Interview
„Winterkorn hat die Strippen mitgezogen“

Hartmut Zastrow ist Geschäftsführer der Sponsoringberatung Sport&Markt. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über den geplanten Deal von Audi mit dem FC Bayern München, Alternativen zu einem Anteilskauf am Klub und die Rolle von VW-Chef Martin Winterkorn.

Was ist dran an den Plänen von Audi, das Engagement beim FC Bayern zu intensivieren?

Dass etwas im großen Umfang im Gange ist, was Deutschland in dieser Form noch nicht gesehen hat, ist unstrittig. Das pfeifen die Spatzen von den Dächern. Nach dem Nationalteam, wo sich Mercedes engagiert, ist der FC Bayern der wichtigste deutsche Sport-Asset. Den besetzt jetzt Audi - ausgerechnet in der BMW-Hauptstadt. Das macht Audi sicherlich richtig Spaß.

Welche Rolle spielt VW-Chef Martin Winterkorn? Er sitzt im Bayern-Aufsichtsrat, sponsert Wolfsburg mit VW, ist Aufsichtsratschef bei Audi ?

Ich kann mir vorstellen, dass er die Strippen mitgezogen hat. Er scheint dem Fußball zugetan zu sein, ist vertriebsorientiert und offenbar pro Sponsoring. Das sieht man bei Seat, die in die Europa League einsteigen. Mit einem Sponsoring-Muffel wären solche Geschichten unmöglich.

Welche Strategie steckt dahinter?

Wenn VW und Audi massiv Sponsorings in Deutschland eingehen, hat das zum einen werbliche Hintergründe. Bei Audi steht aber auch der B2B-Aspekt ganz vorne. Bayern ist eine erstklassige Vertriebsplattform, auch um Kunden einzuladen und mit elitären Zielgruppen ins Gespräch zu kommen. Beim FC Bayern sitzt ein überproportional hoher Anteil von Wirtschaftsführern in den Logen.

Welche Alternativen gibt es zu einem Anteilskauf am Klub?

Ich glaube nicht, dass die Allianz als Stadion-Namenssponsor oder die Telekom vom Trikot zu verdrängen sind. Aber es würde Sinn ergeben, die Freundschaftsspiele in Form des Audi-Cup weiter nach vorne zu bringen - oder über Werbung auf Banden oder in den Medien die Marke mit dem FC Bayern zu verbinden.

Freundschaftsspiele? Wäre das nicht nur B-Ware?

Es sind nur Freundschaftsspiele, aber man hat sich den Klub als Botschafter gesichert. Wenn Audi in die Botschaft in Dubai einlädt, kommen vielleicht 50 Leute. Wenn sie die Bayern mitbringen, ist ein Vielfaches da.

Ist ein Engagement von 100 Millionen Euro realistisch?

Wenn man die fünf bis sechs Millionen Euro, die Audi schätzungsweise momentan zahlt, in einem Vertrag über sechs bis zehn Jahre mit zum Beispiel Freundschaftsspielen aufstockt auf 15 Millionen, dann kommt man auf diese Größenordnung. Das halte ich auch für zu rechtfertigen.

Die Fragen stellte Stefan Merx.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%