Interview
„Wir brauchen mehr Talente“

Uli Hoeneß, Manager vom FC Bayern München, über die Weltmeisterschaft 2006, TV-Gelder und die Politik.

Herr Hoeneß, sie haben jüngst mehr Optimismus, Vertrauen in die eigene Stärke und die Bereitschaft gefordert, veraltete Strukturen zu verändern, damit Deutschland in die Weltspitze zurückkehrt. Das klingt wie Jürgen Klinsmanns Programm für die Nationalelf. Ist sie ein Reformvorbild für Deutschland?

Hoeneß: Wir sollten das Fell des Bären eben nicht verteilen, bevor er erlegt ist. Die Euphorie drohte ja schon ins Unermessliche zu steigen, ehe Holland und vor allem die Slowakei uns auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt haben. Es hat sich bei der Nationalmannschaft vieles zum Besseren gewendet, keine Frage, und wir sollten all das positiv aufnehmen. Aber man muss so einen Weg konsequent weitergehen, das geht eben nicht von heute auf morgen, wie am Samstag zu sehen war. Dasselbe gilt ja für die Politik, wo nach ersten kleinen Verbesserungen einige wieder stehen bleiben oder gar zurückrudern wollen.

Die Nationalelf wird mit Blick auf WM-Titel gern als Spiegelbild für Deutschlands Zustand hergenommen. Passt der Vergleich?

Hoeneß: Häufig galt das mit Sicherheit. 1954 war die Zeit des Wiederaufbaus, da war Deutschland am Boden und es war für die Spieler eine Ehre, das Land wieder salonfähig zu machen. 1974 ging es für uns junge Spieler darum, die soziale Leiter hinaufzusteigen, auch das ist sinnbildlich für die damalige Zeit. 1990 war dann so eine Phase dazwischen, die schwer zuzuordnen ist ...

... und 2006 ...

Hoeneß: ... ist unser Land in einer Situation, in der es eindeutig eine Wende zum Besseren braucht, vor allem was die Stimmung anbelangt. Der Confed-Cup hat einen Vorgeschmack darauf gegeben, wie sich so eine Euphorie ausbreiten kann. Hoffen wir, dass die WM einen kleinen Beitrag dazu leistet, aber sie kann sicher nicht das ganze Land verändern.

Wird die WM denn die Nationalmannschaft langfristig verändern?

Hoeneß: Es kann nicht das Ziel sein, dass sich im deutschen Fußball mit Blick auf dieses eine große Ereignis jetzt alles aufbäumt und danach wieder in sich zusammenfällt. Vor allem die bessere Nachwuchsarbeit – durch bessere Koordination innerhalb des DFB aber auch in den Vereinen, die hierzu verpflichtet wurden – hat erste Früchte getragen: siehe Schweinsteiger, Lahm, Podolski oder jetzt bei uns Andreas Ottl. Aber wir brauchen nicht drei, sechs oder zehn von dieser Sorte, sondern fünfzig oder sechzig. Wir haben in der Masse immer weniger talentierte Spieler. Die wenigen, die wir haben, müssen wir frühzeitig filtern und sie in unseren Fußballschulen künstlich zu dem erziehen, was wir früher auf der Wiese, im Hinterhof auf natürliche Weise gelernt haben.

Früchte getragen hat auch die Arbeit von Trainer Felix Magath. Doch Bayern München soll bald nur noch im Bezahlfernsehen zu sehen sein – zumindest nach der Vorstellung von Premiere, das ab 2006 sämtliche Senderechte für die Champions League gekauft hat.

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