Italien hat keine Angst vor Deutschland
Schewtschenkos Abschied und Buffons Kampfabsage

Während Italiens Weltklassekeeper Gianluigi Buffon schon einmal eine Kampfansage in Richtung Halbfinalgegner Deutschland schickte, während sich Andrej Schewtschenko endgültig "aus Italien" verabschiedete.

Das "neue" Deutschland flößt der alten Großmacht Italien keine Angst ein. "Wir sind kein leichtes Opfer für die Deutschen. Wir haben auch keine Furcht vor der Atmosphäre in Dortmund, sowas sind wir gewöhnt", tönte Torhüter Gianluigi Buffon mit breitem Grinsen. Der 3:0 (1:0)-Sieg im Viertelfinale in Hamburg gegen dem Debütanten Ukraine war da schon keine Kommentierung mehr wert.

Vorfreude auch bei Trainer Marcello Lippi vor dem traditionsreichen Duell in der Vorschlussrunde am Dienstag (21.00 Uhr): "Natürlich ist das ein schwerer Gegner, aber auch wir werden für die Deutschen ein schwerer Gegner sein." Die Statistik ist ohnehin auf seiner Seite: Noch nie hat die DFB-Auswahl die "Squadra Azzurra" bei einer Welt- oder Europameisterschaft bezwungen, die Niederlagen im Halbfinale 1970 in Mexiko (3:4 nach Verlängerung) und im Endspiel 1982 in Spanien (1:3) sind legendär.

Lippi kann sich kaum vorstellen, dass diese italienische Erfolgsgeschichte nun zu Ende gehen soll: "Ich habe erstklassige Spieler auf dem Platz, wahre Champions. Auf diese Mannschaft und ihren Teamspirit kann man nur stolz sein."

"Pessottino, wir sind bei dir"

Besonders viel Kraft und Motivation schöpfen die Italiener aus dem Bangen um den nach einem Selbstmordversuch weiterhin in Lebensgefahr schwebenden Gianluca Pessotto, Generalmanager beim in den Manipulationsskandal verwickelten Rekordmeister Juventus Turin. "Pessottino, wir sind bei dir", stand auf einem Transparent, mit dem Buffon und Spielführer Fabio Cannavaro nach dem Schlusspfiff zur italienischen Fankurve liefen und dafür donnernden Applaus ernteten.

Der Weltmeister von 1934, 1938 und 1982 könnte genau zum richtigen Zeitpunkt in Form gekommen sein, dafür lieferte Lippis Truppe in der Partie gegen den WM-Neuling neue und überzeugende Argumente. Auch ohne den wegen Leistenbeschwerden pausierenden Alessandro Nesta stand die Deckung bemerkenswert stabil, die Raumaufteilung im Mittelfeld stimmte und mit zwei Treffern in der 59. und 69. Minute überwand auch Torjäger Luca Toni seine Ladehemmung.

"Ich wusste, irgendwann trifft er wieder."

"Natürlich geht es nicht einfach so an einem vorbei, wenn man in der Öffentlichkeit kritisiert wird. Deswegen widme ich meine Tore den Menschen, die immer an mich geglaubt haben", sagte der Florentiner Stürmer mit viel Pathos in der Stimme. Lippi durfte sich also durchaus angesprochen fühlen, denn er hat nach eigenem Bekunden sein Vertrauen in den 29-Jährigen nie verloren: "Ich wusste, irgendwann trifft er wieder."

Dass die WM-Gastgeber allerdings nicht mehr mit dem Team zu vergleichen sind, das im März in Florenz mit 1:4 unter die Räder kam, dessen ist sich auch Kapitän Cannavaro vollauf bewusst: "Die Karten werden neu gemischt, dieses Ergebnis zählt nichts mehr."

Zu neuen Ufern bricht ab sofort auch Andrej Schewtschenko auf. Erneut mit Abstand der auffälligste Spieler beim WM-Neuling, konnte der 29-Jährige die Niederlage, die Gianluca Zambrotta mit einem frühen Tor für Italien in der 6. Minute eingeleitet hatte, nicht verhindern. Er verlässt nach sieben erfolgreichen Jahren den AC Mailand und wechselt zum englischen Meister Chelsea London.

"Die Italiener kannten mich und meine Spielweise natürlich sehr gut"

"Die Italiener kannten mich und meine Spielweise natürlich sehr gut. Aber wenn wir schon ausscheiden, dann am liebsten gegen meine italienischen Freunde", erklärte der Stürmerstar und winkte noch lange nach dem Schlusspfiff den Tifosi zu. Etwa die Hälfte der 50 000 Zuschauer im ausverkauften WM-Stadion Hamburg freute sich mächtig darüber und ließen den Ukrainer in Sprechchören hochleben.

Ein warmer Empfang ist aber auch Trainer Oleg Blochin und seinem Team in der Heimat gewiss. "Wir sind bei dieser WM weiter gekommen als so manche große Fußball-Nation, vor der Zukunft muss uns deshalb auch nicht bange sein", formulierte der einstige Star von Dynamo Kiew, ohne dabei die höher eingeschätzen Teams von Spanien, den Niederlanden oder Tschechien namentlich zu erwähnen.

© SID

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