Interview mit dem Schalke-04-Manager
Andreas Müller: „Damals flogen Steine gegen den Bus.“

Seit Mai 2006 ist der ehemalige Bundesliga-Profi Andreas Müller Manager beim FC Schalke 04. Im Interview spricht der 46-Jährige über Emotionen im Ruhrgebiet, seine Lehre bei Rudi Assauer und warum er nicht in den Urlaub fährt.

Herr Müller, Sie sind 20 Jahre bei Schalke 04. Was war der schönste Augenblick?

Der Uefa-Pokal-Sieg 1997 in Mailand. Wir haben uns Runde für Runde durchgekämpft, aber diesen großen Triumph hatte uns niemand zugetraut. Die Fans auf der Tribüne hatten Freudentränen in den Augen. Wir Spieler feierten unsere Party auf dem Rasen und Youri Mulder, unser verletzter Torjäger, schmiss die Krücken weg und kam die Tribüne runter, um mitzufeiern. Es war das Emotionalste und Schönste, was ich bisher auf Schalke erlebt habe.

In den vergangenen Wochen standen Sie stark in der Kritik. Ist dies die schlimmste Phase bei Schalke?

Nein. Dieser Klub ist halt unglaublich emotional. Das ist im Ruhrgebiet so. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt, so sind die Menschen hier. Ich bin 1988 zu Schalke gekommen. Der Klub war gerade in die zweite Liga abgestiegen. Wenn der Erfolg ausbleibt, können die Fans sehr böse werden. Als wir damals in der zweiten Liga bei Hessen Kassel verloren haben, sind Steine gegen die Busscheiben geflogen und die Fans haben gebrüllt: ‚Wir sind Schalker und ihr nicht!’ Ich kenne das also. Aber das Heimspiel gegen Hertha BSC vor zwei Wochen, das wir 1:0 gewonnen haben, hat auch gezeigt, dass die Unterstützung immer wieder zurückkehrt. Wenn die Mannschaft ein Zeichen setzt und kämpft.

Wenn 10 000 Fans „Müller raus“ brüllen, richtet sich das aber nicht gegen die Spieler, sondern direkt gegen Sie.

Ich kann nicht sagen, dass mir das Spaß macht. Wenn man über Monate hinweg für seine Transferpolitik kritisiert und in Teilen der Medien Stimmung gemacht wird, setzt sich das irgendwann in den Köpfen der Leute fest. Mal sind es Spieler, die ausgepfiffen und kritisiert werden, so wie Kevin Kuranyi, dann ist es ein Trainer, und zuletzt hat es mich getroffen. Die letzten vier Jahre – auch unter meiner Regie – waren nicht so unerfolgreich. Das Untergangsszenario, das da entworfen wurde, war völlig überzogen. Mit einem neuen Trainer gibt es Änderungen. Und dass es Anlaufschwierigkeiten geben würde, war klar. In der Rückrunde werden wir ein gefestigtes Team sehen.

Die Partie gegen Hertha war das Schlüsselspiel. Haben Sie vor dem Anpfiff gedacht, wenn wir verlieren, ist das Kapitel Schalke für mich vorbei?

Ich denke vor keinem Spiel an mögliche Folgen. Das lähmt und hindert. Ich bin ein realistischer Optimist, und ich weiß, was die Mannschaft kann.

Hat sich Ihr Führungsstil durch die Angriffe verändert?

Nein. Wenn es harte Entscheidungen zu treffen gab, habe ich sie auch in der Vergangenheit so getroffen. Aber ich habe es bislang nicht so deutlich nach außen gezeigt.

Warum nicht?

Weil ich nicht der Typ dafür bin. Ein Beispiel: Thomas Schaaf und Klaus Allofs leisten bei Werder Bremen ausgezeichnete Arbeit. Wenn die Erfolge doch mal ausbleiben und die beiden in den Medien sachlich und unspektakulär auftreten, wird ihnen das als Stärke ausgelegt, weil sie so ruhig und cool bleiben. Ich habe das ähnlich gehalten, das ist mein Stil. Bei mir hieß es dann aber, ich sei ein Weichspüler, harmlos und könne nicht durchgreifen. Das stimmt nicht, das habe ich oft genug gezeigt. Die Spieler wissen ganz genau, dass es bei mir Grenzen gibt, die sie nicht übertreten sollten. Das hänge ich aber nicht an die große Glocke.

Zuletzt waren auch markige Sprüche von Ihnen zu hören.

Schalke ist Ruhrgebiet, die Leute sprechen eine etwas derbere Sprache und sind sehr offen. Das habe ich angenommen, gerade als zuletzt viel Unwahres, Tendenziöses berichtet worden ist. Für mich ist das zwar kein Maßstab, um meine Arbeit zu beurteilen, aber offenbar wollen die Leute sehen, dass man sich wehrt.

Seite 1:

Andreas Müller: „Damals flogen Steine gegen den Bus.“

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%