Interview zum neuen DFB-Dress
„Weiße Hosen sind intimer“

Das neue DFB-Dress ganz in Weiß hat schon vor seiner Präsentation für heftige Kritik gesorgt. Design-Professorin Nicole Süß sieht das anders. Im Interview erklärt sie, warum das Trikot und die weißen Hosen funktionieren.
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Handelsblatt Online: Das neue Trikot sieht aus, wie von vielen befürchtet: ein breiter roter Streifen in V-Form auf der Brust. Wie ist Ihre Einschätzung zum neuen Design?

Nicole Süß: Bevor ich die ersten Bilder gesehen habe, wurde ja schon viel geschrien und geschimpft über das neue Trikot der Nationalmannschaft. Ich war positiv überrascht, das kann ich gleich vorwegschicken. Mir hat der umstrittene Bruststreifen in V-Form gut gefallen. Vor allen Dingen ist diese Farbabstufung, die auf dem Trikot ausprobiert wurde, wirklich eine Innovation.

Gehen die Nationalfarben dabei nicht ein wenig verloren?

Das Schwarz-Rot-Gold ist ja drin. Die Nationalfarben sind nur versteckt: Sie sind leicht angedeutet und das finde ich ist eine sehr schöne Umsetzung: eben auch von dem Weiß ein bisschen weg zu gehen, ein bisschen mehr Dynamik durch das rote V reinzubringen ins Trikot.

Das Rot dominiert, das Schwarz und das Gold am Anfang und Ende des Brustbalkens fallen kaum auf.

Der Verlauf geht ja von Schwarz über Dunkelrot bis zum helleren Rot und dann unten endet das dann mit einem ganz feinen Gold. Und was ich in dem animierten Film des DFB auch gesehen habe: Auch im Seitenstreifen sind die Nationalfarben ganz fein drin, diese schwarz-rot-goldene Abstufung. Aber das ist natürlich ein Detail. Der, der es trägt, der sieht es. Von Weitem sticht aber eher der Rotverlauf, das V, die Dynamik ins Auge.

Das neue Trikot ist ein krasser Unterschied zum Auftritt bei der EM 2012. Damals verliefen die schwarz-rot-goldenen Streifen ja ganz dezent über die Brust der Spieler. Wie bewerten Sie den Schritt?

Das neue Trikot verspricht mehr Aktivität, mehr Dynamik. Es ist aber trotzdem noch typisch deutsch. Die Tradition mit der weißen Geschichte des Trikots ist gewahrt, aber die Designer haben einfach ein neues Element mit eingebracht. Das 2012er Trikot hat mit den feinen Schrägstreifen ja fast weiß gewirkt. Das war sehr zurückhaltend. Das neue Shirt für die WM 2014 hat einfach mehr Dynamik. Ich finde der Unterschied ist sichtbar, aber ich finde nicht, dass hier eine neue Ära anbricht.

Also doch keine Revolution?

Für mich nicht.

Und die grünen Rückennummern?

Auf dem Rücken noch mal eine weitere Farbe einzuführen, das finde ich zu viel.

Apropos Revolution: Jetzt sollen die Nationalspieler auch noch in weißen Hosen spielen. Was halten Sie davon?

Auch da finde ich: Es ist vertretbar. Es ist nicht mehr das, was wir immer hatten. Sonst gab es bis auf wenige Ausnahmen immer eine schwarz Hose, das Weiße ist wirklich neu. Es ist vielleicht noch etwas gewagter – je nachdem, wie oft die Spieler über den Rasen rutschen, aber den Dreck darf man ruhig sehen. Ich würde jetzt nicht die schwarze Hose präferieren, bloß, weil diese vielleicht den Schmutz besser verdeckt. Das Weiß ist einen Versuch wert.

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  • Die Schnittmenge zwischenSport und Kunst geht gegen Null. Das ist keine Geheimnis, das zeigt auch das neue Trikot.

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