Italien
Auch Inter Mailand im Sog des Skandals

FIFA-Boss Joseph S. Blatter hat zutiefst verärgert und besorgt auf den Manipulationsskandal im italienischen Fußball reagiert. Tag für Tag schrecken neue Enthüllungen die Öffentlichkeit auf dem Apennin auf. Neben Juventus Turin geriet nun ein zweiter Verein in den Sog des Skandals.

HB TURIN/MAILAND. „Was in Italien geschieht, ist der größte Skandal der Fußball-Geschichte. Wenn es so etwas in Afrika gegeben hätte, würde ich das noch verstehen. Aber in Italien, wo Fußball eine Religion ist, finde ich das unbegreiflich“, sagte der Schweizer Chef des Weltverbandes FIFA dem Corriere dello Sport. Im Gespräch mit der Gazzetta dello Sport fürchtete Blatter zudem um das Ansehen des Fußballs durch die Affäre: „Das ist schrecklich, besonders für das Image des Fußballs.“

Zumal Tag für Tag neue Enthüllungen die Öffentlichkeit auf dem Apennin aufschrecken. Am Wochenende geriet auch Inter Mailand in den Sog des Skandals: Inter-Boss Giacinto Facchetti erhielt verbotenerweise bereits weit vor der offiziellen Ansetzung von Schiedsrichtern für Champions-League-Spiele der Lombarden Informationen. Das geht aus abgehörten Telefonaten zwischen Facchetti und Italiens inzwischen abgesetztem Schiedsrichter-Koordinator Pierluigi Pairetto hervor.

Pairetto unterrichtete Facchetti vor den Gruppenspielen der Saison 2004/2005 gegen den FC Valencia und den RSC Anderlecht über die Namen der angesetzten Unparteiischen. So wusste Inters Chef schon vier Wochen vor dem Duell mit den Spaniern, dass der Schweizer Urs Meier vorgesehen war. Zwei Wochen vor dem Duell mit Anderlecht gab Pairetto den Namen des Griechen Kyros Vassaras als Schiedsrichter preis. Normalerweise erfahren die Klubs erst 48 Stunden vor den Spielen die Namen der Unparteiischen. Unterdessen scheint Italiens Nationaltrainer Marcello Lippi den Verdacht seiner Verstrickung in den Skandal ausgeräumt zu haben. Der Coach konnte Berichten italienischer Medien zufolge bei seiner Vernehmung durch die römische Staatsanwaltschaft entsprechende Vorwürfe offenbar entkräften.

Im Zentrum des Skandals um Spielmanipulationen, Schiedsrichterbestechung, Nominierungsabsprachen und illegale Finanzpraktiken steht der inzwischen bei Juventus Turin zurückgetretene Sportdirektor Luciano Moggi. Lippi war vorgeworfen worden, auf Moggis Druck Spieler aus der Agentur von Moggi-Sohn Alessandro in die „Squadra Azzurra“ berufen haben, um den Wert der Profis zu steigern. „Wir haben viele Punkte geklärt“, sagte Lippi nach seinem rund zweistündigen Verhör. Die Mailänder Börsenaufsicht kündigte in der Zwischenzeit für die kommende Woche Bilanzprüfungen der börsennotierten Fußball-Klubs an. Betroffen davon sind neben Juventus auch die beiden Römer Klubs Lazio und AS. Beim personellen Neuanfang im Lager von Meister Turin, dem aufgrund von Moggis angeblichen Machenschaften sogar der Zwangsabstieg in die Serie B droht, soll der AS Roms Ex-Sportdirektor Franco Baldini die Nachfolge von Moggi antreten. Juventus hat Baldini ein Angebot zur sofortigen Übernahme des Manager-Postens gemacht. Baldini galt stets als einer der schärfsten Moggi-Kritiker.

Ex-Nationalspieler Oliver Bierhoff sieht sich im Nachhinein als ein Benachteiligter in Italiens Fußball-Skandal um Juventus Turin. Er habe vor Jahren in einem Meisterschaftsspiel in Turin ein reguläres Tor für Udinese Calcio erzielt, das allerdings nicht anerkannt worden war. Der Ball sei 20 Zentimeter hinter der Linie gewesen, sagte Bierhoff am Sonntag in Genf rückblickend auf seine Karriere in Italien: „Man hatte damals als Spieler bei einem kleinen Verein immer das Gefühl, dass es nicht ganz sauber läuft.“

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