Italien 1990
Die Einsamkeit des „Kaisers“

Erstmals in der 60-jährigen WM-Geschichte trafen zwei Länder zum zweiten Mal im Finale aufeinander: Argentinien und Deutschland in der Neuauflage des Endspiels von 1986.

dpa HAMBURG. Im Halbdunkel des Olympiastadions von Rom schlendert ein Mann in eleganter Clubjacke, die Hände tief in der Hosentasche vergraben, mutterseelenallein über den Rasen. Fernab seiner feiernden Spieler ließ Franz Beckenbauer die Fußball-WM 1990 und den dank Andreas Brehmes Strafstoß hart erkämpften 1:0-Finalsieg gegen Argentinien Revue passieren. Der "Kaiser" war zum zweiten Mal gekrönt worden. Weltmeister als Spieler (1974) und jetzt als Teamchef - das hatte zuvor nur Brasiliens Mario Zagallo geschafft.

Als Endspielgegner der Deutschen hatten viele mit Gastgeber Italien gerechnet. Doch die Azzurri ärgerten ihre Tifosi mit einer Halbfinal- Pleite gegen Argentinien. Erstmals in der 60-jährigen WM-Geschichte trafen damit zwei Länder zum zweiten Mal im Finale aufeinander: Argentinien und Deutschland in der Neuauflage des 86er Finals. Und Beckenbauer war sicher: "Jetzt sind wir dran."

Sicher waren sich auch 97,2 Prozent der Bundesbürger. Ohne vier Gelb-gesperrte Stammspieler gelang den Südamerikanern in den 90 Endspiel-Minuten nichts. Diego Armando Maradona, vier Jahre zuvor noch gefeierter Superstar, blieb gegen Guido Buchwald zweiter Sieger und vergoss Krokodilstränen. Brehmes Tor fünf Minuten vor Schluss war ein Geschenk. Rudi Völler fiel im Strafraum, der Pfiff war "eine Konzessionsentscheidung", wie Pierre Littbarski treffend beschrieb.

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