Interview mit Jürgen Klinsmann
Kritik „teilweise unter der Respekt-Grenze“

Der 4:1-Sieg gegen die USA kam genau zur richtigen Zeit; nach der Medienschelte der vergangenen Woche brauchte die Nationalmannschaft und vor allem der Bundestrainer ein Erfolgserlebnis. Nach seiner Wutrede stellt der Bundestrainer sich im Interview.

Was bedeutet der Sieg gegen die USA für Sie persönlich und für Ihre Arbeit in den Wochen bis zum WM-Start?

"Für uns ist der Sieg natürlich wichtig, um mit dieser jungen Mannschaft, die ja noch im Umbruch ist, ruhiger arbeiten zu dürfen und in Ruhe die Vorbereitung zu planen. Was sich in den vergangenen Wochen abgespielt hat, war teilweise unter der Respekt-Grenze von einigen Medien. Wir haben auch gelernt, wo die Leute sitzen, die uns nicht so wohl gesonnen sind. Deshalb hat uns dieses Ergebnis gut getan, weil wir jetzt gezielt weiter arbeiten können, ohne dass uns immer wieder Knüppel zwischen die Beine geschmissen werden."

Hat Ihnen die Kritik nach der Italien-Pleite auch geholfen?

"Die Kritik war sicher berechtigt im sportlichen Bereich. Damit haben wir uns auch auseinander gesetzt, das haben wir analysiert, das war eine Lektion. Aber viele dieser Einwürfe von bestimmten Medien hatten mit dem Spiel in Italien überhaupt nichts mehr zu tun. Da wird Politik gegen einen gemacht, die zu weit geht und respektlos ist, die versucht, Stimmung zu machen beim Publikum. Das hat nichts mit der Arbeit zu tun. Wir haben 20 Monate konzentriert gearbeitet."

Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie daraus?

"Man lernt die Leute kennen, mit denen man die nächsten zwei, drei Monate arbeiten muss oder auch nicht. Die Mannschaft hat einfach einen unglaublich guten Teamgeist gezeigt, Charakter gezeigt und reagiert: Was jetzt auf uns eingeprasselt ist, das lassen wir uns nicht bieten. Die Truppe war bis in die Haarspitzen motiviert. Das hat Spaß gemacht, weil eine Identifikation da ist im gesamten Kreis Nationalmannschaft. Diese Identifikation untereinander und für unser Land, die kann uns keiner nehmen."

Im öffentlichen Mittelpunkt hatte auch Bastian Schweinsteiger gestanden. Wie sind Sie mit ihm umgegangen?

"Die Gruppe hat sich sehr um Basti Schweinsteiger gekümmert. Was auf ihn eingeprasselt ist, ist auch jenseits von Gut und Böse. Wir haben unglaublich viel Talente in dem Land, nicht nur die, die heute gespielt haben. Nur müssen wir aufpassen, uns die eigenen Talente nicht kaputt zu machen. Wenn es so weiter gegangen wäre - jetzt wird es nicht der Fall sein durch das Resultat - hätten wir die Weltmeisterschaft riskiert nur durch puren Pessimismus und die negative Aggressivität, die von gewissen Leuten gekommen ist. Das kann keine Mannschaft verkraften, die viele 20- und 21-Jährige hat."

Seite 1:

Kritik „teilweise unter der Respekt-Grenze“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%