Jedes Spiel hat aber auch Verlierer
Die Gewinner der WM

Die Fußball-WM 2006 ist eine Wachstumspille für die deutsche Wirtschaft. Das größte Sportereignis, das das Land je gesehen hat, schafft zenhtausende Jobs. Unternehmen von der Telekom bis zur Spedition Schenker, von Karstadt-Quelle bis Adidas können mit blendenden Geschäften rechnen.
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DÜSSELDORF. Für blühende Landschaften ist diesmal Marlies Kloten zuständig: Die Revierstadt Dortmund möchte sich zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in üppiger Blumenpracht präsentieren, neue Anlagen sollen entstehen - dafür soll die Landschaftsarchitektin sorgen. Seit einem Jahr ist sie beim "Regiebetrieb Stadtgrün" angestellt: Die 32-Jährige plant gerade, wie das Dortmunder Zentrum im Sommer 2006 aussehen könnte: ein riesiger Rasenteppich in der Fußgängerzone, eine Stadionfassade gegenüber dem Hauptbahnhof und große, zerknautschte Fußbälle, die sich bei näherem Hinsehen als Parkbänke herausstellen - alles ist denkbar.

Klotens neuer Job ist nur einer von schätzungsweise 27 000 Arbeitsplätzen, die durch die Fußball-WM 2006 geschaffen werden. Die Zahl hat Markus Kurscheidt, Sportökonom an der Ruhr Bochum, -Universität in der bisher ausführlichsten Studie über die wirtschaftlichen Effekte der WM ausgerechnet: Neue Jobs werden etwa in Hotels, auf den Baustellen rund um die Stadien und bei Sicherheitsdiensten entstehen.

Der Fußball als Wachstumspille für Konjunktur und Unternehmen in Deutschland: Die Spiele vom 9. Juni bis 9. Juli 2006 könnten in der kollektiven Depression über Massenarbeitslosigkeit, lähmende Bürokratie und hohe Steuerlast wie ein Stimmungsaufheller wirken. Bereits in diesem Jahr - etwa durch Investitionen in Stadien und Straßen - dürfte die Fußball-WM für ein Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozentpunkte sorgen, schätzt Sportökonom Kurscheidt. Kein schlechter Wert - denn die Prognosen gehen für die gesamte Konjunktur schließlich nur von etwa einem Prozent Zuwachs aus. Bis zum Jahre 2010 soll die Fußball-WM das Bruttoinlandsprodukt um acht Milliarden Euro erhöhen: Die Investitionen, die neuen Jobs, vielleicht auch die wieder erwachte Lust am Konsum sollen auch über 2006 hinaus noch für Schwung in der Wirtschaft sorgen.

Der wirtschaftliche Höhepunkt ist Mitte nächsten Jahres erreicht: Dann werden zudem eine Million ausländische Touristen im Land erwartet - und sorgen, gemeinsam mit den Deutschen, für höhere Umsätze bei Gastronomen und Einzelhändlern. Auch Hersteller von Fernsehern und Kartoffelchips, Unternehmen wie Adidas, Deutsche Telekom, Karstadt-Quelle, die Spedition Schenker, der Medienkonzern Bertelsmann, der vom WM-Kalender bis zum WM-Buch alles zum Thema druckt, der Plakatwerber Ströer oder der börsennotierte Vermarkter der WM-Tickets, CTS Eventim - sie alle können sich Umsatz- und Auftragszuwächse durch die WM ausrechnen; meist in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe.

Vom Geldsegen - und einem langanhaltenden Imagegewinn - werden auch die zwölf WM-Städte profitieren. Wenn nicht gerade Terroristen Anschläge verüben, Hooligans die Innenstädte verwüsten oder weltwirtschaftliche Krisen heraufziehen, dürfte die WM auf jeden Fall ein wirtschaftlicher Erfolg werden. Wenn alles gut geht, bleibe nach Abzug der Kosten ein Wohlfahrtsgewinn von 3,4 Milliarden Euro, verteilt auf acht Jahre, übrig, schätzt Sportökonom Kurscheidt.

Freilich werden auch manche draufzahlen: Schon jetzt ist etwa klar, dass ARD und ZDF die 230 Millionen Euro, die sie für die Übertragungsrechte bezahlt haben, nicht refinanzieren können. ARD-Programmchef Günter Struve freut sich trotzdem auf die WM. Mit seiner siebenjährigen Enkelin, die in Kalifornien bei den Palo Alto Blue Devils kickt, will er beim Eröffnungsspiel in München auf der Tribüne sitzen: "Fußball ist das Faszinosum überhaupt. Wenn die deutsche Mannschaft sich vorkämpft bis in die Finalspiele, dann kann die WM zu einer Initialzündung für mehr Optimismus in Deutschland werden."

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