Interview mit Hertha-Coach Pal Dardai
„Wenn es nicht mehr läuft, gehe ich in den Nachwuchs zurück “

Herta ist die Überraschung dieser Bundesliga-Hinrunde. Erfolgscoach und Schlüsselfigur Pal Dardai über den Aufschwung seines Teams, seine Spielphilosophie und was der Erfolg mit ungarischer Fischsuppe zu tun hat.

Herr Dardai, wie sieht Ihr Matchplan zu Weihnachten aus?
Mein Vater ist zu Besuch in Berlin. Normalerweise fahren wir Weihnachten nach Ungarn. Aber in Ungarn würde ich überall herumgereicht werden, da könnte ich nicht abschalten. Das brauche ich jetzt. Ich muss sagen: Ich bin schon müde. Der Sommer war sehr hart für mich, auch wenn ich das nicht gezeigt habe. Erst die Länderspiele mit Ungarn, dann die Vorbereitung mit Hertha. Ich habe im Sommer nur vier Tage Pause gehabt. Ich wollte ja auch nichts falsch machen.

Gibt es zu Weihnachten feste Traditionen im Hause Dardai?
Erst schmücken wir mit den Kindern den Weihnachtsbaum. Dann kocht mein Vater eine ungarische Fischsuppe, meine Frau ein anderes Gericht. Am Anfang ist der Heilige Abend immer schwierig für uns, weil meine Mutter und mein Bruder fehlen. Da kommen erst mal ein paar Tränen. Aber nach der Bescherung ist es schön und glücklich. Wir essen zusammen, alle an einem Tisch, da wird gequatscht und gelacht.

Was macht eine gute ungarische Fischsuppe aus?
Du musst echten ungarischen Pulverpaprika haben. Nicht den aus dem Supermarkt, sondern hausgemachten. Und natürlich brauchst du einen guten Karpfen. Dazu Salz, Knoblauch, Zwiebeln. Und ein bisschen Rotwein muss man zum Schluss auch reinkippen. Aber echter ungarischer Pulverpaprika ist das Allerwichtigste.

Wer ist der ungarische Pulverpaprika in Ihrer Mannschaft?
Wenn ich nur einen Spieler nennen sollte, dann wäre es Per Skjelbred. Per hat einen Riesenjob gemacht. Ihm geht es nicht darum, selbst zu glänzen. Er denkt immer für die Mannschaft, läuft gnadenlos die Lücken zu, ist sehr wichtig für die Spielverlagerung und führt Zweikämpfe ohne Ende.

Kommt es bei einer funktionierenden Mannschaft auch auf die richtige Mischung an – wie bei einer Fischsuppe?
Wenn Sie das unbedingt vergleichen wollen. Klar, wenn etwas fehlt, schmeckt die Suppe nicht. Die Stärke unserer Mannschaft ist ihr Teamgeist: wie wir leben, wie wir miteinander umgehen. Als wir letzte Woche nach Nürnberg zum Pokalspiel geflogen sind, habe ich auf dem Flughafen in Berlin gedacht: Wir haben das Spiel schon gewonnen. Noch bevor wir überhaupt losgeflogen sind.

Wieso?
Die Jungs haben da gesessen wie früher meine U 15. Alle zusammen, vorbildlich. Was für ein Anblick! Da habe ich gedacht: Mit diesen Spielern lohnt es sich zu arbeiten.

Woher kommt dieser Teamgeist? Aus der Mannschaft selbst? Oder haben Sie diesen Prozess aktiv angeschoben?
Wir haben nach der letzten Saison sehr wichtige Einzelgespräche mit den Spielern geführt. Ich glaube, da hat etwas angefangen. Dass es sich seitdem in die richtige Richtung entwickelt hat, dafür sind letztlich die Führungsspieler verantwortlich. Schön zu wissen, dass wir gute Führungsspieler haben. Ich finde, die Umgebung macht dich: Wo du wohnst, was du machst – so bist du. Die Chemie in der Kabine stimmt. Wenn die Stimmung gut ist, entwickelt sich automatisch etwas in der Mannschaft. Die Siege haben dann das Übrige getan. Irgendwann kommt auch mal ein Knick. Das ist so im Fußball. Aber bisher hatten wir Glück, dass wir davon verschont geblieben sind.

Sie haben als Spieler für Hingabe gestanden, für Fitness und sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt. Täuscht der Eindruck, dass Sie gerade eine Mannschaft nach Ihrem Bilde bauen?
Ja, das täuscht. Als Trainer hast du einen Kader, aus dem du das Maximum herausholen willst. Du versuchst ein System zu entwickeln, eine fußballerische Idee, die zu diesem Kader passt. Die Spieler müssen an diese Idee aber auch glauben, damit sie mit ihr erfolgreich sind. Das geht nur für Schritt für Schritt wie auf einer Treppe. Viele machen den Fehler, dass sie alles auf einmal machen wollen. Das geht nicht. Das habe ich im Nachwuchs gelernt. Der beste Tipp, den mir Lucien Favre gegeben hat, war: „Pal, gehen Sie zu den Kindern, zwei, drei Jahre, und dann kann Ihnen niemand mehr etwas Neues erzählen!“ Das ist so. Im Nachwuchs habe ich unglaublich viele Dinge gelernt, die ich auch hier praktiziere.

Was denn?
Du brauchst im Training Übungen mit Sinn, bei denen auch der Kopf belastet wird. Wir trainieren immer mit Druck. Für die Jungs ist das selbstverständlich, und so spielen sie jetzt auch. Diese Automatismen bringen sie weiter.

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