Interview mit Klinsmann
„Ich kann das noch nicht ordnen“

Jürgen Klinsmann ziert sich weiter, wenn es um Aussagen über seine Zukunft als Bundestrainer geht. Gleichzeitig sagt er aber, dass er weiterhin in engem Kontakt zur Mannschaft stehen will. Beeindruckt haben Klinsmann die zahlreichen Glückwünsche - an erster Stelle die von Kanzlerin Angela Merkel.

Wie bewegend war das Abschlussbild im Stadion nach dem dritten Platz und was werden Sie Ihren Spielern zum Abschied sagen, "ade' oder "tschüss bis zum nächsten Länderspiel im August'?

"Man kann das noch gar nicht in Worte fassen. Was sich hier noch einmal abgespielt hat, hat alles getoppt, von dem wir dachten, dass man es ohnehin nicht mehr toppen kann. Das Publikum war fantastisch, die Mannschaft hat wie aus einem Guss gespielt mit Herz und Freude, das Resultat passt - da spielt sich eine Gefühlswelt ab, die kann man noch gar nicht ordnen. Ich bin nur wahnsinnig stolz, dass diese Mannschaft so Fantastisches geboten hat und sich eine WM entwickelt hat, die für Deutschland ein unschätzbarer Wert geworden ist. Das macht uns sehr, sehr stolz. Aber ich persönlich brauche ein paar Tage, um das zu verstehen und sacken zu lassen."

Wenn Ihnen vor einem Jahr jemand gesagt hätte, Sie werden bei dem Turnier Dritter, hätten Sie sich gefreut?

"Das Spiel um Platz drei ist immer für beide Mannschaften undankbar, weil man davon geträumt hat im Endspiel zu stehen. Da muss man sich einen besonderen Schub geben. Das haben wir getan - und auch Portugal. Dass so ein Spiel dann auch noch mit drei Schweinsteiger-Toren entschieden wird - diese Geschichten werden halt nur im Fußball geschrieben."

Auf dem Rasen sah das nach dem Spiel alles sehr herzlich aus. Die Bundeskanzlerin hat Sie umarmt und Franz Beckenbauer hat etwas zu Ihnen gesagt. Verraten Sie uns was?

"Der "Kaiser' hat gesagt: Mach ja weiter! Und ich habe gesagt: Schau'n mer mal. (Gelächter) Nein, ich freue mich einfach, dass er eine enorme Wertschätzung hat für unsere Arbeit. Diese Worte kommen aus seinem Herzen heraus. Das ist für mich als junger Kerl, als junger Trainer etwas Besonderes, so etwas von Franz Beckenbauer zu hören. So, wie ein Kompliment von Eusebio etwas Besonders ist, oder von einem Felipe Scolari, wenn er einen in den Arm nimmt. Ganz besonders stolz war ich, als ich die Kanzlerin drücken durfte, weil sie auf unserer Seite war, als es noch richtig um die Ohren gab vor ein paar Monaten nach dem Italien-Spiel in Florenz. Da war sie eine der Wenigen, die aufgestanden ist und gesagt hat: Lasst die Kerle jetzt endlich mal in Ruhe arbeiten. Das zeugt von ihrem Charakter und ihrer Menschlichkeit. Die hat sie uns in den letzten Wochen immer wieder gegeben. Sie kam ins Hotel, sie hat mit uns gegessen, sie hat die Spieler eingeladen ins Kanzleramt, das war nichts Steifes, nichts Kompliziertes und nichts Politisches: Da habe ich einfach nur danke gesagt."

Seite 1:

„Ich kann das noch nicht ordnen“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%