Italienischer Fußball
Trennt sich Berlusconi vom AC Mailand?

Verkauft er oder verkauft er nicht? Silvio Berlusconi steht wieder im Mittelpunkt. Aber nicht wegen seiner Prozesse, Sexskandale oder der Forza Italia. Diesmal geht es um den möglichen Verkauf seines Klubs AC Mailand.
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MailandDie Nachricht kommt aus amerikanischer Quelle: Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, Berlusconis Familienholding Fininvest habe bereits die Investmentbank Lazard damit beauftragt, einen Käufer für seinen Verein, den AC Mailand, zu finden. Lazard habe danach bereits potenzielle Interessenten kontaktiert.

Der mögliche Verkauf käme nur einige Monate nachdem der heimische Konkurrenz-Klub Inter Mailand bereits den Besitzer gewechselt hat: Der italienische Öl-Unternehmer Massimo Moratti hat die Mehrheit der Anteile an Inter im vergangenen Jahr an den indonesischen Medienunternehmer Erick Thohir abgegeben.

Diesmal dementiert jedoch der Verein die Gerüchte. Und auch der 77-jährige Ex-Regierungschef stellte klar: „Ich möchte allen Milan-Fans versichern, dass ich keine Pläne habe, den Klub zu verkaufen.“

Aber glaubt man Berlusconi? Die Gazzetta dello Sport – die viel gelesene Sport-Tageszeitung Italiens – weist darauf hin, dass von Lazard selbst nur „ein verschämtes Schweigen“ kommt. Die französische Investmentbank mit seiner starken Präsenz in Italien, hatte zuletzt auch den Deal zwischen Erick Thohir und Inter Mailand eingefädelt.

Grund für die Verkaufsgerüchte im italienischen Fußball ist auch die desaströse finanzielle Lage der Vereine. Auch Berlusconis AC Mailand fährt seit Jahren Verluste ein. Vor allem bei den Kindern, die heute mit im Management sitzen, hat das bereits zu heißen Diskussionen geführt. Die Tochter aus erster Ehe Marina ist Präsidentin von Fininvest. Barbara, die älteste aus zweiter Ehe, sitzt als Co-Vorstandsvorsitzende im Board des AC Mailand. Die Kinder haben wohl ernsthaft über einen Ausstieg nachgedacht.

Laut einer Schätzung der US-Zeitschrift Forbes ist der AC Mailand 945 Millionen Dollar wert. Eine Milliarde ist auch die Summe, die Silvio Berlusconi vor zwei Jahren genannt hat, allerdings in Euro.

Berlusconi hatte den Verein 1986 übernommen. Der AC Mailand hatte ursprünglich im Gegensatz zu dem eher bürgerlichen Inter Mailand vor allem in den unteren Schichten seine Fans. Als er in den 90er Jahren in die Politik eintrat, half ihm dieses Investment auch im Wahlkampf.

Die Fans verehrten ihn und jedes Tor brachte ihn in den Umfragen ein Stück vorwärts. Auch im letzten Wahlkampf vor einem Jahr kaufte er aller Spargelübde zum Trotz den WM-Star Mario Balotelli ein. Nach Meinungsforschern hat ihm das einen Punkt in den Umfragen gebracht.

Obwohl Berlusconi viel Geld in den Verein steckt, brachte ihm der Klub zuletzt wenig Freude: Der 18-malige Meister unter dem neuen Trainer Clarence Seedorf enttäuscht bisher seine Fans. In der Serie A – der italienischen ersten Bundesliga – liegt nur auf Rang zehn und hat 23 Punkte Rückstand auf einen direkten Champions-League-Platz.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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