Italien
Spieler-Rebellion verschärft Krise des Fußballs

Der italienische Fußball kommt nicht zur Ruhe: Seit dem WM-Titel 2006 wird der Calcio durch Korruption und Gewalt überschattet. Nun sorgt der Spielerstreik für Bestürzung.

Korruption, Manipulation, Gewalt - nun treten die Stars auch noch in den Streik. Seit dem Gewinn des vierten Weltmeistertitels 2006 geht es im italienischen Fußball weiter drunter und drüber. Liga-Präsident Maurizio Beretta verurteilte am Mittwoch den für den 16. Spieltag am 11. und 12. Dezember beschlossenen Ausstand als "unverantwortlich" und "unbegründet". Er warf den Profis vor, in den Verhandlungen um einen neuen Kollektiv-Vertrag jeglichen vernünftigen Vermittlungsvorschlag abgelehnt zu haben.

Die Spielergewerkschaft AIC habe sich geweigert, den Verbandspräsidenten und Vermittler Giancarlo Abete auch nur anzuhören. Auch der Präsident von Italiens Olympischem Komitee (Coni), Gianni Petrucci, verurteilte den Streik als "arrogante Einschüchterungsaktion" der Liga den Vereinen gegenüber. "Dieser Streik bezeugt, dass die Spieler die schwierige Wirtschaftssituation in Italien ignorieren und dass ihnen die Zukunft des italienischen Fußballs nicht am Herzen liegt", sagte Petrucci.

Die Profis in der Serie A rebellieren im Ringen um den Kollektiv-Vertrag gegen die Vereine, die mit einer neuen Klausel Spielerverkäufe in Zukunft auch gegen den Willen der betroffenen Fußballer möglich machen wollen. Die Klubs könnten die Fußballer laut Vertragsentwurf zudem dazu zwingen, sich bei den Klub-Ärzten behandeln zu lassen und damit die freie Wahl des Mediziners abschaffen. Außerdem sollen die Spieler dazu angehalten werden, einen korrekten Lebensstil zu führen. Ansonsten drohen empfindliche Strafen. Zudem sollen die Gehälter stärker an die Leistungen der Mannschaft gebunden werden. Die Klubs wollen auch Artikel sieben des alten Kollektivvertrags streichen, nach dem die ganze Mannschaft zusammen trainieren muss. Die Topklubs drängen auf getrennte Trainingsgruppen, in denen die Spieler nach der Häufigkeit ihrer Einsätze aufgeteilt werden.

Hoffnung auf schnelle Einigung gering

Der letzte Versuch einer Schlichtung war für den Mittwochabend beim Coni anberaumt. Angesichts der unnachgiebigen Haltung der Spielergewerkschaft sind die Hoffnungen, dass der Streik doch noch abgewendet wird, eher gering. Die Profis hatten bereits im Sommer für Ende September einen Spielerstreik angekündigt. Kurz vor dem Streiktermin einigten sich beide Parteien auf eine Aussetzung der Protestaktion bis 30. November. In den bisherigen Verhandlungsrunden zeigten sich die Vereine jedoch nicht kompromissbereit.

Einen Fußballerstreik hat es in Italien schon gegeben. Am 17. März 1996, als der Protest um das sogenannte Bosman-Urteil tobte, legten die italienischen Fußballer die Arbeit nieder. Seinerzeit ging es aber auch um andere heikle Themen wie die Pension der Fußballer, die finanzielle Lage mehrerer Klubs und um Pläne zur Streichung der Serie C2.

© SID

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