„Jetzt kommt unsere Zeit“
Vom Arbeitslosen zum Hoffnungsträger

Nichts geht mehr auf dem Transfermarkt - fast. In der Sportschule Wedau in Duisburg halten sich seit Juli arbeitslose Fußballer fit, die nun für manchen Verein zur letzten Hoffnung werden können. So wie David Odonkor.
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DuisburgDas also sind sie, die Übriggebliebenen. Die Fußballer ohne Job. In roten Trikots rennen und grätschen sie an diesem Nachmittag über den Platz der Sportschule Wedau in Duisburg. In der Hoffnung, dass da hinten unter den Bäumen jemand steht, der ihre Leistung zu schätzen weiß. Einer der Spieler auf dem Feld ist Julian Lüttmann. Zweit- und Drittliga erfahrener Stürmer. 29 Jahre alt. Eigentlich im besten Fußballeralter. Ein Alter, in dem man zum Führungsspieler reift. Lüttmann hätte das Zeug dazu. Auf und neben dem Platz. Noch immer ist er torgefährlich. Und er hat viele Erfahrungen gesammelt von der Regionalliga bis zur 2. Liga. 

Doch bisher will niemand diese Erfahrung. An irgendeinem Punkt in seiner Karriere hat sich der Weg geteilt und er hat sich für die falsche Richtung entschieden. Auch deshalb ist er jetzt hier und nicht bei einem Verein unter Vertrag. Einen solchen Punkt gibt es bei allen 70 gemeldeten Teilnehmern im Camp für arbeitslose Vertragsfußballspieler in Duisburg. Seit dem 11. Juli trainieren sie dort unter professionellen Bedingungen. 

100.000 Euro lässt sich die Spielergewerkschaft VDV das Camp kosten, unterstützt wird sie dabei von der DFL. Die Bedingungen für die Spieler sind optimal. Der aktuelle Spielball der Bundesliga liegt in großen Mengen bereit. Dazu kommt die komplette Ausrüstung für das Training sowie die Unterbringung in der Sportschule Wedau samt Verpflegung. Rasenplätze sind in ausreichender Zahl vorhanden. Es gibt Medizinchecks und Leistungsdiagnostik. Außerdem einen großen Trainerstab. Wenn man es nicht anders wüsste, könnte man meinen, ein Proficlub bereite sich hier auf die Saison vor. 

Doch die Vorbereitung dauert schon lange. Für einige zu lange. „Die Stimmung schwankt natürlich je länger das Camp dauert und je mehr Ligen ihren Spielbetrieb aufgenommen haben“, sagt Markus Reiter, einer aus dem sechsköpfigen Trainerteam. Trotzdem machen sich die Kicker weiter fit für den Moment, in dem der Anruf kommt, der ein Engagement einbringen könnte. Nach jedem Training geht der Blick deshalb auf das Handydisplay. Steht dort eine unbekannte Nummer, weckt das Hoffnungen. Vielleicht war das ja ein Scout oder Vereinsmanager. „Meistens ist es dann aber nur die Telekom oder sonstwer, der etwas möchte, oder jemand hat sich verwählt“, sagt Lüttmann. 

Dennoch ist er wie viele andere hier seit dem 1. September wieder zuversichtlicher. Denn mit dem 31. August wurde die offizielle Wechselfrist beendet. Spieler, die noch unter Vertrag stehen, dürfen den Verein nun nicht mehr wechseln. „Wenn Vereine durch Verletzung oder einen Leistungsabfall nun doch noch Bedarf zum Handeln sehen, sind wir erste Wahl“, sagt Lüttman. 

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