Interview mit Soeren Oliver Voigt, Eintracht Braunschweig
„Geld schießt Tore. Aber nicht immer“

Der Geschäftsführer von Eintracht Braunschweig, Soeren Oliver Voigt, erklärt, wie aus der Eintracht fast einmal Jägermeister Braunschweig geworden wäre und wie sportlicher Erfolg mit leeren Kassen funktioniert.
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Düsseldorf/BraunschweigHandelsblatt Online: Herr Voigt, Wie würde die Bundesliga heute ohne Trikotsponsoring aussehen?

Soeren Oliver Voigt: Das ist in der heutigen Zeit schlicht und ergreifend nicht vorstellbar. Wenn Günter Mast gemeinsam mit dem damaligen Präsidenten der Eintracht Herrn Fricke 1973 nicht auf die Idee gekommen wäre, sein Logo auf der Brust der Eintracht zu platzieren, wäre da wahrscheinlich jemand anderes drauf gekommen.

Was würde Ihnen als Verein an Einnahmen entgehen, wenn es kein Trikotsponsoring gäbe?

Im Profifußball spricht man ja von mehreren Ertragssäulen.  In den Bundesligen sind mittlerweile die TV-Rechte  der größte Ertragsposten. Danach kommt schon das Trikotsponsoring. Die Bedeutung ist also enorm.

Am 24. März 1973 liefen die Spieler von Eintracht Braunschweig mit dem Hirsch von Jägermeister auf den Trikots auf. Wie kam es überhaupt dazu?

Ernst Fricke, unserer damaliger Präsident, soll Günter Mast von Jägermeister damals angesprochen haben. Das sind ja kurze Wege von Braunschweig nach Wolfenbüttel (dem Sitz von Jägermeister, Anmerkung der Redaktion) und wenn man ein großes Unternehmen suchte, da war Jägermeister nicht weit. So viele Unternehmen gab es damals in der Region nicht. Günter Mast wird darin seine Chance gesehen haben.

Gab es keine Interessenskonflikte?

Das kann man so nicht sagen. Wir sind eine Symbiose eingegangen aufgrund der Tatsache, dass Eintracht Braunschweig das Geld brauchte. Und Jägermeister bekam dafür ja eine wahnsinnig gute Publicity.

Trotz der Sponsoreneinnahmen von 100.000 Mark pro Saison folgte der sportliche Abstieg.

Der direkte Zusammenhang zwischen dem Investment in eine Mannschaft und dem sportlichen Erfolg lässt sich sicherlich herstellen. Es gibt ja diese Bezeichnung: Geld schießt Tore. Aber das ist nicht immer so. Die wirtschaftlichen Investitionen in eine Mannschaft bringen nicht immer zwangsläufig auch den Erfolg.

Umgekehrt ist Ihre Mannschaft derzeit trotz eines kleinen Budgets Tabellenzweiter der Zweiten Bundesliga.

Genau. Wir haben mit Eintracht Braunschweig in den vergangenen Jahren bewiesen, dass man mit sehr gemäßigtem Etat auch sportlich erfolgreich sein kann. Aus der Not ist damals quasi unsere Philosophie erwachsen. Als wir vor fünf Jahren gerade so die Qualifikation für die Dritte Liga geschafft haben, standen wir wirtschaftlich auf sehr wackligen Beinen und waren im Prinzip pleite.  Durch einen sehr  strengen Konsolidierungskurs  haben wir vor zwei Jahren den Turnaround geschafft.

Sponsoring spielt bei Ihrem Etat ja eine wichtige Rolle. Wie abhängig ist ein Verein von dem Unternehmen, das ihn unterstützt?

Im Vorfeld muss man klare Grenzen zwischen der Vereinspolitik und den Interessen des Unternehmens ziehen. Dazu gehört unter anderem, dass nicht in die Vereinspolitik eingegriffen wird. Dass der Hauptsponsor die Mannschaft aufstellt, das wird es heutzutage im Profibereich grundsätzlich nicht mehr geben. Ausnahmen lassen sich jedoch finden.

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  • Danke an das HB für dieses interessante Interview.

    Eintracht Braunschweig hat die letzten 5 Jahre eine Erfolgsgeschichte geschríeben, die m.E. Ihresgleichen sucht.

    Mit wirtschaftl. recht geringen Beträgen eine Spitzenmannschaft der 2. Liga aufgebaut. Diese ist ähnlich homogen wie die Erstligamannschaft der Eintracht bis 1977.

    Seit 1976 bin ich Fan dieses Vereins und auch in den bitteren Oberligazeiten treu geblieben.

    Der Weg der Eintracht ist aber noch längst nicht zu Ende, insbesondere weil ja einige der Nord- Erstligisten seit Jahren schwächeln.

    Hier im mittleren und südlichen Bundesgebiet reiben sich die Leute immer die Augen, wenn man erzählt, dass Jägermeister schon mehr als 20 Jahre kein Haupt-Sponsor mehr ist bei der Eintracht.

    Insofern vertraue ich den Verantwortlichen der Eintracht, dass diese erneut mit einem Sponsor-Coup überraschen werden.

    Dieser Marketingeffekt dürfte durchaus mehr wert sein als 2 Mio €.

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