Interview mit Daniel Borimirov
„Die psychische Stärke fehlt“

Der frühere Sechziger Daniel Borimirov ist die zentrale Figur im Offensivspiel von Levski Sofia. Im Interview spricht er über die Arroganz der Gegner, die Schwäche der Bulgaren und das große Geld.

Handelsblatt: Daniel Borimirov, trotz aller Hoffnungen hat sich Ihr Verein Levski Sofia bisher als der erwartet brave Punktelieferant in Gruppe A gezeigt. Selbst der UEFA-Cup ist in weite Ferne gerückt. Wie lautet nun die Parole für das Spiel gegen Werder Bremen?

Daniel Borimirov: Nach dem ersten Champions League Tor gegen Chelsea wollen wir nun den ersten Sieg. Gerade weil die Lage aussichtslos scheint, werden wir voll auf Angriff spielen. Ich weiss, dass die Champions League Punktprämie in anderen Laendern kaum noch erwaehnt wird, doch in Bulgarien sind die eine Million Euro fuer einen Dreier viel Geld. Und wir brauchen natuerlich Punkte fuer die Fuenf-Jahres Wertung der UEFA. Nicht zu vergessen die 40 000 Levski Fans im Stadion, die ein berrauschendes Fußballfest verdient haben.

Steht denn die Öffentlichkeit in Bulgarien immer noch hinter ihrem Champions League Vertreter, oder müssen sie sich, aufgrund der deutlichen Niederlagen schon verspotten lassen?

Natürlich kursieren gerade unter den Anhängern von Erzrivale ZSKA Sofia schon die ersten Witze, aber die Mehrheit der Bulgarien sieht die Sache realistisch. In dieser Gruppe wäre alles andere, als der letzte Platz eine Sensation gewesen. Für die anderen Mannschaften waren wir von Anfang an nicht mehr, als eine Möglichkeit die Tordifferenz aufzubessern. Und wir, als Mannschaft sind natürlich enttäuscht, dass wir bisher keinen für seine Arroganz bestrafen konnten.

Gründe?

Ich, als einer, der gerade auch den deutschen Klubfussball kennengelernt hat, sehe da neben den spielerischen Unterschieden vor allem auch mentale Ursachen. Jeder, der sich ein bisschen mit dem bulgarischen Leistungssport auskennt, weiss, dass uns in entscheidenden Momenten die psychische Stärke fehlt. Im Hinspiel gegen Bremen hat man es gesehen, dass wir fast Angst hatten ein Tor zu schiessen.

Dann ist die Qualifikation zur Champions League also eher Zufall gewesen?

Nein, ganz im Gegenteil. Der jahrelange Aufbau der Mannschaft ist bis in die kleinsten Details geplant und absolut solide. Es ist eben kein Zufall, dass es gerade Levski Sofia und beispielsweise nicht ZSKA geschafft hat, sich fuer die Champions League zu qualifizieren. Klubführung, Trainer und Mannschaft arbeiten harmonisch zusammen und finanziell stehen wir auf gesichertem Terrain. Und es kommt ein Besonderheit des Klubs dazu, die in Bulgarien keiner leugnen wird: Den ausgeprägten Teamgeist, der hier seit der Gründung 1914 praktiziert wird, findet man bei keinem anderen Verein des Landes.

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