Jack Warner
FIFA sperrt Ex-Vizepräsident lebenslang

Die Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes hat den ehemaligen FIFA-Vizepräsidenten Jack Warner scharf verurteilt. Als Grund wird Bereicherung angegeben. Die Entscheidung fiel unter dem Vorsitz eines deutschen Richters.

ZürichDie Ethikkommission des Fußball-Weltverbands FIFA hat Skandal-Schlüsselfigur Jack Warner (72) lebenslang gesperrt. Der frühere FIFA-Vizepräsident aus Trinidad und Tobago habe in seiner Zeit als Funktionär eine Hauptrolle beim Anbieten, Annehmen und Akzeptieren von illegalen Zahlungen gespielt. Das teilte die Ethikkommission am Dienstag mit.

„Jack Warner verübte fortwährend und wiederholt verschiedene Vergehen, während er bei der FIFA und der CONCACAF als Funktionär verschiedene hochrangige und einflussreiche Ämter bekleidete“, hieß es in der Stellungnahme. Der frühere Chef der Karibischen Fußball-Union sei „ein Drahtzieher von Systemen, die die Gewährung, Annahme und den Empfang verdeckter und illegaler Zahlungen beinhalteten, sowie anderer Systeme zur Bereicherung“ gewesen.

Die Entscheidung, die durch den deutschen Richter Hans-Joachim Eckert (München) als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer verkündet wurde, sei auf Basis der Untersuchungen der WM-Vergaben 2018 (Russland) und 2022 (Katar) erfolgt. Chefermittler Cornel Borbély ermittelte seit Januar 2015 gegen den früheren Präsidenten des Kontinentalverbandes CONCACAF (Nord- und Mittelamerika sowie Karibik), der in seinem Heimatland derzeit gegen eine Auslieferung in die USA kämpft.

Warner gehört dort zu den angezeigten FIFA-Funktionären, denen ein Strafverfahren droht. „Herr Warner hat kontinuierlich viele und verschiedene Verfehlungen begangen“, teilte die Kommission mit. Warners Name tauchte auch in der Strafanzeige gegen FIFA-Präsident Joseph S. Blatter auf. Dem Schweizer wird vorgeworfen mit Warner, damals Präsident des karibischen Verbandes KFU, im Jahr 2005 einen für die FIFA ungünstigen Vertrag abgeschlossen zu haben.

In einem offenen Brief hatte Brasiliens Fußball-Idol Zico zuvor die „Sittenwächter“ des Weltverbandes zu einer sofortigen Stellungnahme nach der Eröffnung eines Strafverfahrens gegen FIFA-Boss Joseph S. Blatter aufgefordert. „Die FIFA-Ethikkommission darf sich jetzt nicht aus der Verantwortung ziehen“, schrieb der 62-Jährige, der Blatter im kommenden Februar auf dem Chefsessel beerben will, in seinem Facebook-Profil.

Das von der Schweizer Bundesanwaltschaft am vergangenen Donnerstag eröffnete Verfahren gegen Blatter wegen des „Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie - eventualiter - wegen Veruntreuung“ erfordere laut Zico „umgehende Klarstellungen“. Zumal auch UEFA-Präsident Michel Platini, der ebenfalls den obersten Posten beim Weltverband anstrebt, wegen der Annahme einer ominösen Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken durch die FIFA ins Zwielicht geraten sei.

Zico erinnerte an den Fall der FIFA-Exekutivmitglieder Jack Warner und Mohammed Bin Hammam, die wegen angeblicher Verstöße gegen den Ethikcode im Mai 2011 im Schnellverfahren wenige Tage vor der damaligen Wiederwahl Blatters von der Kommission suspendiert worden seien, und das „ohne jedweden Impuls durch staatliche Autoritäten“.

Der „weiße Pelé“, der auf der Suche nach der für die Kandidatur benötigten Unterstützung durch fünf Landesverbände bislang nur vom Heimatverband CBF ein vages Versprechen erhielt, zeigt deshalb Unverständnis für das zögerliche Verhalten der Ethikkommission im Fall Blatter und fordert „viel Transparenz“ und die „Offenlegung des Vorgehens“.

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