Italienische Serie A: Schuldenberg der Fußballklubs wächst nahezu ungebremst

Italienische Serie A
Schuldenberg der Fußballklubs wächst nahezu ungebremst

Italiens Fußball spielt weiter hohe Verluste ein: Insgesamt haben die italienischen Topliga-Vereine in der vergangenen Saison 193 Millionen Euro Miese gemacht, wie die Sportzeitung "Gazzetta dello Sport" ausrechnet. Nur vier Klubs der Serie A schrieben 2009/2010 schwarze Zahlen. Der Grund: Hohen Spieler-Gagen stehen geringe Ticketverkäufe und zu wenig Einnahmen aus dem Merchandising-Geschäft gegenüber. Und Besserung ist nicht in Sicht.
  • 0

MailandS

Der AC Florenz, der dem Besitzer des Edelschuhherstellers Tod's, Diego della Valle, gehört, hat mit 4,4 Millionen Euro am meisten verdient. Danach kommen Catania Calcio mit 2,5 Millionen Euro, der im vergangenen Sommer in die zweite Liga abgestiegene AS Livorno mit 1,8 Millionen Euro und der SSC Neapel mit immerhin 300.000 Euro. Die großen klangvollen Namen wie Inter Mailand oder AC Mailand oder auch der AS Rom - sie alle machen Verluste.

Der Fehler steckt zum Teil im System. In Italien haben sich vor allem Unternehmer Fußballvereine mehr als Statussymbol zugelegt denn zum Geldverdienen. Dem Medienunternehmer und Premier Silvio Berlusconi gehört der AC Mailand, der ihm in der Vergangenheit auch politischen Konsens gebracht hat. Der Tankstellen-Milliardär Massimo Moratti kontrolliert den Konkurrenten Inter Mailand. An Juventus ist die Fiat-Familie Agnelli beteiligt. Sie zahlen hohe Gagen - egal, ob es sich rechnet. Die Personalkosten der italienischen Serie-A-Clubs liegen laut Gazzetta dello Sport bei 68 Prozent des Gesamtetats. Zum Vergleich: In der Bundesliga sind es gerade einmal 51 Prozent.

Hinzu kommt, dass die Vereine in Italien die Stadien nicht selbst betreiben und ihnen damit eine wichtige Einnahmequelle fehlt. Nur Juventus Turin baut derzeit ein eigenes Stadion. Und beim Merchandising-Geschäft mit Trikots und Geschenkartikeln mit dem Club-Logo haben Italiens Vereine stärker als in anderen Ländern mit Billig-Imitaten zu kämpfen.

Mit 193,5 Millionen Euro Verlust hat sich das Ergebnis der Serie A zwar gegenüber der Vorsaison etwas gebessert, als die Clubs insgesamt 200 Millionen Euro verloren haben. Aber zwischen 2001 und heute haben die Vereine Schulden von 2,4 Milliarden Euro angehäuft.

Das dürfte wohl kaum der Idee des finanziellen Fair Play als Kriterium für die Zukunft entsprechen, das der gerade wiedergewählte Uefa-Präsident Michele Platini für das Wirtschaften der Clubs propagiert.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Italienische Serie A: Schuldenberg der Fußballklubs wächst nahezu ungebremst"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%