Japans Nationaltrainer Zico kann heute beim Confed Cup sein Heimatland Brasilien aus dem Turnier werfen
Pragmatischer Ästhet

Zico, der brasilianische Trainer der Japaner, kann heute Abend seine Landsleute nach Hause schicken. Auf die Katastrophe, die er damit beim fünfmaligen Weltmeister auslösen würde, kann er selbstverständlich keine Rücksicht nehmen.

KÖLN. Eigentlich ist es ein gutes Zeichen, wenn man einer Mannschaft nachsagt, dass der Einfluss ihres Trainers deutlich zu erkennen sei. Bei der japanischen Fußball-Nationalmannschaft und ihrem brasilianischen Trainer Zico ist das jedoch ein zweifelhaftes Lob. Am Sonntag, im Duell mit dem Europameister Griechenland, spielte die Mannschaft einen wunderbaren Fußball, taktisch klug, schnell und direkt durchs Mittelfeld. Doch wann immer die Japaner dem Tor der Griechen nahe kamen, überfiel sie eine seltsame Form der Hektik. Ihre zwölf Chancen reichten für gerade ein Tor.

Mit dem Spieler Zico hat es sich früher ähnlich verhalten: Bei ihm besaß die Ästhetik immer Vorrang vor der Effizienz. In den frühen Achtzigerjahren galt Zico neben Maradona als bester Mittelfeldspieler der Welt, "der weiße Pelé" wurde er genannt, doch den Traum, die Selecao zum WM-Titel zu führen, hat er sich und seinen Landsleuten nie erfüllen können. Das beste Ergebnis war Platz drei bei der WM 1978. 1982 scheiterte die Mannschaft in der Zwischenrunde überraschend am späteren Weltmeister Italien, und 1986 verlor sie im Viertelfinale gegen Frankreich - nach Elfmeterschießen. "Zico gehört zu einer Generation der Verlierer", hat Romario einmal gesagt. Eigentlich ist das untertrieben: Zico ist die Symbolfigur dieser verlorenen Generation.

Wenn er heute (20.45 Uhr) mit Japan auf Brasiliens Nationalmannschaft trifft, geht es nicht nur um den Einzug ins Halbfinale des Confed-Cups. Zico spielt auch gegen seine Vergangenheit. Gewinnt Japan, muss Brasilien nach Hause fliegen. Der 52-Jährige ist in diesen Tagen nach seiner persönlichen Befindlichkeit angesichts dieses Duells befragt worden. Nach der Übersetzung vom Portugiesischen über das Japanische ins Deutsche blieb von seiner Antwort wenig Substanzielles übrig: "Das Gefühl, jetzt japanischer Trainer zu sein, ist sehr stark. Auf meine Landsleute kann ich keine Rücksicht nehmen."

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