ über diesen Rollentausch, über die Zusammenarbeit mit Joachim Löw und über die Konstellation im Team.

Sehnen Sie sich nach den sechs Turnieren zurück, die Sie als Nationalstürmer bestritten haben?


Klinsmann

: "Nein, warum?"
Weil Sie da immer wieder Gelegenheiten hatten, das Trainingsquartier zu verlassen, um auf andere Gedanken zu kommen.
Klinsmann : "Als Spieler hatte ich meine Kernaufgabe: Mach ein gutes Spiel und ein Tor, dann kannst du wieder abschalten."
Und heute ist alles ein Tick intensiver?
Klinsmann : "Mehr als nur ein Tick. Jetzt bin ich permanent in Gedanken beim Team - beobachte, ob all die Rädchen richtig geölt werden, die wir in Gang gesetzt haben, oder wo es etwas zu optimieren gibt. Von morgens um halb acht bis abends um halb zwölf dreht sich alles nur darum. Wenn ich zum Frühstück komme, sitzen meistens Assistenztrainer Joachim Löw und die Physiotherapeuten schon da. Da gibt's die ersten Gespräche. Und spät am Abend gehen wir mit dem gesamten Betreuerstab die Dinge noch einmal durch."
Bleibt da noch Zeit zum Abschalten?
Klinsmann : "Ich trainiere jeden Tag über eine Stunde im Hotel. Wegen meiner Knieoperation darf ich zur Zeit zwar nur Radfahren und Walken, aber das mache ich sehr intensiv. Da bekomme ich den Kopf frei und gewinne neue Energie."
Ertappen Sie sich noch, dass Sie im Spiel wie ein Spieler und nicht wie ein Trainer denken?
Klinsmann : "Ich lese ein Spiel noch nicht so wie Carlos Alberto Parreira, Roger Lemerre oder Joachim Löw mit ihrer Erfahrung. Aber ich gehe mit allen Emotionen die Aufgabe an, lebe dieses Spiel. Ich kann relativ gut die Körpersprache von Spielern lesen, auch ihren Gemütszustand. Ich spüre, wenn ein Spieler einen Hänger hat, was in den Köpfen des Einzelnen vorgeht. Und wenn ein Spieler seine Unzufriedenheit im Spiel rausbrüllt, kann ich das auch gut verstehen, weil ich als Spieler drei Mal schlimmer war."
Beim Confed-Cup steht nicht nur die Mannschaft auf dem Prüfstand, sondern auch ihr Betreuerstab. Wie funktioniert das Modell Klinsmann?
Klinsmann : "Wir sind schon mit der Gewissheit ins Turnier gegangen, dass wir zueinander passen. Vom Busfahrer über den Zeugwart bis hin zum Sportpsychologen, den Physiotherapeuten oder den Fitnessleuten: Jeder weiß genau, wie seine Aufgabe definiert ist, welchen Teil er beitragen muss. Bei all dem gilt: Im Kern steht immer die Mannschaft."
Und Sie sind der Dirigent?
Klinsmann : "Meine Hauptaufgabe ist, die Qualität der Mannschaft zu verbessern. Es geht immer wieder nur um die Leistungsoptimierung: Wie werden wir ein Stück schneller, ein Stück beweglicher, ein Stück wacher? Wenn sich jeder Spieler ein bisschen steigert, haben wir eine bessere Mannschaft. Die Spieler wissen, dass ich mir unheimlich viele Gedanken mache über jeden einzelnen."

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