Interview: Ottmar Hitzfeld
„Ich habe mich selbst überlistet“

Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld über die Ziele in der laufenden Saison, die neue sicht auf den Fußball, die der Bezahlsender Premiere ihm vermitteln konnte, seine Führungsphilosophie und seine ganz persönliche Zeitplanung im Trainerjob.

Handelsblatt: Zehn Tage nach der Niederlage in Frankfurt, einen Tag vor dem wichtigen Spiel gegen Tabellenführer Schalke: Bleiben sie dabei, dass die Meisterschaft für die Bayern passé ist?

Ottmar Hitzfeld: Unser Ziel bleibt der dritte Platz.

Dann müssten sie in die Qualifikation zur Champions League.

Richtig. Realistisch ist Platz Drei, optimal Platz Zwei, noch schöner Meister. Diese Hoffnung stirbt nicht, aber ich bin kein Träumer.

Was, wenn Sie nicht mal Platz Drei schaffen?

Besser, ich denke nicht darüber nach.

Könnten Sie damit leben, in der kommenden Saison im Uefa-Cup über moldawische oder litauische Dörfer zu reisen?

Ganz schwer.

Wie wollen Sie das verhindern?

Ich muss meinen Spielern genau diese Vision vor Augen führen. Sie müssen den Ernst der Lage erkennen, die vor allen Dingen sie selbst betrifft.

Sie haben angekündigt, neue Maßnahmen gegen die Krise zu ergreifen, etwa einen Tag früher ins Trainingslager zu fahren. Was soll das bringen?

Mir war die Stimmung vor dem Frankfurt-Spiel zu gelöst. Wenn ich meine Spieler länger zusammen habe, kann ich sie besser motivieren. Gerade gegen Abstiegskandidaten ist es wichtig, (eine) Anspannung aufzubauen. Ohne die passiert genau das, was uns diese drei Punkte gekostet hat.

Trainingslager vor Spielen gehören zu den Mythen des Fußballs. Sie sollen angeblich Wunder wirken, nachprüfbar ist das aber nicht…

Eintrainieren kann man nicht mehr viel, aber darum geht es nicht. Wichtig ist, sich im Geist auf das Spiel vorzubereiten. Sonst nimmt man den Fußball nicht ernst genug.

Sie haben erklärt, sie hätten noch ein paar Überraschungen für Ihre Spieler parat...

Wenn ich ihnen die jetzt verrate, sind es keine mehr, oder?

Sie sind öffentlicher geworden seit Ihrer Rückkehr...

Das ist etwas anderes.

Sie üben für alle hörbar Kritik. Keine Trainingsübung, die nicht breit besprochen wird. Es gibt Eisbäder, Schlitten und Ergometer nicht nur für Ihre Mannschaft, sondern auch die Öffentlichkeit. Gläserner ist der FC Bayern selten gewesen…

Ich bin auch noch nie soviel gefragt worden.

Sie könnten schweigen…

Es würde trotzdem darüber berichtet, machen wir uns nichts vor.

Sind Sie der „neue Ottmar Hitzfeld“, wie behauptet?

Ich bin immer noch Ottmar Hitzfeld. Aber es hat gut getan, Abstand zu gewinnen. Als Trainer fehlte mir damals diese Distanz, ich hatte nur meine Mannschaft vor Augen. Sagen wir, ich sah zu wenig.

Premiere hat Ihnen die Augen geöffnet?

Ich habe unzählige Spitzenspiele gesehen, im Ausland und in der Bundesliga. Ich habe mich mit so vielen Mannschaften beschäftigt, ohne gegen sie spielen zu müssen. Das war für mich eine hervorragende Fortbildung. Ich habe vor den WM-Spielen zum Beispiel Unterlagen über die Mannschaften durchgesehen, ich habe ihre Schwächen kennen gelernt und ihre Stärken, welche Formationen sie bevorzugen und warum, weshalb sie welche Taktik wählen. Ich habe mich auf höchstem Niveau ausgebildet.

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