Jérôme Valcke
Warum die Fifa ihren Generalsekretär rausschmiss

Der Fifa-Skandal erreicht eine neue Dimension: Nun steht Spitzenmanager Jérôme Valcke unter Korruptionsverdacht. Die Fifa reagiert ungewohnt schnell und suspendiert den Franzosen. Denn der Fall hat eine Vorgeschichte.

ZürichDie Fifa kommt nicht zur Ruhe. Ging es bisher um Korruptionsvorwürfe gegen Fußballfunktionäre aus den Konföderationen, die im Fifa-Exekutiv-Komitee sitzen, treffen nun neue Vorwürfe die Fifa-Spitze: Genauer gesagt Jérôme Valcke, den festangestellten Generalsekretär und damit die offizielle Nummer zwei der Fifa. Er ist der engste Mitarbeiter von Fifa-Präsident Sepp Blatter.

Jérôme Valcke saß gerade im Privatjet Richtung Moskau, um beim 1000-Tage Countdown für die WM in Russland dabei zu sein. Doch mitten im Flug befahl er dem Piloten die Rückkehr: In Zürich sollte Valcke seine sofortige Freistellung entgegen nehmen.

Die Medien wurden um halb zehn Donnerstagabend informiert: „Mit sofortiger Wirkung“ suspendiert die Fifa Valcke von seinen Aufgaben. Die Fifa habe „von einer Reihe von Vorwürfen Kenntnis erhalten, die den Generalsekretär betreffen“, heißt es zur Begründung nur. Auch auf Nachfrage ist nicht mehr in Erfahrung zu bringen. Die Fifa-Ethik-Kommission hat Ermittlungen aufgenommen.

Am gleichen Tag hatten Vertreter der Züricher Sportrechte-Agentur JB Sports Marketing gegenüber Medienvertretern schwere Vorwürfe gegen Valcke erhoben. Der Franzose soll im komplexen System der Vermarktung von WM-Tickets versucht haben, sich persönlich zu bereichern. Valckes Anwalt in New York, Barry Berke, widersprach sofort: Die Vorwürfe seien „frei erfunden“ und „ungeheuerlich“.

Laut der Darstellung von JB Sports Marketing habe das Unternehmen im Jahr 2010 einen Vertrag mit der Fifa für die Zeit zwischen 2010 und 2022 abgeschlossen. Demnach solle die Agentur für die WM in Brasilien 8750 Tickets beziehen, wobei die Fifa die Spiele für 2400 Plätze einseitig auswählen können sollte.

JB Sports fürchtete, dass die Fifa für dieses Kontingent der Agentur Ladenhüter würde andrehen wollen. Laut Benny Alon, einem israelischen Ex-Fußballer im Dienste von JB Sports, habe er diesen Punkt 2013 mit Valcke besprochen. Die Lösung sei gewesen, dass von diesen 2400 Tickets die Agentur 1400 Karten für die begehrten Spiele Brasiliens und das Finale bekommen sollte. Nur 1000 Tickets würde die Fifa der Agentur nach ihrem Gusto zuweisen. Laut dem Schweizer „Tages-Anzeiger“ habe Valcke Alon diese Lösung in einem Brief am 2. April 2013 beschrieben.

Alon behauptet nun, dass der Gewinn aus dem Verkauf der 1400 hochwertigen Tickets mit Valcke je hälftig geteilt werden sollte. Der englische „Guardian“ zitiert aus E-Mails, in denen Valcke darüber informiert worden sei, dass diese Tickets zum Teil zum Vierfachen ihres Nominalwertes verkauft werden sollten.

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