Investoren und Bundesliga-Klubs
Renditejagd im Profi-Fußball

Selbst kleine Beteiligungen an Bundesliga-Klubs sind heute schon attraktiv für Investoren. Branchenkenner rechnen damit, dass in Zukunft die 50+1-Regel fallen wird – und Beteiligungen noch lukrativer werden.
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DüsseldorfInvestoren bekommen in den nächsten Jahren mehr Möglichkeiten, sich an Profivereinen der 1. und 2. Bundesliga zu beteiligen. Davon gingen Experten auf dem Sportbusinesskongress Spobis in Düsseldorf aus.

Insbesondere die seit Jahren umstrittene 50+1-Regel werde in der Bundesliga in den nächsten Jahren fallen. Der Präsident von Hannover 96, Martin Kind, war sich darin mit dem Geschäftsführer von Werder Bremen, Klaus Filbry, einig. Auch Berater von Investoren und Vereinen wie Thomas Rudy von der Investmentbank Park Lane aus den USA und Matthias Lehleiter von der deutschen Finanzgruppe Berenberg gehen davon aus.

Die 50+1-Regel der Deutschen Fußball-Liga (DFL) beschränkt den Einfluss von Investoren im deutschen Fußball. Grundsätzlich müssen die Vereine die Kapitalmehrheit und damit das sportliche Sagen im Klub behalten. Ein Investor darf sie – im Gegensatz zu den Regeln in England zum Beispiel – nicht bekommen. Allerdings sind in Deutschland einige Ausnahmen davon wegen der historischen Entwicklung bereits erlaubt worden, etwa bei den beiden Werksvereinen Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg.

Der Unternehmer Kind ist seit langem ein Befürworter davon, die Bundesliga stärker für Investoren zu öffnen. Der Präsident des aktuellen Zweitligisten Hannover 96 plädierte in Düsseldorf dafür, zu einer offenen und ehrlichen Kultur im Umgang mit Investoren zu finden. Der DFL rät er, selbst aktiv zu werden und neue Regeln für den Einfluss von Investoren aufzustellen. Wenn dies nicht geschehe, werde über kurz oder lang ein Gericht das Thema entscheiden. Nach allen Gutachten, die er kenne, werde die Hürde dann ohne Einschränkung fallen. Sich von Richtern die Regeln diktieren zu lassen, könne aber nicht im Interesse der Bundesliga sein. „Wir dürfen das Produkt Fußball über Investoren nicht beschädigen“, sagte Kind. Entscheidend sei: Kein Verein müsse die Mehrheit der Anteile abgeben, aber wenn es einer wolle, dann müssten die Rahmenbedingungen dafür vernünftig sein.

Das sehen selbst Manager so, die ihre Klubs gar nicht so weit öffnen wollen. Der Geschäftsführer von Werder Bremen, Klaus Filbry schließt für seinen Verein zwar aus, dass ein Investor die Mehrheit bekommt. Er plädierte jedoch auch dafür, die 50+1-Regel aktiv zu gestalten als dies einem Richter zu überlassen. „Das Thema läuft rasant auf uns zu“, sagte er. In den nächsten drei bis fünf Jahren werde die Hürde fallen. Für Kapitalanleger, die heute bereits darauf setzen und sich in Bundesliga-Vereine einkaufen, könnte dies ein gutes Geschäft werden. Filbry: „Wenn 50+1 fällt, ist das für einen strategischen Investor wie ein erschlossenes Baugrundstück, das mit Gewinn weiter verkauft werden kann.“

Um welche Summen es dabei geht? Filbry erklärte es am Beispiel Werder Bremen. Den aktuellen Wert bezifferte er auf 250 bis 300 Millionen Euro. Das entspricht in etwa dem Zwei- bis Dreifachen des Umsatzes. Wer also zehn Prozent von Werder kaufen wolle, müsste wohl 25 bis 30 Millionen Euro aufwenden – mit der Aussicht, in einigen Jahren ein Vielfaches dieser Summe herauszubekommen.

Die Voraussetzungen: Die Investorenhürde müsste fallen und Werder Bremen sollte in der Bundesliga bleiben und weiter so wirtschaftlich solide arbeiten wie in den letzten Jahren. Dabei weiß Filbry genau: „In unserer Branche kann man keine Renditeversprechen machen. Unser Kerngeschäft ist es, Tore zu erzielen.“ Gleichwohl zeigte er sich offen gegenüber Investoren. „Wir sind derzeit in einer stabilen Situation und führen Gespräche mit Investoren entspannt.“ Was heißt: Wenn es passt, würde der Klub Anteile an Anleger abgeben.

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