Investor zahlt nicht
1860 München stürzt aus dem Profifußball

Sturz in die – mindestens – vierte Liga: Nach dem sportlichen Abstieg kann TSV 1860 München die Lizenzauflagen der DFL nicht erfüllen. Investor Hasan Ismaik hätte retten können, der Verein verweigerte die Bedingungen.
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MünchenSie haben gezittert, gebetet und die Hoffnung bis zuletzt nicht aufgegeben. Doch kurz nach halb vier an diesem schwülwarmen Freitagnachmittag ging für viele Fans des TSV 1860 München die Welt unter. Der Investor Hasan Ismaik teilte mit,  dass er eine dringend nötige Millionenzahlung verweigert. Die Löwen können die Lizenzauflagen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) damit nicht erfüllen und steigen in die Regionalliga ab.

Für die Anhänger des Traditionsvereins ist das der nächste schwere Schlag. Die Nerven lagen schon  nach dem enttäuschenden 0:2 am Montagabend gegen Regensburg blank. Durch die Heimniederlage in dem Relegationsspiel stieg  der Klub in die dritte Liga ab. Nun müssen die Löwen in die vierte Klasse.

Allerdings knüpfte BFV-Präsident Rainer Koch eine Eingliederung in die Regionalliga an Bedingungen. Ein Regionalligist müsse „rechtlich unabhängig“ sein, betonte Koch am Freitagabend. Er spielte damit auf offensichtliche Bestrebungen Ismaiks an, sich noch mehr Einfluss im Club zu sichern und die 50+1-Regel aufzuweichen.

Jene Regelung, nach der Stammvereine gegenüber Investoren stets die Entscheidungshoheit behalten müssen, sei auch im Amateurbereich in Bayern in Kraft. „Wir werden auf keinen Fall dulden, wenn eine Situation entsteht, dass der TSV 1860 München unter Druck gesetzt oder in eine Situation versetzt wird, dass führende Funktionäre von außen rechtlich beherrscht werden“, betonte Koch, der im Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Vizepräsident für Amateure zuständig ist.

1860 sei in der Regionalliga als zusätzliches 19. Team willkommen, sagte Koch. Allerdings müsse dazu erst ein Antrag gestellt werden, der vom Geschäftsführer zu unterschreiben ist.

1860 München steht in jedem Fall vor turbulenten Wochen. Der Klub muss seine Führungsetage komplett neu besetzen und sich eine neue Mannschaft suchen. Der erst im April angetretene Geschäftsführer Ian Ayre hatte bereits vor dem Anpfiff der entscheidenden Partie am Montag gekündigt und war denn auch gar nicht mehr in der Münchener Fußball-Arena mit dabei. Gleich nach dem Spiel kündigte auch Trainer Vitor Pereira seinen Abschied an. „Leider hat es nicht gereicht, die Ziele zu erreichen“, sagte der Portugiese. Sein Projekt in München erklärte der 48-Jährige kurzerhand für „gescheitert“. Damit nicht genug: Auch Präsident Peter Cassalette verkündete unmittelbar nach der Demütigung durch Regensburg seinen Rücktritt. Er wolle einem Neuanfang nicht im Weg stehen, ließ er mitteilen. Zudem verlassen wohl die meisten Spieler den Verein.

Investor Hasan Ismaik erklärte am Freitag, er werde auch in der Amateurliga dabei bleiben. Er hätte zehn Millionen locker machen müssen, um die Löwen im Profifußball zu halten. Das sei aus seiner Sicht aber nicht möglich gewesen, weil der Stammverein die von ihm geforderten strukturellen Änderungen nicht vornehmen wollte. Sein Problem: Er hat weit weniger Einfluss, als er gerne hätte. Im deutschen Fußball gilt die sogenannte '50+1'-Regel, die Klubs vor der Übernahme durch Investoren schützt. Daher darf er zwar zahlen, doch der Verein hat stets das letzte Wort.

Der Club hatte schon am Donnerstag erklärt, seine Statuten nicht zu Ismaiks Zufriedenheit ändern zu können. „Dass ich dazu gezwungen werde, eine solche Entscheidung zu treffen, macht mich traurig“, schrieb Ismaik und gab an, dass der Verein Steuerprobleme habe, die nicht angegangen würden. Seine „begründeten Forderungen“ seien „seit Monaten auf taube Ohren gestoßen“.

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