Interview mit DFB-Coach Jürgen Klinsmann
„Nächstes Jahr wollen wir ins Endspiel“

Nationaltrainer Jürgen Klinsmann über die Euphorie in Deutschland, über die Entwicklung der jungen Spieler und die Bedeutung von Kapitän Michael Ballack.

Ihr Team wurde mit Ovationen in den Urlaub verabschiedet. Worauf führen Sie den Stimmungsumschwung bei den Fans besonders zurück?


Klinsmann:

"Das Publikum merkt, dass da eine Mannschaft ist, die sich voll füreinander einsetzt, die voller Leidenschaft ist, voller Energie, viel lernen möchte. Da machen wir einen Schritt nach dem anderen. Mal gibt es einen Schritt zurück, dann wieder zwei nach vorne. Wir sind in einem Jahr enorm gewachsen."

Erstmals gab es in Leipzig Jürgen-Klinsmann-Sprechchöre. Wie haben Sie das empfunden?
Klinsmann: "Es freut einen natürlich, wenn einem die Leute Wertschätzung geben und ein Kompliment machen für die geleistete Arbeit. Ich hänge mich stets voll rein, damit die Mannschaft besser wird. Wenn dann so ein Schulterklopfen kommt, freut es ungemein. Aber die Arbeit wird rein von der Mannschaft umgesetzt."

Das gelang mit dem 4:3 gegen Mexiko nochmals in beeindruckender Art. Welche Erkenntnisse nehmen Sie mit vom Confed-Cup?
Klinsmann: "Es hat nicht ganz gereicht für das Endspiel, da wollen wir nächstes Jahr hin. Leute wie Per Mertesacker, Lukas Podolski, Robert Huth und Bastian Schweinsteiger haben einen enormen Lernprozess hinter sich, haben wichtige Erfahrungen gesammelt. Sebastian Deisler hat sich stark positioniert. Was fasziniert, ist die Tatsache, dass wir bei einem kleinen Rückschlag immer wieder zurückschlagen. Das spricht einfach für den Charakter der Mannschaft. Sie ist zusammen gewachsen."

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Dabei gab es bei einem Mann wie Huth auch persönliche Rückschläge. Wie sehen Sie seinen Turnier-Auftritt?


Klinsmann:

"Es freut uns natürlich, wie er sich da durchboxt, wie er eine Aufgabe nach der anderen angeht, wie er Fehler wegsteckt und sie selbst versucht zu korrigieren. Dass er das mit einem Tor krönen kann im Spiel um Platz 3, diese Geschichten schreibt nur der Fußball. Der Robert ist exemplarisch für die Mannschaft: Dass wir gewachsen sind, dass wir uns verbessern wollen und noch viel Arbeit vor uns liegt. Dass wir viel Spaß miteinander haben."

Garant für die guten Vorstellungen war vor allem auch Kapitän Michael Ballack.
Klinsmann: "Das ist keine Überraschung. Wir hatten den Wunsch im letzten August bei unserem Amtsantritt, dass er als Kapitän diese Mannschaft führt. Und das Gleichgewicht zwischen Offensive und Defensive immer wieder herstellt. Er ist das Sprachrohr in der Kabine, ist ausgleichendes Element außerhalb des Platzes. Er macht es auf eine natürliche Art und Weise und hat für die Mannschaft einen enormen Wert."

Die Euphorie im Land ist nun schon elf Monate vor der WM riesengroß. Müssen Sie diese nun sogar bremsen?
Klinsmann: "Das können wir nicht kontrollieren. Euphorie und Stimmung sind schwer voraussehbar. Für uns gilt ein Credo: In jedem Spiel das Beste zu geben. Diese Mannschaft steht dafür. In jedem Spiel ist sie bis ans Limit gegangen. Wenn die Mannschaft ihr maximales Potenzial abrufen will, honorieren das auch die Leute, wenn mal ein Rückschlag kommt."

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