Interview
„Sonst sprechen wir mit Nike“

DFB-Präsident Theo Zwanziger äußert sich im Gespräch mit dem Handelsblatt zu seinem Verhältnis mit dem neuen Uefa-Präsidenten Michel Platini und zum Ausrüstervertrag mit dem langjährigen Partner Adidas.

Handelsblatt: Herr Zwanziger, morgen entscheidet die Uefa, wer die EM 2012 ausrichtet. Weder Polen/Ukraine noch Ungarn/Kroatien oder Italien gelten als Favoriten. Wen wünschen Sie sich?

Zwanziger: Mit Gerhard Mayer-Vorfelder gab es zusammen mit unserem Generalsekretär Horst R. Schmidt und mir darüber Gespräche. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir das nicht öffentlich machen.

Sie haben sich am Montag in Nyon mit dem neuen Uefa-Präsidenten Michel Platini getroffen. Worüber haben sie gesprochen?

Es gab einige Themen, die uns beiden am Herzen liegen. Dass dabei auch die deutsche Bewerbung für die Frauen-WM 2011 eine Rolle gespielt hat, ist kein Geheimnis.

Bei Platinis Wahl zum Uefa-Präsidenten hatte sich der DFB auf die Seite von Lennart Johansson geschlagen. Seither spricht ihr ehemaliger Präsidentenkollege und heutige Uefa-Vize Mayer-Vorfelder von „Irritationen“...

...es gibt weder einen Konflikt mit Platini noch mit Mayer-Vorfelder. Ich bin heilfroh, dass wir mit ihm in der Uefa und mit Franz Beckenbauer in der Fifa in den internationalen Gremien vertreten sind. Ein Ergebnis meines Treffens ist auch, dass mir Platini die Zusage gegeben hat, dass er unsere Einladung für den DFB-Bundestag am 26. Oktober annimmt.

Keinen Konflikt mit Mayer-Vorfelder zu haben, wäre eine neue Version ihres Verhältnisses, dass nicht als das beste gilt...

...Mayer-Vorfelder und ich sind sicherlich unterschiedliche Charaktere, aber das schlechte Verhältnis, das häufig kolportiert wird, existiert schlichtweg nicht. Es ist uns in einer für den deutschen Fußball enorm schwierigen Lage nach der EM 2004 mit einer Doppelspitze gelungen, innerhalb von zwei Jahren etwas aufzubauen. Erinnern Sie sich doch, was alles über uns geschrieben wurde: ‚Die Wahnsinnigen' hieß es damals, aber wir haben das durchgezogen.

Platini war sehr verwundert, dass ihm der DFB so unverhohlen die Unterstützung verweigerte...

...Platini war und ist ein Freund der Deutschen. Wir haben Platini mit meiner Unterstützung ins Kuratorium der WM geholt, denn wir wollten von seiner bei der WM 1998 in Frankreich gesammelten Erfahrungen profitieren. Zwischen Platini und mir steht nichts. Vor seiner Wahl in Düsseldorf habe ich zwei Mal mit ihm gesprochen. Es war mir wichtig, ihm zu erklären, warum wir für Johannson stimmen. Ohne Johannson hätten wir die WM nicht bekommen, und wir konnten und wollten nicht undankbar sein. Das hat Platini auch verstanden.

Sie haben nach der Wahl süffisant bemerkt, dass Platini von „kleinen Nationen mit weniger als Hundert Einwohnern“ gewählt worden sei. Nach einem freundschaftlichen Verhältnis klingt das nicht...

...das war eine von mir im kleinen Kreis geäußerte und klar überzeich-nete Bemerkung, die man Platini als mein offizielles Statement überbracht hat. Dass er darauf unwirsch reagiert hat, verstehe ich doch, ich hätte vielleicht noch heftiger reagiert, als er. Es war nicht in Ordnung, dass an diesem Satz vieles in der öffentlichen Berichterstattung festgemacht wurde. Grundsätzlich gilt für uns: Platini verändert die Strukturen der Uefa und seine Richtung stimmt.

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