Interview mit Jürgen Klinsmann
„Das gibt der Mannschaft Rückendeckung“

Mit dem Spiel gegen Kolumbien ist die zweijährige WM-Vorbereitung unter Jürgen Klinsmann zu Ende gegangen. Im Interview lässt der Bundestrainer die letzten zwei Jahre Revue passieren, spricht über die neue Spielphilosophie der Mannschaft und über die Erwartungen für die Fußball-Weltmeisterschaft.

Kolumbien war der Schlusspunkt nach zwei Jahren WM-Vorbereitung. Wie ist Ihr Fazit kurz vor dem Eröffnungsspiel?

"Wir haben versucht, in den zwei Jahren der Mannschaft ein neues Gesicht zu geben, einen Generationswechsel zu vollziehen, eine schnelle, nach vorne gerichtete Spielphilosophie zu entwickeln. Heute wollten wir die zweieinhalb intensiven Vorbereitungswochen positiv ausklingen lassen und das Vertrauen innerhalb der Mannschaft aufbauen, dass wir uns etwas zutrauen, wenn es in einer Woche los geht. Das ist der Mannschaft gelungen. Aber machen wir uns nichts vor: Wir haben noch viel Arbeit vor uns."

Hat Sie die zum Teil harte Kritik in den vergangenen zwei Jahren überrascht?

"Wir haben hart gearbeitet, hatten Aufs und Abs. Aber wir wussten immer genau, wo wir ankommen müssen: Am 9. Juni in München. Wir glauben an das Team und unsere Stärken. Ich kann es nicht allen Recht machen und das ist auch nicht meine Aufgabe. Meine Aufgabe ist es, eine gute Mannschaft aufzubauen. Da sind wir auf einem guten Weg."

Sie sagen, es gibt noch viel Arbeit. Was kann in den letzten Tagen bis zum WM-Start noch getan werden?

"Wir müssen ständig am Feinschliff arbeiten, im taktischen und spielerischen Bereich. Wir werden jetzt intensiver Standardsituationen trainieren. Wir werden versuchen, während des Turniers eine hohe Intensität beizubehalten und hoffen, dass sich das zum Schluss hin immer mehr auszahlen wird."

Philipp Lahm hat sehr lange gespielt. Wie zufrieden waren Sie mit ihm, und ist damit die Verteidigungsreihe für das Eröffnungsspiel gefunden?

"Wir sind sehr froh, dass Philipp Lahm ohne Probleme nahezu durchspielen konnte. Das ist für uns eine sehr wichtige Erkenntnis. Er ist voll belastbar, er kann ohne Probleme Zweikämpfe annehmen und sich reinschmeißen. Die Abwehr, die gegen Kolumbien ihre Aufgabe sehr gut gemacht hat, hat die besten Chancen, im Eröffnungsspiel anzufangen. Wir müssen die Trainingseinheiten abwarten, vieles kann passieren in kurzer Zeit."

Wie wichtig war dieser Sieg ohne Gegentor für das Selbstvertrauen und die Stimmung im Umfeld?

"Die Mannschaft kann mit breiter Brust in das Eröffnungsspiel gehen, wohlwissend, dass das eine ganz andere Geschichte wird nächsten Freitag. Wir sind hungrig auf das Turnier und werden hungrig bleiben, egal welche Ergebnisse rauskommen und wie die Spiele laufen."

Haben Sie das Gefühl, dass das deutsche Publikum schon so hinter der Mannschaft steht, wie Sie sich das wünschen?

"Das Publikum hat ein gutes Gespür, dass diese Mannschaft wächst, dass die jungen Spieler das Publikum im Rücken brauchen. Das Publikum unterstützt auf wundervolle Art und Weise, ob beim öffentlich Training vor 40 000 oder in den drei Testspielen. Das gibt der Mannschaft Rückendeckung und das ist es, was wir brauchen. Daraus erhoffen wir uns Energie und einen Vorteil."

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